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Die Frankfurter Shopping-Mall ist auch 15 Jahre nach der Eröffnung vor allem bei jungen Menschen beliebt, muss sich aber immer wieder neu erfinden. Ab Mai noch mehr Entertainment.
Frankfurt – Der ganz große Hype ist vorbei, aber dafür regnet es nicht mehr rein. 15 Jahre sind vergangen, seit das Einkaufszentrum MyZeil auf dem Areal der ehemaligen Frankfurter Hauptpost seine Pforten öffnete. In den ersten Tagen nach der Eröffnung 2009 musste ein Security-Team den Einlass regeln, so viele Leute wollten die neue Shopping-Mall mit ihrer gewagten Glasarchitektur und Deutschlands längster freitragender Rolltreppe bestaunen. 400 000 Menschen kamen allein in den ersten drei Tagen, mehr als eine Million in den ersten vier Wochen, trotz zeitweiliger Probleme mit dem undichten Dach. Frank Albrecht, der damalige Vorstand im Frankfurter Einzelhandelsverband, nannte die Eröffnung des Einkaufszentrums nicht weniger als „ein Jahrhundertereignis“.
Die Besucherzahlen sind ein bisschen zurückgegangen. Bei Hollister im Erdgeschoss etwa, wo sich in den Anfangsjahren lange Besucherschlangen bildeten und auf Einlass warteten, muss sich längst niemand mehr die Beine in den Bauch stehen. Aber durchschnittlich, teilt Centermanagerin Andrea Poul mit, würden täglich noch immer rund 41 600 Menschen im MyZeil gezählt. An sehr guten Tagen liege der Besuch bei 70 000, an Weihnachten vergangenes Jahr seien sogar 95 000 Gäste am Tag gezählt worden.
Aktuell hoher Leerstand im MyZeil in Frankfurt
Wer kommt, findet ein deutlich anderes Angebot vor als noch 2009. Der Einzelhandel ist im Wandel. Manche Angebote entpuppten sich als nicht marktgerecht, oder aber den Verantwortlichen stand der Sinn nach Veränderung. Im vierten Stock des MyZeil standen vor Monaten die Menschen noch Schlange, um bei Poke You eine frische Salatbowl zu bekommen.
Seit ein paar Wochen steht der Laden leer. Die Strategie habe sich geändert, das Unternehmen mache das Catering für McLaren und wolle sich auf dieses Geschäftsfeld konzentrieren, heißt es vom Centerbetreiber. Immerhin 23 Unternehmen sind seit Beginn noch dabei, darunter das Modelabel „Kult“. Das Unternehmen mit Sitz in Köln hat bundesweit 32 Standorte in Einkaufszentren und bietet Mode für den kleinen Geldbeutel. Der Standort im zweiten Stock des MyZeil sei bundesweit der meistbesuchte von Kult, sagt Filialleiterin Julia Flegler und ergänzt: „Die Leute sind da, die Zeil ist alles andere als am Aussterben.“
MyZeil in Frankfurt hat junges Publikum
Eine Etage tiefer bei Lorey ist Geschäftsführer Philipp Keller nicht ganz so euphorisch. Das Publikum im MyZeil sei sehr jung. „Die Zielgruppe ist für uns nicht so ganz passend“, konstatiert er. Das traditionsreiche Haushaltswarengeschäft war 2020 aus der Schillerstraße ins Einkaufszentrum gezogen und gilt seitdem als einer der Publikumsmagneten in der Mall. In der Tat sei gerade samstags im Geschäft sehr viel los. Allerdings gebe es dann auch junge Leute, die nur schauen wollten und nichts kauften. Manche zahlungskräftige Kund:innen halte der Trubel im Laden vielleicht sogar eher von einem Besuch ab, fürchtet Keller.
Der Geschäftsführer bemängelt zudem den aktuell recht hohen Leerstand im MyZeil. Auf den ersten Blick fällt der gar nicht so auf, da er durch bunt bemalte Stellwände, Sitzgelegenheiten oder auch einen Selfie-Point gut kaschiert ist. Centermanagerin Poul beziffert den Leerstand hingegen auf lediglich 1,9 Prozent und betont, Sitzecken und Selfie-Point seien als Leerstand erfasst. Womöglich aber rührt die Diskrepanz daher, dass mancher Leerstand in der Statistik des Center-Betreibers nicht auftaucht, weil die Fläche zwar schon wieder vermarktet, aber noch nicht bezogen wurde.
So soll auf der großen Fläche der im Januar abgewanderten Modekette Bershka, die demnächst in den Hüllen des Karstadt-Hauses wiederzufinden sein wird, der britische Sportmodehändler JD Sports einziehen. Der Ausbau dafür beginne in Kürze, die Eröffnung sei allerdings erst für den November geplant, teilt das Centermanagement mit.
Gastronomie im Frankfurter MyZeil wird immer asiatischer
Bereits im Mai hingegen könne sich das Publikum auf noch mehr Entertainment freuen. Im zweiten Stock sollen dann auf rund 1000 Quadratmetern „Soccerbeat“ einziehen, die viele Spiele rund um den Fußball anbieten, vom Riesen-Tischkicker bis zur virtuellen Erlebniswelt. Ebenfalls im zweiten Stock soll im September ein Dienstleister für Körperpflege die Türen öffnen, der bereits im Skyline Plaza zu finden ist.
Die Gastronomie im MyZeil wird indes immer asiatischer und spiegelt wohl einen allgemeinen Trend wider. Schon jetzt ist die Gastroebene im vierten Stock asiatisch dominiert. Im Untergeschoss soll mit Go Asia ein weiterer Gastronomiebetrieb aus dem Fernen Osten einziehen und im Frühsommer eröffnen. Der Name eines Gastrobetriebs, der im Untergeschoss einziehen soll, dürfe noch nicht verkündet werden.
Im Erdgeschoss sei zudem schon der Vertrag mit einem Juwelier geschlossen, der allerdings erst im nächsten Jahr einziehe, teilt das Center-Management ECE weiter mit. Zu den Unternehmen, die seit 2009 dabei sind, gehört ECE übrigens nicht. Der Hamburger Center-Betreiber und Branchenführer übernahm die Geschicke des MyZeil erst fünf Jahre später. (Oliver Teutsch)



