Altkleidersammlung

Ekel beim Öffnen von Altkleidercontainern: Sogar tote Tiere werden darin entsorgt

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Könnte vermieden werden: An der Sammelstelle am Tegut in Hofgeismar sieht es häufig wild aus. Zwischen der herumliegenden Kleidung kann man dort hin und wieder auch Flaschen finden. Denn der benachbarte Altglascontainer ist oft voll.
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 Altkleidersammeln: Wiederaufbereitung könnte schwieriger werden

Was Menschen alles in Altkleidercontainern entsorgen, ist abenteuerlich. Einige entsorgen darin ihren Hausmüll, andere werfen Geräte hinein und wieder andere sogar tote Tiere.

Kreis Kassel – Nicht selten verkommen Sammelstellen für Altkleidung zu Müllhalden. Vom Regen durchnässte Kleidung, Matratzen und Haushaltsgeräte finden sich an Containern im Landkreis Kassel. Das Problem in den Griff zu bekommen, ist für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) eine Herausforderung. Die Hilfsorganisation hat fast hundert Altkleiderboxen in Stadt und Landkreis Kassel aufgestellt.

Frechheit: In Schauenburg-Elgershausen wurde erst vergangene Woche im großen Stil Dämmstoff in einem Container entsorgt.

„Wir haben schon alte Spül- und Waschmaschinen an unseren Containern vorgefunden. Es ist unglaublich, was dort alles abgestellt wird“, sagt Sebastian Dumke, Geschäftsführer des DRK Kreisverbands Hofgeismar. Nicht besser sieht es oftmals im Innern der Behälter aus. Laut Dumke habe man vom toten Tier bis zur vollgemachten Windel schon viel Unappetitliches vorgefunden. Standorte, die regelmäßig für Ärger sorgten, hat der Hofgeismarer Geschäftsführer geschlossen.

An den 34 Sammelstellen im Altkreis Hofgeismar kommen durchschnittlich zwischen 100 und 120 Tonnen im Jahr an Kleiderspenden zusammen – teilweise sogar mehr. „Diese verkaufen wir komplett an einen Dienstleister“, erklärt Dumke. Eine Sortierung rechne sich für sie nicht. In den vergangenen Jahren hat Dumke beobachtet, dass besonders in der Ferienzeit Container überfüllt sind und Unratabladungen zunehmen.

Auch im Landkreis Kassel ist Vermüllung an Sammelstellen Thema

Der DRK-Kreisverband Region Kassel hat 66 Altkleider-Container in Stadt und Landkreis aufgestellt. Auch sein Verband „hat mit Vermüllung zu kämpfen“, sagt Geschäftsführer Holger Gerhold-Toepsch. „Erst vergangene Woche wurde in Schauenburg-Elgershausen ein Container mit Dämmstoff zugemüllt.“ Im Gegensatz zum Hofgeismarer Verband wird in der Region Kassel die Kleidung noch selbst sortiert. „Alles was tragbar ist, wird in einem unserer vier Läden verkauft.“ Alles Übrige – ungefähr 150 Tonnen – wird an einen Altstoffhändler verkauft.

Grundsätzlich weisen Gerhold-Toepsch und Dumke darauf hin, dass Nutzer der Container keine Tüten mit Kleidung neben die Behälter stellen sollten. „Kleidung, die nicht im Container landet, können wir nach kurzer Zeit nur noch als Lumpen entsorgen und obendrein gibt es ganz schnell Nachahmer“, sagt der Chef der DRK-Region Kassel. Deshalb rät er besser zur nächsten Sammelstelle zu fahren. Auch Dumke appelliert an die Moral der Spender, die Kleider wieder mitzunehmen oder an andere Stelle zu fahren. » SE

Kreis Kassel – Müll und überfüllte Container sind an Altkleidersammelstellen nichts Neues. Ob das Problem schon vor Jahren ähnlich groß war, vermag weder Sebastian Dumke, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Hofgeismar noch sein Kollege Holger Gerhold-Toepsch, Geschäftsführer des Kreisverbands Region Kassel einzuschätzen. Fest steht allerdings, dass sich seit Jahren schon Bürger regelmäßig über vermüllte oder überfüllte Containerstandorte beschweren.

Sobald die beiden Geschäftsführer mitbekommen, dass es an einem Standort Probleme gibt, reagieren sie in der Regel sofort. „Dann schicke ich einen unserer drei Fahrer raus“, erklärt Gerhold-Toepsch. Ebenso hält es Dumke: „Wenn wir erfahren, dass irgendwo Unrat abgeladen wurde oder ein Container überfüllt ist, nehmen wir Kontakt zu unserem Dienstleister auf.“

Sebastian Dumke DRK-Geschäftsführer Hofgeismar

In der Regel lassen die beiden die Altkleiderboxen im wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Rhythmus leeren. Und wenn es sein müsse, führen sie auch zwei Mal pro Woche zu einem Container, erklären sie. Denn natürlich gibt es große Unterschiede an den verschiedenen Standorten. „In Hofgeismar haben wir besonders den Container hinter dem Edeka sowie jenen am Tegut im Blick“, bemerkt Dumke. Auch Gerhold-Toepsch weiß, wo die Brennpunkte liegen.

Autohimmel und Dämmstoff für den Hausbau aus Altkleidern

Da beide ihre Textilien an einen Altstoffhändler weitergeben, ist nicht ganz klar, was mit der nicht verkäuflichen Ware passiert. Nur so viel: „Diese Sachen werden beispielsweise zu Dämmstoffen für Autos weiterverarbeitet“, berichtet Dumke und Gerhold-Toepsch sagt, dass diese auch als Dämmmaterial für Häuserbau oder auch für die Herstellung von Putzlappen Verwendung fänden.

Kilogrammweise wird nicht tragfähige Kleidung an den Dienstleister abgegeben. Was sie genau dafür bekommen, wollte keiner der beiden sagen. Laut Internet liegt der Preis für eine Tonne Altkleider zwischen 300 und 600 Euro. Die Einnahmen aus dem Altkleiderverkauf kommen in beiden Verbänden den Ehrenamtlichen in ihren Verbänden zugute.

Markt ist ziemlich gesättigt

Zu Bedenken gibt Gerhold-Toepsch, dass der Markt für die Wiederaufbereitung alter Kleidung inzwischen recht gesättigt ist. Durch das hohe Aufkommen an Kleidung und die vielen kommerziellen Sammler, könne es zunehmend schwieriger werden Textilien fürs Recycling an den Mann zu bringen. Noch rechnet sich der Verkauf von Altkleidern für das DRK in der Region Kassel, der gut sortierte Kleidung in drei Läden im Landkreis und einem in der Stadt Secondhand-Klamotten verkauft. Insgesamt sind elf Mitarbeiter in dem Bereich beschäftigt.

Wer in Hofgeismar Altkleider in einem Container entsorgen möchte und auf Nummer sichergehen will, kann diese in der Carl-F.- Benz Straße 3 loswerden. „An der dortigen Scheune stehen vier Altkleidercontainer zur Verfügung.“

Ekelattacke bei der Altkleiderspende: Können Sie das bestätigen?

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Grundsätzlich gibt Dumke zu bedenken, dass man beim Thema Altkleider daran erinnert wird, dass wir in einer Konsumgesellschaft leben. „Denn oft werden Dinge weggeworfen, die noch tragbar sind“, so Dumke und fügt an: „Das Gefühl etwas wegzuwerfen haben viele vermutlich nicht, denn das Spenden tritt ja in den Vordergrund.“ (Tanja Temme)

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