VonChristopher Hessschließen
Im Landkreis Fulda gibt es immer mehr Photovoltaik-Anlagen auf privaten Häuserdächern. Diese tragen dazu bei, dass 2023 erstmals mehr als die Hälfte des verbrauchten Stroms im Landkreis Fulda aus erneuerbaren Quellen gespeist wurde.
Kreis Fulda - Photovoltaik-Anlagen (PV) auf dem eigenen Hausdach: Was vor einigen Jahren bei Hauseigentümern noch die Ausnahme war, wird immer mehr zur Regel. Wurden 2018 bundesweit 58.000 neue Anlagen installiert, waren es 2023 laut Angaben der Bundesregierung bereits mehr als eine Million.
Der deutschlandweite Trend zeigt sich auch im Landkreis Fulda: 14.358 PV-Anlagen sind Stand Ende 2023 sind im Kreisgebiet auf privaten und öffentlichen Gebäuden installiert - 2720 mehr als im Vorjahr.
Stromversorgung in Fulda erstmals mehrheitlich aus erneuerbaren Energien
Die erneuerbaren Energien sind nicht nur gefragt, sie übernehmen bei der Stromerzeugung auch das Feld: Mehr als die Hälfte des verbrauchten Stroms im Landkreis Fulda stammte 2023 aus erneuerbaren Energien. Das teilt die Rhön Energie auf Anfrage mit.
Insgesamt wurden in der Region 2023 durch Solar, Wind, Wasser, Biomasse und Deponiegas 439,8 Millionen Kilowattstunden an erneuerbarer Energie produziert. Der Jahresverbrauch beläuft sich auf 858,2 Millionen Kilowattstunden. Martin Heun, Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie, spricht von einer „großartigen Entwicklung“.
Dr. Volker Nies, Pressesprecher der RhönEnergie hebt hervor: „Im gesamten Netzgebiet der RhönEnergie-Gruppe, zu dem auch Kommunen aus den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Main-Kinzig, Main-Spessart sowie dem Wartburgkreis gehören, lag der Anteil der Energie aus erneuerbaren Quellen im vergangenen Jahr sogar bei 61,7 Prozent.
Die Aufteilung der PV-Anlagen in 2023 auf die Kommunen im Landkreis Fulda:
Stadt Fulda (2621), in Eichenzell (1171), Künzell (1.182), Neuhof (931), Petersberg (1000), Hofbieber (823) und Großenlüder (865), Flieden (796), Eiterfeld (751), Kalbach (668), Burghaun (643), Ebersburg (534), Gersfeld (449), Dipperz (419), Nüsttal (402), Hosenfeld ( 406), Poppenhausen (329), Rasdorf (184) und Bad Salzschlirf (158) sowie Hilders (14) und Tann (12), die zum überwiegenden Anteil nicht zum Netzgebiet der RhönEnergie Gruppe gehören.
In fünf Kommunen wird über das Jahr gerechnet sogar mehr grüner Strom erzeugt als insgesamt verbraucht wird: in Eiterfeld, Burghaun und Rasdorf sowie außerhalb des Landkreises Fulda in Hauneck und Schlüchtern.
Mit 230 Millionen Kilowattstunden produzierten Stroms sind die 27 Windkraftanlagen in der Region die größte Energiequelle, so die RhönEnergie. Zudem wird Photovoltaik ein immer wichtiger Energielieferant: 2023 haben die 14.358 PV-Anlagen 157,3 Millionen Kilowatt Strom produziert. 2021 waren es noch 126 Millionen Kilowatt.
Immer mehr PV-Anlagen im Kreis: Bürgermeister fordern Ausbau der Infrastruktur
Der Ausbau an Solarflächen soll in den kommenden Jahren vorangetrieben werden: Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 den Bruttostromverbrauch zu mindestens 80 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Die Photovoltaik soll mit einer installierten Leistung von 215 Gigawatt bis 2030 hier einen wichtigen Beitrag leisten - auch im Landkreis Fulda. Die Gemeinde Eichenzell etwa prüft die Einrichtung von Solaranlagen auf Parkflächen.
Heiko Stolz (CDU), Bürgermeister in Neuhof und Vorsitzender der Bürgermeisterkreisversammlung, begrüßt, dass „immer mehr Menschen PV-Anlagen auf ihren Dächern installieren“. Jede PV-Anlage leiste einen „positiven Beitrag zur Energiewende“. Gleichzeitig betont der Rathaus-Chef die Wichtigkeit eines Ausbaus der Infrastruktur. „Da hängen wir kräftig hinterher“, stellt Stolz fest.
Video: Photovoltaik - Wie die Technik zur sauberen Energie-Gewinnung funktioniert
Derzeit werde vor allem an sonnigen Tagen viel Strom erzeugt, der teilweise gar nicht verwendet werden könne. Es sei daher wichtig, Stromtrassen und Umspannwerke schneller auszubauen. Er kritisiert, dass vor allem die Planung von Stromtrassen häufig zu lange dauere.
Eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung (DIW) schlägt in die gleiche Kerbe: Der „Solarboom“ gefährde zunehmend die Steuerung der Stromnetze. Zudem werde vorhandene Flexibilität bei der Netzintegration von PV nicht immer optimal eingesetzt. So könne es vorkommen, dass die PV-Speicher in den Sommermonaten in den Mittagsstunden bereits voll aufgeladen seien und die Anlagen dann mit voller Leistung in das öffentliche Netz einspeisen.
Land Hessen fördert PV-Anlagen - Kommunen dagegen kaum
Hessenweit haben Privatpersonen seit Oktober 2023 die Möglichkeit, ein Darlehen für ihre PV-Anlage zu bekommen. Das Darlehen gibt es ab 10.000 Euro und bis zu 50.000 Euro mit einem Zuschuss von einem Prozent pro Jahr. Die Mindestlaufzeit beträgt zehn Jahre. Ziel der Förderung laut dem hessischen Wirtschaftsministerium: Mit der Förderung soll es einfacher sein, in eine PV-Anlage, Batteriespeicher und intelligente Steuerungstechnik zu investieren. Antragsberechtigt sind Eigentümer selbst genutzter Wohnhäuser. Gefördert werden sowohl der Kauf als auch die Installation einer PV-Anlage bis 20 Kilowattpeak.
Förderprogramme können neben Bund und Land auch Kommunen selbst ausschreiben. Eine Abfrage unserer Zeitung ergab, dass es im Kreis Fulda kaum kommunale Förderprogramme gibt. Die Gemeinde Großenlüder hatte 2023 eine kommunale Förderrichtlinie festgelegt. Gefördert wurde maximal eine Anlage pro Wohngebäude im Gemeindegebiet. Fördermittel wurden ab einer Leistung von 3 Kilowatt-Peak in Höhe von 100 Euro pro Kilowatt-Peak gewährt. Der Förderbetrag betrug maximal 1000 Euro.
Bürgermeister Florian Fritzsch (SPD) hatte sich zufrieden mit der Resonanz gezeigt: 42 Förderanträge mit einem Gesamtbetrag von fast 40.000 Euro wurden bewilligt. „Die Rahmenbedingungen für die Kunden habe sich aber deutlich verbessert“, schildert Bürgermeister Fritzsch mit Blick auf bundes- und landesweite Fördermöglichkeiten sowohl für Privatpersonen als auch für Firmen. Daher hatte man sich dazu entschieden, die Förderrichtlinie für das Haushaltsjahr 2024 auszusetzen.
Eine Kommune, die Förderprogramme anbietet, ist Hünfeld. Die Stadtwerke bieten ihren Kunden das Projekt „Mein Dach hat‘s drauf“ an. Die Stadtwerke montieren, unterhalten und betreiben die PV-Anlage, wobei der Kunde die Möglichkeit hat, entweder dabei eine Miete zu erlösen oder einen Teil des Stroms für den Eigenbedarf zu einem festgelegten garantierten günstigen Preis zu beziehen, heißt es aus der Pressestelle der Stadt Hünfeld.
Der Kunde müsse dabei kein eigenes Geld investieren, er werde von dem Aufwand für den Betrieb und die Wartung der Anlagen entlastet und könne trotzdem finanziell von der Energiewende profitieren. „Das Programm wird derzeit von den Kunden sehr gut nachgefragt“, sagt Hünfelds Pressesprecher Helmut Käsmann. Nicht nur Privatpersonen, auch Firmen hätten die Möglichkeit, sich an der Aktion zu beteiligen. Neben Land und Bund bieten auch Solaranbieter selbst Förderungen für Privatleute an.
Um Stromnetze vor zeitweisen Überlastungen zu schützen und „systemkritische Netzzustände“ zu vermeiden, seien „intelligente“ Stromzähler wichtig, die den Zufluss bei vollem Batteriespeicher steuern können. Kerstin Andrae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, fordert gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur (dpa) die Wiedereinführung der Wirkleistungsbegrenzung. Diese bewirkt, dass PV-Anlagen noch vor dem Erreichen ihrer maximalen Leistung gebremst werden. Möglich wäre aus ihrer Sicht auch eine bessere Steuerbarkeit der Einspeisung durch die Netzbetreiber.
„Um so viel grüne Energie wie möglich“ speichern zu können, sei es aus Sicht von Florian Fritzsch (SPD), Bürgermeister in Großenlüder, wichtig, die Infrastruktur und Speichermöglichkeiten in den kommenden Jahren auszubauen. Hierbei spiele der Ausbau von Umspannwerken und Batteriespeichern in den kommenden Jahren eine große Rolle.
Welche Kommunen im Kreis Fulda bereits wie viel Solarstrom erzeugen und was diese noch planen, lesen Sie im E-Paper oder gedruckten Ausgabe der Fuldaer Zeitung vom Freitag, 20. September.
