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Zum Ende der Ausgrabungen in der Frankfurter Römerstadt Nida wird die Diskussion neu entfacht. Der Holzkeller wird in den kommenden zwei Wochen abgetragen und konserviert.
Frankfurt - Nach knapp zweijähriger Grabungszeit hat Frankfurts Denkmalamtschefin Andrea Hampel ein euphorisches Fazit gezogen: „Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass Nida ein kleines Provinzkaff war. Es war eine Metropole. Nida hatte für die Römer in etwa eine Bedeutung wie Frankfurt heute für das Rhein-Main-Gebiet.“ Seit September 2021 hatte ein Team auf rund 3500 Quadratmetern Ausgrabungen auf dem Baugrundstück der Wohnungsbaugesellschaft ABG vorgenommen. Mit den zuvor schon getätigten Grabungen wurden auf einer Fläche von insgesamt 9000 Quadratmetern Relikte aus der Römerzeit freigelegt. Eine zusammenhängende Fläche in dieser Größe sei auch bundesweit eine sehr bedeutende Ausgrabungsstätte, betonte Hampel.
Mehrmals in den vergangenen Monaten hatte die Denkmalpflege bedeutende Funde auf Rundgängen über das Gelände präsentiert. Bei der nun letzten Begehung am Freitag präsentierte Hampel noch einmal die bedeutendsten Funde und auch einige neue Objekte. Insgesamt sicherte das Grabungsteam zehn Tonnen Fundstücke. Die Gruben sind so reichhaltig mit Relikten der Vergangenheit gefüllt, dass noch immer nicht alles gesichert ist, wie Hampel vor dem letzten Rundgang verdeutlichte: „Sie werden Scherben sehen. Lassen Sie die bitte liegen, wir wissen das.“
Frankfurter Römerstadt Nida war eine Metropole
Wissenschaftlich interessanter als alle altertümlichen Relikte aus Keramik, Glas oder Stein sind die freigelegten Gebäudeteile. Bereits präsentiert wurde der sogenannte Kultkeller. Seine nördliche Wand ist die Außenwand eines großen kommunalen Gebäudes von etwa 500 Quadratmetern Grundfläche. Von der Größe des Gebäudes lasse sich auf die Bedeutung der Siedlung schließen. Innerhalb dieses Gebäudes wurde nun noch eine Art Fußbodenheizung und eine Wasserstelle, womöglich Brunnen oder Kloake, gefunden.
Als noch bedeutsamer als der Kultkeller wird der nun vollständig freigelegte Keller aus Holz angesehen. Der Fund gilt als so bedeutend, dass zwei Restauratoren ihn ab Montag Stück für Stück abtragen und konservieren sollen. Carsten Wenzel, der Kurator des Frankfurter Archäologischen Museums für die Römerzeit, geht davon aus, dass der Keller Teil eines Fachwerkhauses war, das abgebrannt ist. Der Brand ist für die Archäologie ein Segen, denn er konservierte das Holz in Form von Ascheresten. So können Fachleute bestimmen, in welchem Jahr der Keller gebaut wurde. „Wir können vielleicht sogar sagen, ob im Frühjahr oder im Herbst“, freute sich Hampel.
Frankfurter Römerstadt: Ortsbeirat würde gerne eine museale Stätte vor Ort schaffen
Etwas schmallippiger wurde die Leiterin des Denkmalamts bei der Frage, wie diese ganzen Funde denn der Öffentlichkeit präsentiert werden könnten. „Sie wissen doch, dass ein sichtbarer Erhalt mit den Mitteln der Denkmalpflege nicht machbar ist.“ So wurde der Kultkeller schon mit Sand und einem Geo-Fleece verfüllt und konserviert.
Der Keller aus Holz immerhin soll erhalten bleiben. Dafür wird er in den kommenden zwei Wochen stückweise abgetragen und in die Werkstatt der Restauratoren in den Hunsrück verfrachtet. Dies ist der Grund, warum Abgesandte des Ortsbeirats 8 am Freitag ein Stück weit verdrossen dreinschauten. „Der Holzkeller wird jetzt zerstört“, schimpfte Stephanie Mohr-Haucke. Dem widersprach der ebenfalls erschienene Planungsdezernent Marcus Gwechenberger. Der Holzkeller werde bewahrt. Nur eben erst mal nicht an Ort und Stelle. Der Ortsbeirat würde gerne eine museale Stätte vor Ort schaffen, was sich nicht ganz mit den Interessen der ABG decken dürfte.
Dezernent kündigt Verhandlungen mit der ABG an
Die städtische Wohnungsbaugesellschaft möchte auf dem Gelände 190 Wohnungen und eine Kita bauen. Da passen auch die beiden gut erhaltenen römischen Lehmöfen, die gefunden wurden, nicht so richtig rein, auch wenn ein Mitglied des Archäologischen Forums erwähnte, dass ganz ähnliche Öfen, die im pfälzischen Rheinzabern gefunden wurden, in einen Kindergarten integriert wurden.
Gwechenberger versuchte, die aufkeimende Diskussion zu beschwichtigen. Bislang sei nur erfasst, was auf dem Gelände gefunden wurde. Der Dezernent kündigte Verhandlungen mit der ABG an. Womöglich wird der Holzkeller nach der Restaurierung einen Platz im Archäologischen Museum finden. Die Öfen hingegen, so ließ er durchblicken, würden wohl ähnlich konserviert wie der Kultkeller. (Oliver Teutsch)
