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Die neue Arbeitswelt verändert die Nachfrage auf dem Frankfurter Büromarkt sehr. Viele Unternehmen wollen mit kleineren Flächen auskommen. Der Leerstand könnte so noch steigen.
Frankfurt - Unternehmen suchen in Frankfurt zunehmend kleinere Büroflächen. Nach Zahlen von Maklerhäusern ist im ersten Halbjahr keine Fläche von mehr als 10.000 Quadratmetern neu vermietet worden. Noch die größten Büros mietete die Kapitalverwaltungsgesellschaft Universal Investment, die sich im ersten Quartal 9600 Quadratmeter im Holz-Hybrid-Hochhaus „Timber Pioneer“ im Europaviertel sicherte.
Im zweiten Quartal sorgten nach Angaben von Nai Apollo Eintracht Frankfurt mit der Anmietung von 8800 Quadratmeter Fläche am Stadion, American Express mit etwa 5000 Quadratmetern im neuen Hochhaus „Spin“ am Güterplatz und der Finanzdienstleister State Street mit 4900 Quadratmetern im neuen Hochhaus „One“ an der Messe für die größten Deals.
Viele Beschäftigte in Frankfurt arbeiten mal zu Hause, mal im Büro
Dass der Flächenumsatz im ersten Halbjahr klar unter dem Schnitt der Jahre vor der Pandemie lag und es kaum zu größeren Abschlüssen kam, erklären die Maklerhäuser mit einer Zurückhaltung von Unternehmen, sich in Krisenzeiten festzulegen – aber auch einer Veränderung der Arbeitswelt. Nach der Pandemie kommen sehr viele Beschäftigte weiterhin nur einige Tage in der Woche ins Büro. Bei Nestlé zum Beispiel, das sich derzeit in der Nähe des Hauptbahnhofs eine neue Deutschland-Zentrale bauen lässt, dürfen Beschäftigte dauerhaft zu 50 Prozent mobil arbeiten. So halten es viele Unternehmen – und benötigen weniger Fläche als bislang. Und das dürfte sich nach Ansicht des Maklerhauses Blackolive fortsetzen. „Home-Office, New Work und das schwierige Finanzumfeld werden Flächenreduktionen in vielen Unternehmen unvermeidlich machen“, sagt Geschäftsführer Kevin T. Nguyen.
Indes steigt auch der Druck, auf die Behörden, an Flächen zu sparen. So forderte der Bundesrechnungshof vor einigen Wochen den Bund mit Verweis auf flexible Arbeitsformen auf, überzählige Bürofläche abzugeben und Neubauten auf ein Mindestmaß zu beschränken. Schon jetzt ist ein Sparkurs zu sehen. Die Bundesbank etwa speckte jüngst die Pläne für Neubauten auf ihrem Campus massiv ab. Dabei verwies sie auf eine Regelung, nach der die Beschäftigten bis zu 60 Prozent der Arbeitszeit im Homeoffice leisten können, und den entsprechend stark sinkenden Bedarf an Bürofläche.
Frankfurt: Immer mehr Büros stehen leer - Neubauten sind aber eher gefragt
Trotz des tendenziell sinkenden Flächenbedarfs sind einige Bürohochhäuser in Bau oder Planung. Obwohl die Mieten bei mehr als 40 Euro pro Quadratmeter liegen, sind solche Projekte in zentralen Lagen, die hohe Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, bei Mietern nach Beobachtung von Nai Apollo sogar sehr gefragt. Dass der Leerstand weiter gestiegen ist, nun deutlich mehr als eine Million Quadratmeter kurzfristig vermietbare Fläche im Marktgebiet zu haben ist, ist denn auch im Bankenviertel weniger spürbar als an der Peripherie. Besonders viele leere Büros gibt es laut Blackolive am Kaiserlei. Stark gestiegen sei der Leerstand in der City West. (Christoph Manus)
