VonBoris Schlepperschließen
Das Gebäude an der Zeil 121 wird bis 2026 revitalisiert. Dass in der Immobilie künftig Büros und Einzelhandel, nicht aber Kultur und Gastronomie vorgesehen ist, sorgt für Kritik.
Die Tage des ehemaligen Esprit-Kaufhauses an der Zeil sind gezählt. Der Projektentwickler Hines Immobilien will das sechsgeschossige Gebäude an der Ecke Liebfrauenstraße bis Mitte 2026 revitalisieren. Dort soll ein Mix aus Büro- und Einzelhandelsflächen entstehen. Die Pläne wurden in der Sitzung des Ortsbeirats 1 am Dienstagabend vorgestellt, wo es nicht nur Zustimmung zum Vorhaben gab.
Seit der Insolvenz des Modekonzerns Esprit vor zwei Jahren arbeite der Projektentwickler im Auftrag des Eigentümers, der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe, daran, wie das Gebäude weitergenutzt werden kann, sagt Niederlassungsleiter Daniel Reichwein. Seitdem habe es verschiedene Zwischennutzungen gegeben, darunter Pop-up-Läden und die Ausstellung „The art of Banksy“ – alles sei „besser als Leerstand“. Ein Abriss der 20 Jahre alten Immobilie sei ausgeschlossen worden. Über einen Architektenwettbewerb sei eine nachhaltige Lösung gesucht worden.
Diese liege in einem Entwurf des Architekturbüros Holger Meyer vor. Der sieht vor, 80 Prozent des Gebäudes zu erhalten, so Reichwein. Das nach der Hausnummer Zeil 121 „OneTwoOne“ benannte Gebäude soll dabei so energieeffizient wie möglich werden. Dafür sei eine Bauweise mit Holzelementen vorgesehen. Auf dem Dach sollen Photovoltaik-Anlagen entstehen, um ein Drittel des Energiebedarfs abzudecken; eingebaut werde auch eine Wärmepumpe. Mit den ersten Arbeiten soll im zweiten Quartal 2024 begonnen werden.
„Extrem anspruchsvoll“ werde es, die Baustelle anzudienen, sagt Reichwein. Nach Absprache mit der Stadt sollen Lastwagen über die Hauptwache an- und über Liebfrauenstraße und Holzgraben abfahren. Um die Einkaufsstraße nicht zu stören, seien Lieferungen nur morgens bis 9.30 Uhr und abends von 22 Uhr an geplant. Auch sei täglich lediglich mit etwa 15 Fahrten zu rechnen, so Reichwein.
Künftig soll die Liegenschaft nicht mehr ausschließlich für den Einzelhandel genutzt werden, so der Niederlassungsleiter. In den Obergeschossen funktioniere eine Büronutzung besser. Wohnungen seien wegen der Tiefe der Immobilie nicht möglich. Platz für ein bis maximal drei Geschäfte soll es im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss geben. In den darüber liegenden drei Etagen seien loftähnliche Büroflächen vorgesehen. Über Loggien sollen sie Licht erhalten, sagt Architekt Meyer. Für die Büro-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen sei ein begrünter Innenhof sowie eine Dachterrasse vorgesehen. Am Holzgraben plant Hines zudem eine kleine Tiefgarage für 23 Autos. Die soll über zwei Autoaufzüge zugänglich sein – auch für Radfahrende, für die dort 100 Stellplätze entstehen sollen.
Dass die Liegenschaft eine Tiefgarage erhält, stieß bei fast allen Fraktionen des Ortsbeirats auf Kritik. In unmittelbarer Umgebung gebe es drei Parkhäuser, sagt etwa Clemens Schubert (SPD). Auch sei das Quartier über die Hauptwache sehr gut an den ÖPNV angebunden. Eine Tiefgarage zu bauen, sei „völlig aus der Zeit gefallen“, monierte Falko Görres, Die Partei. Reichwein beteuerte, Makler hätten ihm bestätigt, dass einige Parkplätze nötig seien.
Kritik gab es auch an der geplanten Nutzung. Die gebe es an der Zeil bereits seit 50 Jahren, sagt Grünen-Stadtverordnete Julia Eberz. Wünschenswerter wäre eine Nutzung mit Kultur und Gastronomie, die mehr Leben in die Innenstadt bringe. Derzeit herrsche „ab 20 Uhr auf der Zeil tote Hose“. Der Leerstand an Büroflächen sei bereits hoch, so Görres. Besser wäre es, in dem Gebäude geförderten Wohnraum unterzubringen oder konsumfreie Räume, sagt Hanna Große Vorholt (Ökolinx).
Auch die Grünen-Fraktion im Römer übt Kritik. Julia Eberz, Stadtverordnete aus der Innenstadt, teilte mit: „Die Mehrheit der Stadtgesellschaft und Stadtpolitik sind sich einig, dass der motorisierte Individualverkehr in der Innenstadt reduziert werden muss, um die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen. Vor diesem Hintergrund ohne Not eine komplette Ebene des Gebäudes in Pkw-Stellplätze umzuwandeln, darauf muss man erst mal kommen.“
Zustimmung bekam der Projektentwickler indes dafür, dass er sich auch in der Umgestaltung der Liebfrauenstraße einbringen wolle. Die Gestaltung stamme aus den 80er Jahren.

