Infoveranstaltung

Kapazitäten sind erschöpft: Container-Anlage für Geflüchtete in Großenlüder in Planung

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Die Gemeinde strebt für Geflüchtete eine Container-Lösung an, wie hier im Neuhofer Ortsteil Rommerz.
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Wo möchte die Gemeinde Geflüchtete unterbringen? Was bedeutet die angestrebte Container-Lösung? Was soll das kosten? Und wie sollen die Menschen versorgt werden? Diese und weitere Fragen erläuterte Bürgermeister Florian Fritzsch (SPD) kürzlich bei einer Infoveranstaltung im Lüderhaus.

Großenlüder - Die Gemeinde Großenlüder (Landkreis Fulda) hängt bei den Aufnahmezahlen für Geflüchtete stark hinterher, so die Botschaft von Bürgermeister Florian Fritzsch, der am Donnerstagabend rund 40 Anwesenden im Lüderhaus die aktuelle Lage schilderte.

Grundlage für diese Feststellung ist die Rahmenvereinbarung über die Aufnahme und Unterbringung sowie gleichmäßige Verteilung von ukrainischen Geflüchteten zwischen dem Landkreis und den Kommunen. Diese sieht vor, dass jede Kommune als Ziel Unterkunftsplätze von bis zu drei Prozent ihrer Einwohnerzahl zur Unterbringung von ukrainischen Flüchtlingen zur Verfügung stellen soll. In Großenlüder entspricht das 257 Menschen.

Fulda: Container-Anlage für Geflüchtete in Großenlüder in Planung

In der Realität weicht die Gemeinde – trotz des großen ehrenamtlichen Engagements, wie Fritzsch betonte – deutlich von dieser Vorgabe ab. Aktuell sind in Großenlüder 150 Geflüchtete untergebracht, also 107 zu wenig. Gleichzeitig sind die Kapazitäten für weiteren Wohnraum in der Gemeinde erschöpft. Fritzsch sprach von einer rechtlichen, aber auch moralischen Verpflichtung, weitere Menschen aufzunehmen.

Die Gemeindevertretung hatte daher in ihrer Juni-Sitzung beschlossen, dass die Errichtung einer Container-Anlage für die Unterbringung von bis zu 59 Personen angestrebt werden soll. Bei der Ausgestaltung wolle man sich an Fulda und Neuhof orientieren und auf eine modulare Bauweise der Container setzen. „Damit möchten wir auch verhindern, dass wir öffentliche Gebäude wie etwa das Lüderhaus nutzen müssen. Das würde nicht nur eine enormen Aufwand bedeuten, es würde auch das kulturelle Leben, das sich noch von der Pandemie erholt, negativ beeinträchtigen“, sagte Fritzsch.

Für die Standortsuche habe die Verwaltung eine Reihe von Kriterien herangezogen: So solle es imVerhältnis zur Einwohnerzahl nicht zu viele Geflüchtete im Ort geben. Die Fläche solle sich möglichst im Eigentum der Gemeinde befinden, einen Anschluss an Strom, Wasser und Abwasser ermöglichen und über eine gute ÖPNV-Anbindung verfügen, da die meisten Geflüchteten kein Auto besitzen.

„Wir fokussieren uns daher stark auf den Pendlerparkplatz unweit des Lüderhauses in Großenlüder, da auf diesen Standort all diese Kriterien zutreffen“, erläuterte Fritzsch. Wie der Rathauschef betonte, solle nicht die gesamte Fläche – immerhin 6878 Quadratmeter – für das Aufstellen der Container genutzt werden, sondern lediglich der westlich gelegene Teilbereich auf einer Fläche von etwa 1600 Quadratmetern. Final über den Standort entscheiden wird die Gemeindevertretung in ihrer Sitzung am nächsten Donnerstag um 20 Uhr im Bürgerhaus Müs.

Fritzsch führte auf Fragen aus der Bürgerschaft aus, dass die Container vorrangig zur Unterbringung von ukrainischen Geflüchteten verwendet werden sollen. Gleichwohl könne es auch sein, dass Menschen aus anderen Nationen dort untergebracht werden.
Mit Blick auf die Finanzen rechnet Fritzsch bei insgesamt 31 Containern mit Kosten in Höhe von 400 000 bis 600 000 Euro. 80 Prozent der Anschaffungs- und Herstellungskosten wird allerdings der Landkreis über einen Zeitraum von drei Jahren übernehmen. Die Betriebskosten werden sogar vollständig vom Kreis getragen.

Mehrere Fragen aus dem Publikum hatten die ohnehin schon prekäre ärztliche Versorgung zum Thema. „Das ist in der Tat ein schwieriger Bereich“, räumte Fritzsch ein. „Hier sind die Geflüchteten dazu angehalten, sich im Bedarfsfall an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst beziehungsweise die Notaufnahme zu wenden.“

Der Bürgermeister rechnet damit, dass die Container frühestens im November dieses Jahres stehen könnten. Auch dann wird allerdings das Defizit von 107 Personen durch die Unterbringung von 59 Menschen nicht behoben sein. „Was ist denn mit dem Rest?“, fragte ein Bürger. Die Antwort des Verwaltungschefs: „Wir fahren ein Stück weit auf Sicht. Wir fokussieren uns erst einmal nur auf diese eine Anlage und schauen dann, wie sich die Situation entwickelt.“

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