VonSabrina Mehlerschließen
Anhaltender Fachkräftemangel, überbordende Bürokratie und eine Bundespolitik, die an den Apotheken vorbeiregiert: All dies führt Bastian Zellmer als Gründe dafür an, dass die Hubertus-Apotheke in Uttrichshausen Mitte Oktober ein letztes Mal öffnen wird.
Uttrichshausen - „Diesen Schritt zu gehen, fällt mir und meinem Team alles andere als leicht, aber er ist durch die veränderten Rahmenbedingungen notwendig“, stellt Apotheker Bastian Zellmer fest. Kürzlich seien zwei seiner Mitarbeiter in den Ruhestand gegangen, eine weitere in den Mutterschutz. „Die viele Mühe und der Einsatz, neues Personal zu finden, haben sich am Ende leider nicht ausgezahlt.“
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Zahlreiche Gespräche mit potenziellen Nachfolgern hätten ebenfalls stattgefunden, doch durch den bundesweiten Personalengpass sehe sich leider niemand in der Lage, die Hubertus-Apotheke in Uttrichshausen (Kreis Fulda) weiterbetreiben zu können. „Das ist eben keine One-Man-Show“, sagt der Apotheker.
Natürlich habe die Arzneimittelversorgung Priorität. „Aber mit diesem Schritt entlaste ich mein Personal und stelle deren Bedürfnisse und Interessen in den Vordergrund. Unsere Gesundheit – auch meine eigene – stehen dabei an oberster Stelle.“ Bereits in den vergangenen Wochen und Monaten seien die bundesweiten Probleme der Apothekerschaft deutlich geworden: Das Thema „Apothekenschließungen“ sei durch die Medien gegangen und in den Köpfen der Menschen präsent.
Zellmer kritisiert die Rahmenbedingungen und ärgert sich: „In der Corona-Pandemie waren wir gut dafür, um Masken und Tests herauszugeben. Wir haben damals mehr Tätigkeiten ausgeführt, als wir hätten machen müssen. Jetzt, nachdem die Pandemie vorbei ist und während viele andere Unternehmen Boni oder einen Inflationsausgleich bekommen, wird für Apotheken der sogenannte Kassenabschlag sogar noch erhöht“.
Ein weiteres Manko seien die vorgegebenen Preise für Medikamente: „Jede Kneipe kann den Preis fürs Schnitzel um drei Euro erhöhen, uns ist das nicht möglich.“ Hinzu kommen Lieferengpässe, die einen erheblichen Mehraufwand für Apotheken bedeuten. Apotheken befänden sich im Zwiespalt, sagt Zellmer: „Auf der einen Seite sollen wir wirtschaften wie Kaufleute und Unternehmen, auf der anderen gibt es aber zahlreiche gesetzliche Vorgaben.“
Apotheker Bastian Zellmer kritisiert Bundespolitik
Daher bleibe nur noch der Schritt, die Apotheke, die seit den 1960er Jahren in Uttrichshausen besteht und die er seit 2010 führte, zu schließen. „Das ist ein schmerzhafter Schritt für uns und unerfreulich für unsere Kunden.“ Das Personal werde nun in seiner Apotheke in Schmalnau zusammengezogen, die Zellmer 2009 von seiner Mutter übernommen hatte. Aktuell beschäftigt der Pharmazeut 14 Mitarbeiter, darunter auch Aushilfen und Teilzeitkräfte.
Die Kundschaft der Hubertus-Apotheke brauche nun keine Angst zu haben, unterstreicht Zellmer. „Wir lassen die Leute nicht einfach so zurück. Unser Botendienst wird ausgebaut, um die Menschen, die wir über die vielen Jahre beraten und liebgewonnen haben, auch zukünftig versorgen zu können.“ Auch die eine oder andere digitale Lösung befinde sich in der Planung, damit die Bevölkerung noch besser persönlich beraten werden könne.
Durch die Übernahme des Personals aus Uttrichshausen würden Kundinnen und Kunden vertraute Gesichter in Schmalnau wiedersehen. „Wir danken unserer großartigen Kundschaft der Hubertus-Apotheke für ihre langjährige Treue und hoffen, dass sie Verständnis für diesen schweren Schritt hat“, betont Bastian Zellmer.
Sein Team stehe bei Fragen und für Informationen zur künftigen Arzneimittelversorgung mit Rat und Tat zur Seite. „Gemeinsam mit den Kunden wollen wir gestärkt in die Zukunft gehen, damit wir wieder genügend Zeit und Energie haben, um unseren schönen Beruf mit Freude auszuüben.“
Was mit der Immobilie im Kalbacher Ortsteil passiert, bleibe abzuwarten. Die Räume der Apotheke hatte Zellmer gemietet. Im Obergeschoss befinden sich noch Wohnungen.
