VonChristoph Manusschließen
Der Energieversorger Mainova braucht Geld für Investitionen und will deshalb neue Aktien ausgeben. Die Stadt Frankfurt will ihren Anteil halten. Trotzdem gibt es Bedenken.
Der Frankfurter Energieversorger Mainova bereitet eine Kapitalerhöhung vor. Vorstand und Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft, die zu 75,2 Prozent der Stadtwerke Frankfurt Holding gehört, schlagen vor, dass die Hauptversammlung am 30. August die Schaffung von genehmigtem Kapital beschließt. Das soll das Unternehmen in die Lage versetzen, innerhalb eines Zeitraums von bis zu fünf Jahren neue Aktien auszugeben.
Wie der Frankfurter Beteiligungsdezernent Bastian Bergerhoff (Grüne), der dem Aufsichtsrat angehört, den Stadtverordneten am Donnerstag auf Fragen hin mitteilte, hofft Mainova, bis zu eine Milliarde Euro zur Deckung ihres Finanzierungsbedarfs zu generieren. Das Unternehmen teilte am Freitag auf Anfrage mit, die Schaffung neuen Kapitals solle die Finanzierung umfangreicher Investitionen ermöglichen, etwa zur Umsetzung der Energiewende und des Klimaschutzes sowie in die Versorgungssicherheit.
Stadt Frankfurt will Anteil von 75,2 Prozent an Mainova halten
Nach der Stadtwerke Holding ist der Stadtwerkeverbund Thüga mit 24,5 Prozent der Anteile größter Gesellschafter von Mainova. 0,3 Prozent befinden sich in Streubesitz. Sobald Mainova neue Aktien ausgibt, könnten sich diese Anteilsverhältnisse allerdings stark ändern.
Zwar soll den bisherigen Gesellschaftern ein Vorkaufsrecht entsprechend ihrer bisherigen Anteile gewährt werden. Klar ist aber bisher nur, dass die Stadt anstrebt, genügend neue Aktien zu erwerben, um ihren aktuellen Anteil am Unternehmen zu halten. Bergerhoff hatte den Stadtverordneten bereits mitgeteilt, dass die Stadtwerke mit bis zu 750 Millionen Euro Kosten rechnen müssten. Da diese die Kapitalerhöhung nicht über Darlehen finanzieren könne, seien sie auf die Stadt angewiesen. Der Magistrat sei dabei, entsprechende Finanzierungsbeiträge in den Doppelhaushalt 2024/2025 einzustellen. Bergerhoffs Sprecher Mark Gellert nannte am Freitag auf Anfrage auch explizit das Ziel, den bisherigen Anteil an Mainova zu halten. Die Thüga wollte sich dagegen am Freitag noch nicht zum Thema äußern.
Attac und Fridays for Future fordern eine Vergesellschaftung von Mainova
Die Frankfurter Gruppen von Fridays for Future und Attac kritisierten die Pläne am Freitag scharf. Diese könnten zu einer Teilprivatisierung führen, die den Renditedruck beim Energieversorger noch steigere, warnte Alexis Passadakis von Attac. Dabei seien jetzt schon für viele Menschen in Frankfurt die Energiekosten ein riesiges Thema. „Statt die Energiewende noch weniger demokratisch kontrollierbar zu machen, sollte die Stadt 100 Prozent der Anteile der Mainova AG übernehmen und sie in eine gemeinwohlorientierte Anstalt öffentlichen Rechts überführen“, forderte er. Für eine Vergesellschaftung machen sich auch Fridays for Future stark. Wie Attac wirft die Gruppe dem Magistrat zudem mangelnde Transparenz vor. Mainova hatte zunächst nur in einer knappen Ad-hoc-Mitteilung über die Pläne informiert, der Magistrat äußerte sich erst auf Anfrage.
Mit anderen Gruppen rufen Attac und die Fridays für den heutigen Samstag zu einer Raddemo gegen die Politik von Mainova auf, die um 17 Uhr am Willy-Brandt-Platz beginnt und um 19 Uhr mit einer Kundgebung am Heizkraftwerk West endet.
