VonJutta Rippegatherschließen
Die Fluggastzahlen steigen weiter. Doch Verdi beobachtet eine hohe Personalfluktuation - auch nach Corona.
Flugscham und Pandemie waren gestern. Die Menschen jetten wieder durch die Welt. Im dritten Quartal dieses Jahres lagen die Passagierzahlen am Frankfurter Flughafen bei 86 Prozent des Vorkrisenniveaus. Für das Winterquartal peilt Fraport 90 Prozent an. Was die Prognose für das nächste Jahr betrifft, bleibt Vorstandsvorsitzender Stefan Schulte lieber im Vagen: „Wir erwarten ein weiteres Wachstum.“ Für konkrete Zahlen sei es zu früh.
Personal bleibt knapp
Das könnte auch damit zusammenhängen, dass bei der Frankfurter Flughafenbetreiberin weiterhin das Personal knapp ist. „Die Fluktuation ist sehr hoch“, sagt Mathias Venema, zuständiger Landesfachbereichsleiter bei Verdi, der Frankfurter Rundschau auf Anfrage. „Viele Menschen mit sehr viel Wissen sind gegangen, auch noch nach Corona.“ Denn der Arbeitsmarkt biete aktuell jede Menge attraktiver Alternativen zu körperlicher Schwerstarbeit im Schicht- und Wochenenddienst bei Sommerhitze und Eisregen. Auch habe die Pandemie gelehrt, dass ein Flughafenjob doch nicht so sicher ist wie gedacht. Fraport hatte in der Zeit Tausende Stellen abgebaut.
Qualifikation fehlt
Schultes Version klingt naturgemäß anders: „Fraport ist als Arbeitgeber wieder attraktiv“, sagt er am Dienstag anlässlich der Vorstellung des Konzern-Zwischenberichts für die ersten neun Monate – er trägt den Titel „Operatives Ergebnis mit starker Performance auf Allzeithoch“. In den vergangenen 21 Monaten sei die Belegschaft um 1100 Köpfe gewachsen, bei doppelt so vielen Neueinstellungen. Bewerbungen gebe es genug. „Die Frage ist eher die nach der Qualifikation.“ Fraport bilde permanent aus, etwa für den Vorfeldführerschein.
Qualität besser
Fakt ist: Im Vergleich zum Sommer des vorigen Jahres gab es einen Quantensprung in der Qualität. Keine Berge gestrandeter Koffer, keine langen Warteschlangen an den Sicherheitskontrollen. „Es wird besser, aber vom Idealzustand sind wir noch deutlich entfernt“, sagt der Verdi-Bereichsleiter. „Beim Bodenverkehrsdienst wird es immer noch rumpeln.“
Bilanz
In den ersten neun Monaten 2023 zählte der Flughafen Frankfurt rund 44,5 Millionen Fluggäste. Das entspricht 82 Prozent des Niveaus im Vorkrisenjahr 2019. Der Anstieg gegenüber 2022 beträgt 24 Prozent.
Besonders gefragt: touristische Ziele in Europa sowie interkontinentale. Der Nordamerika-Verkehr nähert sich dem Vorkrisenniveau weiter an. Chinareisen nehmen weiter zu.
Das Cargo-Aufkommen sank um 7,5 Prozent. Grund ist die Nachfrageschwäche aufgrund der angespannten weltwirtschaftlichen Lage. jur
Fraport-Manager Schulte hebt lieber das Positive hervor: „Wir haben deutliche Fortschritte bei den operativen Abläufen gemacht.“ In der Sommerreisewelle sei der Betrieb weitestgehend stabil gelaufen, „auch an den bislang 25 sehr aufkommensstarken Tagen mit mehr als 200 000 Fluggästen.“ Der Einsatz neuer Technik in den Terminals habe sich bewährt. An den 19 mit CT-Scannern ausgestatteten Sicherheitskontrollen müssen Fluggäste keine Laptops oder Flüssigkeiten mehr aus ihrem Handgepäck fingern. Bis nächstes Frühjahr sollen insgesamt 40 solcher Spuren in Terminal 1 und 2 im Einsatz sein. Für schnellere Abläufe sollen zudem die biometrischen Verfahren sorgen, die an immer mehr Stellen nutzbar sind, vom Einchecken über die Gepäckabgabe bis zum Boarding
Weniger innerdeutsche Flüge
Schulte zeigt sich zufrieden: Im bundesweiten Vergleich sei der Frankfurter Flughafen am besten aus der Krise gekommen. Noch machten wegen der hohen Gebühren die Low-cost-Carrier einen Bogen um Frankfurt, stelle die Schiene bei bestimmten innerdeutschen Zielen eine Konkurrenz dar. Doch das werde sich angesichts der vielen Baustellen im Bahnnetz gewiss bald ändern. „Wir sind deutlich stabiler und resistenter.“
Terminal 3 eröffnet
Unterdessen haben die Planungen für die Komplettsanierung von Terminal 2 begonnen. Das Gebäude soll nach der für den Sommerflugplan 2026 angekündigten Eröffnung von Terminal 3 außer Betrieb gehen. Eine Generalüberholung ist notwendig. Frühestens 2030 soll es wieder eröffnet werden, sagt Schulte am Dienstag. „Ob komplett oder in Teilen, ist noch offen.“
