VonPeter Hanackschließen
Rhein-Main-Link soll Windstrom von der Nordsee ins Rhein-Main-Gebiet befördern. Die Baustelle ist 500 Kilometer lang und 75 Meter breit und soll 2033 fertig sein.
Wiesbaden - Es ist eines der größten Projekte der Energiewende. Ein Mega-Kabelstrang soll den Windstrom von der Nordsee dorthin bringen, wo er gebraucht wird. Die Trasse zieht sich von Nord nach Süd durch ganz Hessen, von Kassel an Frankfurt vorbei bis in Hessische Ried. 2033 soll sie fertig sein.
Die Dimensionen sind gewaltig. Zwölf Stromkabel, jedes so dick wie ein Oberschenkel, sollen die Windkraft von der Küste ins Rhein-Main-Gebiet bringen. Ein Großteil der 500 Kilometer langen und viele Milliarden Euro teuren Erdkabelleitung wird einmal durch hessischen Boden laufen.
In Sichtweite von Wiesbaden, Gießen, Marburg
Die Bundesnetzagentur hat nun einen sogenannten Präferenzraum veröffentlicht und damit das Startsignal für das Riesenprojekt gegeben. Dieser Raum beschreibt den Korridor, in dem die Trasse einmal verlaufen soll. Wo genau die Gräben für die Kabel innerhalb dieses fünf bis zehn Kilometer breiten Korridors gezogen werden, ist allerdings noch unklar. Klar ist aber schon, dass die Bagger in Sichtweite von Marburg, Gießen, Bad Soden, Wiesbaden, Flörsheim und Rüsselsheim anrollen werden. Und das wahrscheinlich noch vor Ende des Jahrzehnts.
Die Rhein-Main-Link genannte Verbindung bündelt vier Trassen zu einer einzigen. Das soll das Projekt schneller und kostengünstiger machen, erläuterte Projektleiter Dominik Stunder vom Netzbetreiber Amprion am Montag bei der Vorstellung des Vorhabens.
Die Leitungen führen jeweils aus dem Raum Wilhelmshaven nach Südhessen. Endpunkte sind Bürstadt, Marxheim, Kriftel und das Hessische Ried. Dort werden jeweils sogenannte Konverteranlagen gebaut, riesige Transformatoren, die den Gleichstrom aus den Erdkabeln in Wechselstrom umwandeln und ihn schließlich ins Netz einspeisen.
Rhein-Main-Link
500 Kilometer lang , 75 Meter breit ist die Stromtrasse von der Nordsee bis Südhessen. Fertig sein soll sie 2033.
Informationsveranstaltungen gibt es online am 7. und 19. Dezember. pgh
Anmeldung und weitere Infos unter netzausbau.de/Umweltbericht
Insgesamt acht Gigawatt sollen die zwölf Kabel einmal transportieren können. „Leitungen wie diese sind entscheidend dafür, dass wir die Energiewende verwirklichen können“, sagte Amprion-Sprecher Jonas Knoop.
Für die Verlegung werde nun innerhalb des Korridors die Trasse gesucht. Ein konkreter Vorschlag dafür soll Mitte nächsten Jahres vorliegen. Danach soll das Planfeststellungsverfahren beginnen, die Baugenehmigung erwartet Amprion für 2028. Dann könnten die Bauarbeiter zur Tat schreiten. 2033 soll der erste Strom durch die Leitung fließen.
Baustelle ist 75 Meter breit
Gebaut werden soll in je rund ein Kilometer langen Abschnitten. Nach zwei bis drei Monaten soll die Baustelle dann weiterziehen. Für die Kabel werden vier parallele Gräben von jeweils etwa zwei Metern Tiefe und fünf Metern Breite ausgehoben. Die gesamte Baustelle ist rund 75 Meter breit. Dafür müssen gegebenenfalls Bäume gerodet werden.
Einen Mindestabstand zur Bebauung gibt es laut Stunder nicht, Ortschaften und Aussiedlerhöfe sollen jedoch nicht direkt tangiert werden. Auch Wald und andere Schutzgebiete würden nach Möglichkeit gemieden. Nach dem Ende der Arbeiten könne die Fläche wieder landwirtschaftlich bewirtschaftet werden. Ein 40 Meter breiter Streifen müsse aber von Bebauung und Bäumen freigehalten werden. (Peter Hanack)
