VonPetra Zeichnerschließen
Bei einer Kundgebung in Frankfurt wird die Berichterstattung der Presse kritisiert.
Wieder hat die iranische Community in Frankfurt eine Kundgebung gegen das iranische Regime organisiert. Zwischen 150 (Polizei) und 300 (Veranstalter) Menschen kamen am Mittwoch vor dem Gebäude des Hessischen Rundfunks in Frankfurt zusammen. Dieser Ort war mit Bedacht gewählt, denn „die Medien“ berichteten zu wenig über die Proteste im Iran, und wenn, dann oftmals falsch. „Es sind keine Proteste, es ist eine Revolution!“ Immer wieder wird dies von Rednerinnen über die Lautsprecher gerufen.
Auch seien viel mehr Menschen als berichtet von dem Mullah-Regime bei den Aufständen getötet worden, sagte Nasrin Jalali von der Gruppe „Hamgerei“, eine der Organisator:innen. Sie sprach von 22.000 Ermordeten. Die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights teilte am Dienstag mit, mindestens 734 Menschen seien bei der Niederschlagung der Proteste getötet worden. Andere Quellen gehen von mehr als 2500 Toten aus. Und die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte berichtet am 14. Januar von mindestens 12.000 Getöteten.
Viele Emotionen schlagen hoch
Vielen der Anwesenden ist anzumerken, wie schwer sie das Geschehen in ihrem Heimatland mitnimmt. In Gesprächen sind sie aufgewühlt, berichten von dem brutalen Vorgehen der Mullahs. „Sie schießen den Menschen ins Gesicht, ins Auge“, und sie fordern vehement, dass die Medien mehr tun müssten.
Eine Frau ist aufgebracht. Die wahren Informationen seien doch zugänglich, sagt sie sehr laut. „Wieso haben Sie keine persische Korrespondenten? Wieso gehen Sie nicht auf Instagram, wo die Videos sind?“ Immer wieder wird am Mikrofon auch der Satz skandiert: „Iran wird vernichtet, während ihr falsch berichtet.“
„Die Presse reagiert nicht“, sagt Jalali. Darauf angesprochen, dass in vielen Nachrichtensendungen, Tageszeitungen und anderen Medien seit Langem immer wieder und auch groß über die Proteste im Iran berichtet wird, sagt die Aktivistin: „Die Presse muss so berichten, dass etwas passiert.“
Kundgebungen
Für den heutigen Donnerstag und für Freitag, 16. Januar, rufen die Protestierenden um Nasrin Jalali zur Kundgebung mit anschließender Demonstration vor dem US-amerikanischen Generalkonsulat in der Gießener Straße 30 auf, jeweils von 13 bis 16 Uhr.
Am Samstag, 17. Januar, gibt es eine weitere Kundgebung mit anschließender Demo auf dem Rathenauplatz, diese beginnt um 14.30 Uhr, das Ende ist dann für 16.30 Uhr vorgesehen. pz
Zu sehen sind iranische und zwei israelische Flaggen und viele Porträts von Reza Pahlavi, dem Sohn des früheren Schahs. Der lebt im Exil in den USA und wird zumindest von den hiesigen Demonstrierenden als derjenige angesehen, der den Übergang vom autoritären zu einem demokratischen Iran anführen könnte. Auch zwei Deutschlandfahnen wehen im Wind. Ein Teilnehmer erläutert: Sie stünden nicht unbedingt für die Bundesregierung, die man für ihre Untätigkeit kritisiere, sondern ebenso gut für die deutsche Bevölkerung.
Tätig werden sollte die Bundesregierung auf jeden Fall, meinen die Anwesenden. Ihre Forderungen: Die islamischen Revolutionsgarden müssten als Terrororganisation eingestuft und die diplomatischen Beziehungen zum Iran beendet werden.
Die Protestierenden halten es darüber hinaus für kontraproduktiv, wenn die USA militärisch in den Iran einmarschierten. Damit werde weder das Regime geschwächt noch das iranische Volk unterstützt, so Nasrin Jalali. In erster Linie träfe ein Militärschlag die Zivilbevölkerung, denn die Mullahs bekämen dadurch eine neue Rechtfertigung für Repression und Gewalt.
Und mitnichten sei es so, dass im Iran weniger Menschen auf die Straßen gingen, so die Sprecherin von „Hamgerei“. Im Gegenteil: „Es wird immer mehr.“ Und das, obwohl die Menschen große Angst hätten.
Proteste gegen das Regime gab es in Frankfurt nicht nur gestern Mittag, sondern auch am Abend und ebenso in Darmstadt.
