VonChristopher Hessschließen
Sommer, Sonne, Sonnenschein – was für glückliche Gesichter bei den meisten Menschen sorgt, treibt Landwirten Sorgenfalten auf die Stirn. Schon jetzt sind auf den Feldern Hitzeschäden erkennbar. Daran ändert auch der Regen in dieser Woche nichts.
Fulda - Philipp Jahn besitzt 50 Hektar Land in Neuenberg und Dietershausen. „Die Sommerkulturen habe ich gedanklich schon abgeschrieben. Da zeichnet sich ab, dass die Erträge wegen der schon jetzt starken Trockenheit wahrscheinlich gering ausfallen werden“, sagt der 39-Jährige.
Extreme Trockenheit: Landwirte im Kreis Fulda bangen um ihre Ernte
Vor allem Weizen, aber auch Mais und Sommergerste leiden schon jetzt unter dem fehlenden Nass. Am Getreide, das im Winter gesät und in knapp vier Wochen abgetragen werden soll, sind an den Knospen teils starke Hitzeschäden zu sehen. „Die finanziellen Auswirkungen sind schwer vorherzusagen, aber im schlimmsten Fall müssen die Rücklagen des Betriebes die Verluste abfangen“, sagt Jahn.
Sebastian Schramm, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Fulda-Hünfeld, schlägt Alarm: „Wenn sich das so fortsetzt, dann ist das besorgniserregend.“ 248 Sonnenstunden wurden laut dem Portal Statista in Hessen für den Monat Mai gemessen, im April waren es 145 Stunden gewesen.
Wir müssen uns in Zukunft noch mehr an das trockene Wetter anpassen.
Auf diese vielen Sonnenstunden folgte wenig Niederschlag: Im Mai waren es in Hessen 43,3 Liter pro Quadratmeter. Der nasse März brachte 111 Liter Regen pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Im Mai 2018 wurden 60,1 Liter Wasser pro Quadratmeter gemessen. 2017 waren es im Mai sogar 72,9 Liter gewesen.
„Vor allem die Sommerung hat es bei der jetzt schon großen Trockenheit schwer, zu überleben“, sagt Schramm. Zur Sommerung gehört alles, was im Frühjahr gesät wird – beispielsweise Sommerweizen, Hafer und Mais. Die Sommerkulturen in der Region werden meist Ende April oder Anfang Mai gesät. Weil das Frühjahr so viel Niederschlag wie seit Jahren nicht einbrachte, hatten die Böden in den vergangenen Monaten noch genügend Feuchtigkeit übrig, wovon sich die Sommerkulturen nach ihrer Saat teils ernähren konnten.
Der richtige Boden
Vor allem Felder am Südhang, Felder mit viel Sonneneinstrahlung und solche mit dünnem Boden sind laut Sebastian Schramm, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, anfällig für Schäden aufgrund der Trockenheit. Tiefergründige Böden dagegen können mehr Wasser speichern (bis zu 200 Liter) und geben der Saat eine bessere Ausgangslage, um zu gedeihen. Das stellt auch Landwirt Philipp Jahn fest, der vorrechnet: Während er auf seinen Feldern mit etwa 120 Zentimeter tiefen Böden in Neuenberg etwa acht Tonnen Ackerbohnen erntet, bringen seine dünneren, 60 Zentimetern tiefen Böden in Dietershausen nur die Hälfte an Ernte, etwa vier Tonnen, ein. Je tiefer der Boden, desto mehr Platz hat die Wurzel. Auch das hilft, besser zu wachsen, erklärt Jahn.
Doch seit Wochen sind die Böden ausgetrocknet, weil der Regen ausbleibt. „Hinzu kommt in diesem Jahr ein starker Ostwind“, beobachtet Landwirt Jahn. Dieser sorge dafür, dass die Böden noch schneller austrockneten – auch die Feuchtigkeit aus dem nassen Frühjahr sei so schneller gewichen. Immerhin: Für Mitte dieser Woche ist - nach kräftigen Schauern in der Nacht zu Dienstag - weiterer Regen vorhergesagt.
Um eine reiche Ernte bringen zu können, braucht eine Pflanze etwa 400 bis 500 Liter Wasser pro Quadratmeter. Schon im vergangenen Jahr hatte Jahn mit Einbußen zu kämpfen: Lag sein Ertrag bei den Ackerbohnen beispielsweise sonst meist zwischen vier bis fünf Tonnen, so brachte dieser 2022 nur knapp 1,5 Tonnen. In diesem Jahr könnte die Zahl weiter sinken.
Video: Wiederholt sich das Dürrejahr 2018? Trockenheit bereitet Landwirten Sorge
Eine bessere Ausgangslage haben die im Winter gesäten Kulturen. Dazu gehören beispielsweise Gerste und Roggen. Diese haben in den Winter- und Frühjahrsmonaten rund 400 Liter Wasser pro Quadratmeter abbekommen. „Die Gerste reift in den kommenden Wochen zuerst ab“, erklärt Schramm. „Mit der Ernte der Winterkulturen sollten wir einen vernünftigen Ertrag erzielen können.“ Extreme Trockenheit in den Sommermonaten, das ist fast schon zur Normalität geworden. Wie kann die Landwirtschaft darauf reagieren?
Landwirt Jahn hat seit einigen Jahren seine Bodenbearbeitung umgestellt. Er arbeitet nur noch mit der Direktsaat. Bei dieser Art der Ackerbaumethode erfolgt die Saat direkt nach der Ernte, ohne dass der Boden bearbeitet wird. Denn: „Umso weniger ein Boden bearbeitet wird, desto mehr Feuchtigkeit speichert er“, sagt Jahn. „Wir müssen uns in Zukunft noch mehr an das heiße Wetter anpassen.“
Heißere Sommer können dazu führen, dass Landwirte auf andere Kulturen umsteigen. „Da gibt es welche, die mit dem Klima besser klarkommen“, sagt Schramm. „Soja könnte hier beispielsweise irgendwann wachsen“, blickt er in die Zukunft.
