VonMarcus Lotzschließen
Es hatte sich abgezeichnet, nun ist es beschlossen: Die Gemeinde Großenlüder wird nach dem Willen der Gemeindevertretung auf dem Pendlerparkplatz im Kernort Container für bis zu 59 geflüchtete Menschen aufstellen lassen.
Großenlüder - Der Beschluss, der in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung einstimmig bei zwei Enthaltungen gefasst wurde, sieht den Bau einzelner Container vor, die modular miteinander verbunden werden können. Dort sollen vorzugsweise Menschen aus der Ukraine untergebracht werden.
Fulda: Containeranlage mit Wohnraum für 59 Flüchtlinge entsteht
Die Anlage wird auf dem westlichen Teilbereich des Pendlerparkplatzes im Wiesenweg, unweit des Lüderhauses im Kernort, auf einer Fläche von rund 1600 Quadratmetern aufgebaut. Die Nutzungsdauer beträgt zunächst drei Jahre, eine Verlängerung um ein weiteres Jahr ist möglich. Nach Ablauf der Nutzung wird die Anlage wieder vollständig abgebaut.
Die Gemeindevertretung stimmte außerdem – ebenfalls einstimmig bei zwei Enthaltungen – dem Vertrag über den Betrieb und die Finanzierung der Containerunterkunft zwischen der Gemeinde und dem Landkreis Fulda zu. Der Landkreis unterstützt Großenlüder bei der Errichtung der Containeranlage. So werden die Kosten für Anschaffung und Herstellung der Containeranlage vom Kreis über einen Zeitraum von drei Jahren übernommen. Die Betriebskosten werden sogar vollständig und unmittelbar vom Kreis getragen.
Zuvor hatte Bürgermeister Florian Fritzsch (SPD) noch einmal auf die „rechtliche und moralische Verpflichtung“ einer Lösung hingewiesen. Rechtlich, weil das Landesaufnahmegesetz den Kommunen ein bestimmtes Aufnahmesoll vorgegeben hat. Aktuell beherbergt Großenlüder 150 Geflüchtete – eigentlich sollten es 257 sein.
Die moralische Verpflichtung ergibt sich Fritzsch zufolge daraus, dass andere Gemeinden Großenlüder voraus seien. „Bad Salzschlirf hat jetzt schon sein Aufnahmesoll überschritten. Auch Hosenfeld fehlen nur noch elf Menschen, um ihr Soll zu erfüllen.“ Fritzsch verwies zudem auf die Gemeinde Petersberg, die ebenfalls die Anschaffung von Containern beschlossen hat. „Dort ist man lediglich 85 Personen unter dem Aufnahmesoll, der Handlungsdruck ist dort also sogar wesentlich geringer.“
Bürgermeister betont rechtliche und moralische Verpflichtung
Ortsvorsteher und Gemeindevertreter Jürgen Hübl (UBL) berichtete, dass der Ortsbeirat die Maßnahme wie auch die Standortwahl unterstütze. Zwar sei auch der alte Trainingsplatz vom Ortsbeirat ins Auge gefasst worden. Eine Prüfung durch den Gemeindevorstand habe jedoch ergeben, dass der Platz zu schlecht und die Erschließungskosten zu hoch wären. Hübl regte darüber hinaus an, die Container auf dem Pendlerparkplatz in U-Form aufzustellen. „Dadurch entsteht eine Art Innenhof, auf dem die Menschen etwas Privatsphäre haben.“
Edgar Möller (CDU) stellte für die CDU-Fraktion fest: „Wir sehen keine Gründe, diesen Anträgen nicht zuzustimmen.“ Etwas enttäuscht sei er über die geringe Beteiligung der Bürgerschaft an der Informationsveranstaltung der Gemeinde zu diesem Thema.
„Wir haben eigentlich keine Möglichkeit, zu sagen, dass wir das in Großenlüder nicht wollen“, stellte der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Marco Herbert (CDU), fest. Er verstehe, dass es „im Ort ein bisschen rumort, aber wir haben keinerlei Handlungsoptionen“. Einrichtungen wie Bürgerhäuser umzuwidmen sei eine „ungleich schlechtere“ Lösung.
Herbert blickte auf das große Engagement der Bürgerschaft im Jahr 2015 zurück und richtete damit verbunden einen Appell an die Bevölkerung: „Bringen wir den Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, Willkommenskultur entgegen. Ich glaube, dass wir das in Großenlüder hinbekommen. Und ich glaube, dass diese Menschen eine Bereicherung für Großenlüder sind.“
Mit dem Thema Wohncontainer für Flüchtlinge befasst sich auch Folge 63 unseres Nachrichten-Podcasts „auFZeile“.
