Jasmin Schlee, die durch den Abend führte, im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Michael Roth. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ machte Roth zum zentralen Inhalt seines Beitrags.
Der elfte Elixier-Gottesdienst in der Kreuzkirche in Eschwege wurde zum Thema „Sei ein Mensch!“ gefeiert. Michael Roth teilte seine Gedenken dazu.
Eschwege – Was hat ein Politiker in einer Kirche vor einem Altar zu suchen? Michael Roth war sich dieses Widerspruches am Samstagabend (16. März) in der Kreuzkirche durchaus bewusst. Aber Roth ist nicht nur Landessynodaler, seit 53 Jahren Christ, sondern in erster Linie Mensch. Und damit war er prädestiniert beim elften Elixier-Gottesdienst zum Thema „Sei ein Mensch“ seine Gedanken zu diesem Thema zu teilen.
Roth war auch anwesend, als der Sportjournalist Marcel Reif diese drei entscheidenden Worte am Holocaust-Gedenktag am 27. Januar im Reichstag ausgesprochen hatte. Reifs Vater hatte den Holocaust überlebt und in das Land, das ihm größten Pein zukommen ließ, zurückgekehrt und hatte seinem Sohn vor seinem Tod die Worte „Sei ein Mensch“ mit auf den Weg gegeben. Die Macher des jungen Gottesdienstes Elixier hatte diese Worte beeindruckt und zum Thema gemacht. Die aktuelle politische Lage löse vielerorts Diskussionen aus. Rechte Tendenzen würden stärker werden. Dagegen erheben derzeit sehr viele Menschen ihre Stimme. Viele seien unzufrieden und unsicher. Auch Ängste spielten dabei eine große Rolle. Der Gottesdienst sollte sich deshalb damit beschäftigen, was es aus christlicher Sicht bedeuten kann, menschlich zu sein, zu handeln und zu denken. „Dieser Gottesdienst ist aber keine politische Veranstaltung, in der wir die Positionen von Rechts, Mitte oder Links bewerten“, sagt Jasmin Schlee, die durch den Abend führte. Man wolle der Menschlichkeit aus christlicher Perspektive begegnen, Hass entgegentreten und Mut machen. Diesen Gedanken griff Michael Roth auf. Der 53-Jährige rief in seinem Gastbeitrag dazu auf, sich nicht von Hass und Hetze anstecken zu lassen. Gleichzeitig erklärte er aber, dass Zivilcourage Grenzen habe. „Wenn ihr euer Leben oder eure Gesundheit riskiert, haltet euch lieber raus“, riet er den Gottesdienstbesuchern. Das sei Aufgabe des Staates, von Profis.
Glauben heiße nach seinem Verständnis zu zweifeln, nicht zu wissen. Aber auch für gläubige Menschen gelte der Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Wenn man sich daran halte, seien alle Ebenbilder Gottes. Allerdings funktioniere Gottes Wunsch, alle Menschen auch zu lieben, nicht. „Es gibt – und da wird es Ihnen nicht anders gehen – einfach Menschen, die kann ich nicht lieben“, sagte Roth. Aber auch diese Menschen zu respektieren, ihnen nicht die Würde zu nehmen, das könne funktionieren. Dabei helfe, zuzuhören und achtsam miteinander umzugehen. In einer Videobotschaft wandte sich die Courage-Beauftragte Victoria Harbusch der Anne-Frank-Schule, einer der drei Eschweger Courage-Schulen gegen Rassismus, an die Besucher. Sie berichtete, wie im Schulalltag Diskriminierung und Rassismus entgegnet wird. Das lasse man nicht durchgehen. Zum einen soll vorgebeugt werden, zum anderen soll das Mitspracherecht der Schüler gestärkt im Vorhinein gestärkt werden.
Die Elixier-Band spielte Lieder wie „Schrei nach Liebe“ oder „Aufstehen, aufeinander zugehen“ und das Vaterunser. Neu dabei waren bei diesem Gottesdienst übrigens die Konfirmandinnen Anna und Emily, die sich nach dem letzten Elixier anschlossen und ihre Gedanken zum Thema mit „Du musst für dich perfekt sein“ zusammenfassten. Neue Mitstreiter sind indes immer gerne gesehen. (Tobias Stück)
Nachschauen kann man den Gottesdienst in Kürze hier.
11. Elixier-Gottesdienst zum Thema „Sei ein Mensch“