Stark, geeint, handlungsfähig

„Europa, Fulda und ich“: Neue Ausstellung im Vonderau Museum wird heute eröffnet

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Freuen sich über die gemeinsam erarbeitete Ausstellung (von links): Marianne Müller, Klaus Becker, Walter Rammler, Frank Verse, Katja Galinski und Thomas Berger.
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Wie beeinflusst die EU unseren Alltag? Diese Frage versucht die neue Ausstellung „Europa, Fulda und ich“ im Fuldaer Vonderau Museum zu beantworten. Am heutigen Mittwoch um 19 Uhr eröffnet Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld die Ausstellung.

Fulda - Die anstehende Europawahl am 9. Juni war der Impulsgeber für ein großes Kooperationsprojekt des Vonderau Museums in Fulda gemeinsam mit Pulse of Europe und Europe Direct. Das Ergebnis wurde gestern vorab präsentiert – eine Ausstellung mit großformatigen Fotografien von Walter M. Rammler sowie einem umfassenden Begleitprogramm (siehe Kasten).

Fulda: Europa-Ausstellung im Vonderau Museum gestartet

Museumsleiter Dr. Frank Verse verwies in seiner Begrüßung darauf, wie wichtig es ist zu zeigen, dass Europa nicht bloß fern in Brüssel stattfinden würde, sondern eben auch ganz normale Bürgerinnen und Bürger vor Ort beträfe. Daher wurden Menschen aus der Region befragt – beispielsweise eine Studentin, ein Landwirt, eine Schneiderin, ein Einkäufer –, was genau Europa für sie persönlich bedeutet. Fotograf Rammler lieferte die Bilder, daneben sind die Statements zu lesen, die laut Kuratorin Katja Galinski fast unbearbeitet geblieben sind.

Und der Fotograf schwärmt noch jetzt von seiner Arbeit. „Es war sehr beeindruckend“, sagt Rammler. „Ich bin dadurch noch europäischer geworden.“ Die einzelnen Geschichten der Menschen, die er fotografiert hat, fand er höchst interessant. So habe ihm zum Beispiel die Schneiderin erzählt, dass sie wegen des Brexits große Probleme hat, in Großbritannien Stoffe zu bestellen.

Ein Blick in die Ausstellung.

Und die Direktvermarkterin von Rohmilchkäse berichtet, dass sie ihren Feta nicht Feta nennen darf, weil es sich hierbei um eine geschützte Bezeichnung für Käse aus Ziegen- oder Schafsmilch handelt. Daher muss sie ihren Käse als Hirten- oder Balkankäse bezeichnen. „Das ist irreführend, da wir unsere Kühe nicht mit Hirten hüten und der Käse in der Rhön produziert wird.“ Das macht die Ausstellung authentisch: Es wird auch geschimpft. Zu viel Bürokratie. Doch die Vorteile der Union überwiegen.

Nochmal kurz zurück zum Brexit. Ja, der Austritt Großbritanniens aus der EU ist bei diesem Termin immer wieder Thema. Denn erst im Nachhinein scheint vieles unangenehm aufzufallen, was plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist. Da wollen die Organisatoren ansetzen: Sie wollen auch die Menschen erreichen, die Europa als nicht wichtig genug erachten. Gerade was junge Menschen angeht, erhoffen sich die Verantwortlichen Interesse und offene Ohren.

Programm

Lesung, Vorträge, Podiumsdiskussion
Sonntag, 10. März, 11 Uhr: WIR, EUROPA: Fest der Völker. Ein literarisches Plädoyer für das Projekt Europa. Lesung mit Jutta Sporer und Peter Klingebiel.
Freitag, 26. April, 18.30 Uhr: Lebendigkeit – Menschlichkeit – Schönheit. Wie Sie sich für Europa begeistern können. Vortrag von Dr. Christoph Quarch mit anschließender Diskussion.
Dienstag, 14. Mai, 19 Uhr: Welches Europa wollen wir? Podiumsdiskussion mit allen proeuropäischen Parteien.
Dienstag, 28. Mai, 19 Uhr: Die extreme Rechte auf europäischer Ebene. Vortrag von Prof. Claudia Wiesner zu aktuellen Dynamiken im Zuge der Europawahl.

Gesprächsreihe „Perspektiven und Europäische Union“
Moderierte Podiumsdiskussion mit wechselnden Gästen jeweils am dritten Dienstag im Monat.
Dienstag, 19. März, 18.30 Uhr: Wirtschaft und Arbeit in Fulda und Europa.
Dienstag, 16. April, 18.30 Uhr: Europa neu denken – Internationaler Austausch zur Zukunft Europas.
Dienstag, 21. Mai, 18.30 Uhr: Europa vor der Wahl – Welchen Einfluss hat meine Stimme?
Dienstag, 18. Juni, 18.30 Uhr: Europa nach der Wahl – Wie geht es weiter?
Die Veranstaltungen finden im Vonderau Museum statt, der Eintritt ist frei, wenn nicht anders angegeben.

Europakino im Kulturkeller
Dienstag, 26. März, 20 Uhr: „Quo vadis, Aida?“
Dienstag, 23. April, 20 Uhr: „The Old Oak“
Tickets kosten im Vorverkauf 6,50 Euro, an der Abendkasse 7 Euro.

Workshops für Gruppen und Schulklassen (9. bis 13. Klasse)
Die Europäische Union – Vorteile, Vorzüge und Probleme.
Dauer: 90 Minuten. Infos und Anmeldung unter (0661) 1023210 oder museum@fulda.de

Vorführungen im Planetarium
Europas Weg zu den Sternen. Die geschichte der Europäischen Südsternwarte.
Europas Blick nach oben. Europäische Südsternwarte, Raumfahrt und Luftfahrt als Beispiele erfolgreich europäischer Gemeinschaftsprojekte.
Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Infos und Termine im Internet.

Podcast „Mein Europa“
Interview-Podcast zur Ausstellung mit Claudia Hümmerl-Hille und wechselnden Gästen, abrufbar ab sofort auf Spotify.

Kooperationspartner:
Europa-Union Hessen, Freunde des Museums, Hessische Landeszentrale für politische Bildung, Hochschule Fulda, Kulturzentrum Kreuz, Kunststation Kleinsassen.

Weitere Programmpunkte und Informationen unter museum-fulda.de und planetarium-fulda.de.

Klaus Becker wünscht sich, die Erstwähler zu erreichen. „Die Jugendlichen informieren sich heute nicht mehr über Qualitätsmedien, sondern über Tiktok“, sagt er. Wo besonders die AfD („stärker als alle anderen Parteien zusammen“) aktiv sei. Daher haben die Verantwortlichen im Rahmen der Ausstellung ein Konzept extra für Schulklassen erstellt.

Als „stark, geeint und handlungsfähig“ wünscht sich Marianne Müller von Puls of Europe ihr Europa. Und Thomas Berger von Europe Direct lobt die Vielfalt der verschiedenen Lebensbereiche, die die Ausstellung abbildet.

Anlässlich seines 300. Geburtstag ist im Dezember eine Ausstellung zu Ehren des Künstlers Johann Andreas Herrlein im Vonderau Museum eröffnet worden. Er gilt als bedeutender Maler der Barockzeit.

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