Stimmabgabe ab 16

Nervös vor dem ersten Urnengang: Schüler in der Region bereiten sich auf die Europawahl vor

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„Europa, Fulda und Ich“-Ausstellung - Freiherr-vom-Stein-Schüler bereiten sich intensiv auf die Europawahl vor.
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Wählen ab 16 Jahren: Das ist am 9. Juni bundesweit für rund 1,7 Millionen Jugendliche bei der Europa-Wahl möglich. Auch die Schülerinnen und Schüler der Freiherr-vom-Stein Schule bereiten sich darauf vor. Wie genau sieht das aus und freuen sie sich, wählen zu dürfen?

Fulda - Aufregung beim Erhalt der ersten Wahlbenachrichtigung - dieses Gefühl kennen sicher viele, die zum ersten Mal wählen dürfen. So geht es auch zwölf Zehntklässlern der Europa-Schule Freiherr-vom-Stein in Fulda. Sie besuchen den sogenannten eTwinning-Wahlkurs - dieser vernetzt Schulklassen der Europa-Schulen über die gleichnamige Online-Plattform miteinander.

Diese Schüler gehören zu den mehr als 100.000 Erstwählern in Hessen unter 18. Die Jugendlichen waren im Vonderau Museum in Fulda und haben am Workshop zu der Ausstellung „Europa, Fulda und Ich“ teilgenommen, die noch bis zum 30. Juni zu sehen ist. Dort konnten sie sich ein Bild machen, welchen Einfluss die Europapolitik auf Fulda hat.

Erstmals dürfen 16-Jährige bei der Europawahl abstimmen - Freiherr-vom-Stein-Schüler bereiten sich vor

Aber wie finden es die Jugendlichen, dass sie mit unter 18 Jahren schon ihre Stimme für die Europa-Wahl abgeben dürfen? Der 16-jährige Carlos Reichert ist einer der Neu-Wähler und findet es gut, die Möglichkeit zu bekommen seine Stimme abzugeben. „Ich fühle mich bereit dazu, in meinem Alter so eine Entscheidung zu treffen“, berichtet er stolz. „Ich gehe wahrscheinlich mit meinen Eltern zusammen zur Wahlurne, da ich mich damit sicherer fühle.“

Auch sein Mitschüler Karl Illner freut sich über die Chance, wählen zu dürfen. „Ich werde sehr wahrscheinlich die Briefwahl beantragen“, sagt Karl. Welche Partei die Beiden genau wählen wollen, wissen sie noch nicht. Die 16-Jährigen möchten sich zuvor noch genauer mit den zur Wahl stehenden Parteien auseinandersetzen, zum Beispiel über die Plattform „Wahl-O-Mat“, aber auch im Politik-Unterricht, wo die Wahl in diesem Schuljahr Thema ist.

Intensive haben sich die Freiherr-vom-Stein-Schüler mit den europäischen Themen auseinandergesetzt.

Auch die Schülerin Franziska Kress freut sich, in diesem Jahr zum ersten Mal wählen zu dürfen. Die 16-Jährige weiß noch nicht, ob sie persönlich hingeht oder die Briefwahl beantragt. Genauso wie ihre Klassenkameradin Nora Rentsch. Diese lacht nervös bei der Frage, ob sie es gut findet, unter 18 Jahren wählen zu dürfen. „Ich werde genau sechs Tage vor der Wahl 16. Ich habe auch schon meine Wahlbenachrichtigung bekommen und freue mich, die Chance zu bekommen, jetzt schon wählen zu dürfen. Aber ich hätte auch noch warten können, bis ich 18 bin“, sagt sie zurückhaltend.

Freiherr-vom-Stein-Schüler informieren sich auf Podiumsdiskussion über die Europawahl

Um mehr über die anstehende Wahl am 9. Juni zu erfahren, hat die Freiherr-vom-Stein-Schule für alle Neuwähler eine Podiumsdiskussion abgehalten. Zu Gast waren ehemalige EU-Politiker und eine Politikexpertin. Dort konnten die Schülerinnen und Schüler neue Eindrücke und Informationen mitnehmen, um sich auf die Wahl vorzubereiten. Laut dem Zehntklässler Carlos Reichert kam es zu hitzigen Diskussionen: „Die Schüler haben bestimmt zwei Stunden mit den Gästen diskutiert. Man hat das Interesse von meinen Mitschülerinnen und Mitschülern an der Europa-Wahl deutlich gemerkt.“

Ebenfalls zu Diskussionen kam es beim Workshop im Vonderau Museum. Bereits bevor es in den Ausstellungsraum ging, begannen die ersten Debatten über die Europapolitik. Die Waffenlieferungen und Verteidigungspolitik wurden kritisiert. „Die EU ist wie eine Organisation, natürlich kommt es dort zu Unstimmigkeiten“, erklärte die ehemalige Lehrerin Angelika Beckmann, die für die Führung zuständig war.

Der verantwortliche Lehrer Carsten Möller begleitete die Zehntklässler. Der Ethik- und Geschichtslehrer war bereits mit den Neuntklässlern des eTwinning-Kurses in der Ausstellung. „Die Neuntklässler waren noch kritischer. Sie wiesen darauf hin, dass es auch negative Seiten an der EU gibt und sie empfanden, dass die Ausstellung hauptsächlich die positiven Aspekte darstellt“, verdeutlicht Möller.

Viele Schulen in der Region Fulda bereiten ihre Schüler auf die Europawahl vor

Er sagt außerdem, dass die Schüler mittlerweile eine starke eigene Meinung haben und aufgeschlossener sind als die Schüler von früher. Doch die Neu-Wähler sind auch nervös: „Viele kamen in die Schule und man merkte deutlich, dass sie aufgeregt sind, weil sie ihre Wahlbenachrichtigung bekommen haben“, sagt Lehrer Möller.

Nicht nur die Stein-Schule bereitet ihre Schüler auf die kommende Europawahl vor, sondern auch andere Schulen aus der Region wie das Marianum oder die Von-Galen-Schule in Eichenzell. Im Marianum wurde im März ebenfalls eine Podiumsdiskussion mit zwei Politikern abgehalten. Die Jugendlichen der Realschule und der gymnasialen Oberstufe des Marianums engagieren sich intensiv im Bereich der politischen Bildung, sagt Schulleiter Steffen Flicker.

Europa-Wahl 2024 - neues Wahlalter

Ab welchem Alter gewählt werden darf, entscheidet jeder EU-Mitgliedstaat selbst. Der deutsche Bundestag hat im November 2022 das Wahlalter von 18 auf 16 Jahre abgesenkt. Bisher gilt das Wahl-Alter nur für die Europawahl. In Hessen darf bei Landtags-, Kommunal- oder Bundestagswahlen weiterhin erst mit 18 Jahren gewählt werden.

Neben Deutschland darf auch in drei weiteren EU-Ländern ab 16 Jahren bei der Europa-Wahl gewählt werden: Österreich, Malta und Belgien. Die Senkung des Wahl-Alters wurde damit begründet, dass Jugendliche immer mehr politisches Interesse zeigen und ein Mitsprache-Recht fordern würden. Deutlich werde das bei Themen wie Klimaschutz, Sozialsystemen, Internetregulierung und öffentlichen Investitionen.

Die Stimmung bei den Schülerinnen und Schülern sei positiv in Bezug auf die Wahlbeteiligung. Viele der Jugendlichen hätten bei der Podiumsdiskussion heraushören lassen, dass der Wunsch über die allgemeine Absenkung des Wahlalters in Deutschland vorhanden ist. Flicker ergänzt dazu: „Sie fragen sich, wie denn die jugendlichen Interessen durchgesetzt oder berücksichtigt werden sollen, wenn es keine jugendlichen Wählerstimmen gibt.“

Um die Schüler der Von-Galen-Schule vorzubereiten, nimmt die Schule, wie bereits im vergangenen Jahr zur Landtagswahl, an der Juniorwahl teil. So können die Schülerinnen und Schüler einen ersten Eindruck bekommen, wie eine Wahl abläuft. Der verantwortliche Politiklehrer Andree Harms berichtet, dass er seinen Unterricht in diesem Schuljahr darauf ausrichte, die Jugendlichen auf die anstehende Wahl vorzubereiten.

Video: So läuft die Europawahl ab

„Wir behandeln die EU-Wahl vertieft in den Klassenstufen 9 und 10, wobei die Unterrichtseinheit „Europäische Union“ eigentlich erst in der 10. Klasse verankert ist. Da wir aber wahlberechtigte Schüler auch in der 9. Klasse haben, müssen wir entsprechend flexibel darauf reagieren,“ sagt Harms.

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