VonBernd Loskantschließen
Amerika hat sich entschieden und Donald Trump ist zurück ins Weiße Haus gewählt worden. Wie stehen Vertreter aus Politik, Kirche, Wirtschaft und Kultur aus Fulda zur Wiederwahl?
Fulda - Etliche Fuldaer Gesichter haben sich am Tag der Wahl gegenüber unserer Zeitung zum Wahlausgang geäußert. Mit dabei: Michael Brand, Fuldaer Wahlkreisabgeordneter (CDU), Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda, Dr. Thorsten Waap, Dekan des evangelischen Kirchenkreises Fulda, und die aus Petersberg stammende Drehbuchautorin Eva Sippel.
Donald Trump wird US-Präsident - das sagt Fulda zur Wiederwahl
Michael Brand, Fuldaer Wahlkreisabgeordneter (CDU): „Wir müssen uns auf gewaltige Veränderungen einstellen“ -
„Das ist eine weitere Zeitenwende, und wir werden uns in Deutschland und in Europa auf teils gewaltige Veränderungen einstellen müssen. Vor allem müssen wir endlich auch selbst deutlich mehr in die Verteidigung von Freiheit und Wohlstand investieren. Europa hat das zu lange verschoben, angesichts der Putin-Kriege ist es allerhöchste Zeit“, wie der Fuldaer Wahlkreisabgeordnete Michael Brand (CDU) betont.
„Trump ist definitiv ein anderer Präsident als alle, die wir kennen. Aber Amerika bleibt die mächtigste Demokratie der Welt und ein strategischer Partner, ohne den der Frieden in Europa noch viel mehr gefährdet wäre. Deutschland wird weiter eng mit den USA zusammenarbeiten, politisch, wirtschaftlich und militärisch. Wir sind auf derselben Seite der Geschichte, auch wenn mit Trump ein völlig anderer Ton einziehen dürfte. Dieser Ton ist ein Weckruf für Europa, und wir müssen uns endlich zusammenreißen und als Europäer mehr für uns selber sorgen, und dafür die Ressourcen mobilisieren. Es geht um nichts weniger als um den Frieden in Europa, den wir gegen Putin, Xi und andere aufrechterhalten und verteidigen müssen.“
Fuldaer IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow: „Die wirtschaftliche Lage könnte sich weiter verschärfen“ -
„Mit Exporten im Wert von 10 Milliarden Euro und Importen von 15 Milliarden Euro sind die USA nach der Europäischen Union und vor der Volksrepublik China Hessens wichtigster Handelspartner“, erklärt der Fuldaer IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow.
„Fulda hat historisch bedingt enge Beziehungen zu den USA, in der regionalen Wirtschaft betrifft das insbesondere die größeren Industriebetriebe. Es ist zu befürchten, dass die von Trump angekündigten Importzölle und ein möglicher Handelskonflikt mit China die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage in Deutschland und unserem Landkreis weiter verschärft. Trotz allem dürfen wir niemals vergessen, dass die USA immer ein wichtiger Verbündeter und unverzichtbarer Wirtschaftspartner waren und bleiben werden.“
Weitere Stimmen zum Wahlergebnis
Weitere Stimmen können Sie in der Printausgabe von Donnerstag, 7. November, oder im E-Paper der Fuldaer Zeitung nachlesen.
Dr. Thorsten Waap, Dekan des evangelischen Kirchenkreises Fulda: „Die USA ticken einfach anders“ -
„Der Wahlsieg Donald Trumps löst kopfschüttelnde Bestürzung aus. Die USA ticken einfach anders“ sagt Dr. Thorsten Waap, Dekan des Evangelischen Kirchenkreises Fulda. „Aber dass ein Volk Gefahr läuft, sich sehenden Auges, mit klaren hasserfüllten Ansagen von der Demokratie zur Diktatur hin zu verabschieden, das bleibt völlig unverständlich. Oder hängt es damit zusammen, dass die Amerikaner keine Erfahrungen mit wirklicher Diktatur gemacht haben?“
„Das ist in Deutschland, in Europa hingegen (noch) im Bewusstsein. Was ich jedenfalls unerträglich finde, ist, dass besonders evangelikale Christen mitmachen und den Präsidenten als Heilsbringer fundamentalistisch befeuern. Es ist beschämend für das Christentum, wenn die Liebe Jesu Christi nicht der Maßstab ist. Der Theologe Karl Barth hat zur Nazizeit geschrieben: „Es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern (...) vom Himmel her! Gott sitzt im Regimente! Darum fürchte ich mich nicht.“ Das lässt mich hoffen.“
Vertreter aus Politik, Kirche, Wirtschaft und Kultur aus Fulda äußern sich zur Wiederwahl
Die aus Petersberg stammende Drehbuchautorin Eva Sippel: „Ich bin traurig und habe Angst vor der Zukunft“ -
„Ich bin fix und alle und kann es komplett nicht verstehen. Ich fühle mich als wäre ich in einem surrealen Film“, befindet die aus Petersberg stammende Drehbuchautorin Eva Sippel, die heute in Los Angeles lebt. „Wie kann ein Mann, der so ein negativer und seelisch kranker Mensch ist, allen Angst macht, Hass verbreitet, komplette Treue verlangt, und Rache verspricht, so viele Anhänger haben. Es kommt mir vor wie ein Kult.“
„Ich bin traurig und habe Angst vor der Zukunft. Die Uhr unseres menschlichen Fortschritts hat sich um Jahrzehnte zurück gedreht, und ich muss eingestehen, dass es so scheint, als ob wir Wähler, sogar nach fast 250 Jahren, der Demokratie noch nicht gewachsen sind. Als politisches System, verlangt sie eine Reife, Verständnis und Einsicht, die wir in Amerika, noch nicht gefunden haben.
In diesem Jahr stand eine wichtige Wahl, auch für Fulda, an: Die Europawahl. Wie die Parteien damals abschnitten. (von Jasmin Herzberg und Bernd Loskant)
Rubriklistenbild: © dpa/Julia Demaree Nikhinson

