VonChristoph Manusschließen
Die Zahl der Sozialwohnungen in Frankfurt hat trotz schärferer Vorgaben für Investoren einen neuen Tiefstand erreicht. Auch die Vermittlungsquote bleibt miserabel.
Obwohl die Stadt seit einigen Jahren den Investoren in neuen Baugebieten vorschreibt, zu 30 Prozent geförderten Wohnraum zu errichten, ist die Zahl der Sozialwohnungen in Frankfurt im Jahr 2021 auf einen neuen Tiefstand gesunken. Nach dem mit großer Verspätung vorgelegten Tätigkeitsbericht des Amtes für Wohnungswesen hatte dieses zum Jahresende nur Belegungsrechte für 29.925 Wohnungen. Das sind 1157 weniger als im Jahr 2019 und 552 weniger als 2020. Im Jahr 1990 hatte es noch fast 68.000 Sozialwohnungen in Frankfurt gegeben, im Jahr 2000 mehr als 41.000, im Jahr 2010 allerdings nur noch 32.841.
Zum dritten Mal in Folge sank auch die Zahl der Haushalte, die bei der Stadt als wohnungssuchend registriert sind. Ende 2021 standen aber immer noch 8184 Haushalte mit 21 414 Menschen auf der Warteliste für eine Sozialwohnung. Bis sie zum Zuge kommen, kann es dauern. Der Vermittlungsgrad ist miserabel. Im Jahr 2021 vergab das Amt für Wohnungswesen gerade einmal 1423 Sozialwohnungen.
Jedes Jahr fallen sehr viele Sozialwohnungen in Frankfurt aus der Bindung
Besonders schlechte Karten haben weiterhin Familien mit mehreren Kindern. Das Amt konnte nur 3,3 Prozent der registrierten Haushalte mit fünf oder mehr Menschen eine Sozialwohnung vermitteln.
Dass die Zahl der Sozialwohnungen seit Jahren sinkt, hat zum größten Teil mit dem Auslaufen von Bindungsfristen zu tun. Allein im Jahr 2021 verloren 577 Wohnungen die Sozialbindung. Für das Jahr 2022 rechnete das Amt für Wohnungswesen mit 1477 auslaufenden Bindungen, für das laufende Jahr mit 910. Der Bau neuer Wohnungen des ersten Förderwegs kann diesen Schwund nicht kompensieren. Im vergangenen Jahr kamen 160, im Jahr zuvor 131 hinzu. Zuvor lagen die Zahlen meist noch deutlich niedriger.
Frankfurter Stadtrat Gwechenberger will längere Bindungen für Sozialwohnungen
Die Stadt versucht, die Diskrepanz auch mit dem Kauf von Belegungsrechten zu mindern. Dabei zahlt sie Eigentümer:innen die Differenz zwischen der Sozialmiete und der ortsüblichen Vergleichsmiete. Das ist ein teures Mittel. Der neue Frankfurter Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) strebt zudem längere Bindungsfristen für neue Sozialwohnungen an. „Darüber sprechen wir auch mit den großen Wohnungsbaugesellschaften wie der ABG“, sagte er jüngst im Interview mit der Frankfurter Rundschau.
Das Angebot für Haushalte, die eine so genannte Mittelstandswohnung suchen, hat sich dagegen weiter verbessert. Ende 2021 gab es nach Zahlen des Wohnungsamts 4946 solcher Wohnungen. Für diese zahlen Haushalte, die bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten, 8,50, 9,50 oder 10,50 Euro pro Quadratmeter. Ende 2016 waren es noch lediglich 4123 gewesen.
Dass sich die Zahl der Wohnungen des zweiten Förderwegs besser entwickelt hat als die der Sozialwohnungen, hat mit Investoreninteressen zu tun. Solange diese nur die Vorgabe hatten, zu 30 Prozent geförderten Wohnraum zu schaffen, bauten sie gern deutlich mehr Mittelstands- als Sozialwohnungen, für die 5,50 bis 6,50 Euro Miete pro Quadratmeter gezahlt werden. Seit 2020 muss zur Hälfte Wohnraum des ersten Förderwegs gebaut werden.
