Vorbild für andere?

Strom und Schatten zugleich: Eichenzell prüft Einrichtung von Solar-Anlagen auf Parkflächen

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In Eichenzell wird geprüft, ob Parkflächen mit Solar-Anlagen überdacht werden können. Das Auto-Logistikunternehmen Mosolf erzeugt an seinem Standort in Kirchheim unter Teck (siehe Foto) mit Parkplatz-Dächern Strom für rund 5000 Haushalte.
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Statt zusätzliche Grünflächen mit PV-Anlagen zu bebauen, wird in Eichenzell geprüft, ob Parkflächen mit Solar-Anlagen überdacht werden können. Ein Vorbild für andere Kommunen?

Eichenzell - Solar-Anlagen über Parkflächen, die Strom erzeugen und an heißen Tagen gleichzeitig für Schattenplätze sorgen - das könnte in Eichenzell bald Wirklichkeit werden. Einen Antrag der SPD-Fraktion, der den Gemeindevorstand damit beauftragen soll, genau dies zu prüfen, wurde in der jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen.

Eichenzell prüft Einrichtung von Solaranlagen auf Parkflächen

Die Kernfrage des SPD-Antrags, den Maja Köhler im Schlösschen einbrachte, lautet: Wie können bereits versiegelte Flächen im Gemeindegebiet Eichenzells besser genutzt werden, um Solarstrom herzustellen und gleichzeitig Schattenplätze zu schaffen? Köhler schilderte die Hauptproblematik in Zeiten des Klimawandels: „Aufgrund der vielen bebauten und versiegelten Flächen, welche die Sonnenstrahlen absorbieren, steigen die Temperaturen und die Straßen werden heiß.“ Hier könnten Parkplatzüberdachungen, bestehend aus Solarpanels, Abhilfe schaffen, so Köhler.

Mit der Überdachung erzeuge man nicht nur Solarstrom, „wir sparen uns an mit Solarpanels überdachten Flächen in der kalten Jahreszeit auch den Winterdienst. Und: „Betroffene Parkplätze könnten zudem direkt mit unserem Smart-City-Projekt in Eichenzell verbunden werden.“ Info-Tafeln mit QR-Codes könnten auf die Eichenzell-App und Ausflugsziele sowie Informationen über die Gemeinde verweisen. „Da gibt es viele Möglichkeiten“, warf Köhler ein.

Auf größeren Parkflächen ab 50 Stellplätzen ist es in Hessen bereits seit 2022 Landesgesetz, diese mit PV-Anlagen auszustatten. Die Idee der SPD ist es, auch kleinere, bestehende Parkplätze mit Solarflächen zu überdachen.

Regelungen in den Bundesländern

Auch in anderen Bundesländern gibt es Regeln für die Infrastruktur an Parkplätzen: In Baden-Württemberg müssen neu gebaute, offene Parkplätze mit mehr als 35 Stellplätzen mit einer PV-Anlage über der Stellplatzfläche ausgestattet werden. Es ist zudem möglich, die PV-Anlage auf einer Außenfläche eines in der in direkter Nähe stehenden, neuen Gebäudes zu montieren. In Nordrhein-Westfalen gilt die gleiche Regelung für neu gebaute Parkplätze sowie für solche, für die ab dem 1. Januar 2022 ein Antrag auf Baugenehmigung einging.

In Rheinland-Pfalz gibt es eine solche Solarpflicht für neue Parkflächen ab 50 Stellplätzen, ausgenommen sind neue Parkflächen direkt neben öffentlichen Straßen. In Schleswig-Holstein beträgt die Mindestanzahl für die Solarpflicht 100 Stellplätze. Alternativ können die PV-Module auch an Außenflächen von angrenzenden Gebäuden oder in direkter Umgebung montiert werden.

Julian Rudolf, Fraktionsvorsitzender der CDU, nannte die SPD-Idee einen „interessanten Ansatz, dessen Umsetzung ich mir in Eichenzell sehr gut vorstellen kann“. Es sei wichtig, dass versiegelte Flächen sinnvoll genutzt würden - dies sei mit einer Überdachung inklusive der Gewinnung von Solarstrom der Fall.

Joachim Weber, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste, ergänzte: „Die Gewinnung von Strom durch erneuerbare Energien nimmt eine immer wichtigere Bedeutung ein, auch bei uns in Eichenzell.“ Wie hoch die Kosten für die Ausstattung von Parkflächen mit PV-Anlagen werden könnten, ist unklar und hängt von der Größe der Überdachung ab. Dem Antrag der SPD stimmten CDU, Bürgerliste, FPD sowie CWE einstimmig zu.

Die Gemeinde Eichenzell ist in Sachen Solarenergie seit Jahren aktiv. Im September vergangenen Jahres ist in Welkers der größte Solarpark des Landkreises eingeweiht worden. Das Projekt deckt alleine den Jahresbedarf von mehr als 4000 Familien.

Stadt Fulda richtet Solaranlagen auf Parkhausdächern ein

Ist die SPD-Idee auch in anderen Kommunen im Kreis vorstellbar? In Fulda gibt es seit vielen Jahren auf dem Dach des Parkhauses Richthalle eine PV-Anlage, berichtet Johannes Heller, Pressesprecher der Stadt Fulda, auf Anfrage. Der Eigenbetrieb (EGB) Parkstätten Fulda prüfe derzeit zusammen mit Energie und Wasser Fulda, ob die bestehende PV-Anlage auf dem Dach des Parkhauses Richthalle erweitert werden kann. Weiter werde geprüft, ob auf dem Dach des Parkhauses Rosengarten die Installation einer PV-Anlage möglich ist, so Heller.

Die Errichtung von Unterkonstruktionen für PV-Anlagen auf Großraumparkplätzen - wie sie die Gemeinde Eichenzell prüft - sei dagegen in vielen Fällen nicht möglich. Hierdurch wäre die künftige Nutzung der Fläche für Veranstaltungen (unter anderem auf dem Parkplatz Ochsenwiese) unmöglich. Zudem müssten vorhandene Bäume (Parkplatz Weimarer Straße, Parkplatz Stadion Johannisau) entfernt werden, um einen wirtschaftlichen Betrieb der PV-Anlagen zu ermöglichen.

In Hünfeld ist vorerst nicht geplant, Parkflächen mit Solar-Anlagen zu überdachen. „Man schaut natürlich aber immer, was möglich ist, um noch mehr Solarenergie zu generieren“, sagt Helmut Käsmann, Pressesprecher der Stadt Hünfeld. Den Fokus lege die Konrad-Zuse-Stadt vorerst aber auf die Dächer von Grundstückseigentümern: Die Stadtwerke Hünfeld bieten Eigentümern an, deren Dächer mit PV-Anlagen auszurüsten. „Das Projekt steht in den Startlöchern“, so Käsmann.

Kommunen haben vielfältige Ideen für Einrichtung von Solarflächen

Sebastian Kircher, Pressesprecher der Gemeinde Petersberg, berichtet auf Anfrage: „Wir haben ein umfangreiches Konzept zum Ausbau von Photovoltaik auf gemeindeeigenen Gebäuden erstellt.“ Die Umsetzung soll noch dieses Jahr mit Anlagen auf dem Rathaus, dem Propsteihaus und dem Bauhof erfolgen. „Darüber hinaus die Parkflächen auszubauen, war bislang bei uns kein Thema. Angesichts der hohen Investitionssummen liegt unser Fokus zunächst auf den Gebäuden. Die Idee, Parkflächen zu überbauen, ist aber sicher sinnvoll“, so Kircher.

„Das Ganze ist sicherlich eine spannende Entwicklung“, sagt Joachim Bug, Leiter des Bauhofs in Neuhof mit Blick auf PV-Überdachungen. Im Zuge des neu entstehenden Fachmarktzentrums in Neuhof habe man auch eine mögliche Überdachung von Parkflächen mit Solar-Anlagen diskutiert. „Der wirtschaftliche Aspekt spielt aber natürlich eine große Rolle“, so Bug.

Bestehende Parkflächen und damit versiegelte Flächen mit PV-Anlagen zu überdachen, sei vorerst kein Thema in der Südkreis-Gemeinde. „Es könnte aber für Einkaufsmärkte und Sportplätze künftig eine Option sein“, so Bug. Abseits einer möglichen PV-Überdachung hat man auch in Neuhof das Thema Solar im Blick. Öffentliche Gebäude sollen „Schritt für Schritt“ ausgestattet werden. Zuletzt seien beispielsweise an der Kläranlage in Neuhof PV-Anlagen installiert worden.

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