VonSabrina Mehlerschließen
Seit mehr als eineinhalb Jahren ist der Schlossgarten, Fuldas grüne Oase im Barockviertel, Großbaustelle. Doch ein Ende ist in Sicht: Ende Oktober soll ein Großteil der Anlage fertiggestellt werden. Für die offizielle Eröffnung will die Stadt allerdings bis zum Frühjahr warten.
Fulda - So (oder so ähnlich jedenfalls) sah also der Schlossgarten im Spätbarock gegen Ende des 18. Jahrhunderts aus: eine streng geometrische Form, von breiten Beeten eingefasste quadratische Rasenflächen, weitere Rasenläufer rechts und links der Wege. Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos) hat die Parkanlage zurück in die Vergangenheit katapultieren lassen. Denn Auslöser für die langwierigen Sanierung und Umgestaltung war das abgenutzte und erneuerungsbedürftige Wegenetz. Ziel des hauptamtlichen Magistratsmitglieds und gelernten Architekten war es jedoch auch, den Originalzustand des Parks wieder herzustellen.
Fulda: Arbeiten im Schlossgarten zu 90 Prozent fertig gestellt
Der Schlossgarten war Anfang des 18. Jahrhunderts zunächst als Barockgarten angelegt worden, wurde aber nur etwa ein Jahrhundert später – wie in anderen Städten auch – dem Trend folgend von einem Landschaftsgarten abgelöst, der viel wilder und natürlicher war. Vor rund 30 Jahren entschied sich die Stadt Fulda für die Kehrtwende: Im Zuge der Vorbereitungen für die erste hessische Landesgartenschau wurde das Parterre wieder barocker. Unter anderem entstanden in den 1990er Jahren das Wasserbassin in der Mitte, die Pavillons sowie die achsialen Verbindungswege zwischen den Gebäuden.
Fotostrecke: So laufen die Bauarbeiten im Fuldaer Schlossgarten




Daran wurde bei den jetzigen Bauarbeiten angeknüpft, dafür zu Grunde gelegt wurden Aufmaßpläne von anno dazumal: Ein gewisser Leutnant Kördel hatte in den Jahren 1803/1804 Zeichnungen angefertigt, die für die jetzige Umgestaltung eine wichtige Orientierung waren. So wurden nun die Achsen zwischen Schloss, Neptunbrunen und Floravase durch Blühstreifen und Grenzstreifen noch stärker betont. Dadurch wurden die Wege etwas breiter, die quadratischen Rasenflächen hingegen kleiner. Auf der Terrasse vor dem Kaisersaal, die allerdings erst im kommenden Jahr – nach Fertigstellung des Schlossturms – gestaltet wird, soll es zudem noch ornamentaler und blumiger werden – eben genauso pompös, wie man es aus dem Barock kennt.
Doch nicht nur die originalgetreue Wiederherstellung des Schlossgartens war eine Herausforderung für die Planer: Um zu verhindern, dass Spaziergänger bei schlechtem Wetter wieder durch Matsch laufen und über Pfützen springen müssen, wurden die Wege mit einer wassergebundenen Deck- und einer festen Tragschicht versehen. In den Randbereichen wurde ein neues, durchlässiges Material verwendet, dessen Eigenschaften denen von Tuffstein ähneln.
Schlossgarten
Die Anlage gliedert sich in die Kaiserterrasse vor dem Stadtschloss, eine Terrasse vor der Orangerie, ein dazwischenliegendes Parterre sowie den Waidesgarten, der sich bis zur Kurfürstenstraße erstreckt.
Die grüne Oase geht auf Pläne des Mainzer Baudirektors Maximilian von Welsch aus den Jahren 1719 bis 1721 zurück. Für die Anlage ließ Fürstabt Constantin von Buttlar den alten Tiergarten, der sich an gleicher Stelle befand, einebnen. Der Waidesbach, der den Park durchfließt, wurde in einen unterirdischen Kanal gefasst.
Die barocke Anlage wurde 1738 fertiggestellt und in kurhessischer Zeit ab 1821 in einen englischen Landschaftspark umgewandelt.
Aus dem Anlass der Landesgartenschau 1994 wurde der barocke Teil des Schlossgartens neu angelegt.
Von den originalen Entwurfszeichnungen Welschs sind nur zwei Schnitte für den Parterrebereich erhalten. Ein originaler Lageplan ist nicht überliefert. Nur eine Zeichnung von Leutnant Kördel von 1803/1804 gibt noch Hinweise auf den Welschen Plan.
Weitere Herausforderungen lagen in der unterirdischen Infrastruktur: Die Brunnenanlage, darunter das Wasserspiel im Parterre, wird künftig per Umwälzpumpe betrieben und nicht mehr mit Trinkwasser gespeist. Als geprüft wurde, ob Technik und Leitungen reibungslos funktionieren, wurden allerdings Undichtigkeiten in den Brunnen festgestellt. Daher müssen noch Fugen nachgearbeitet werden. In Betrieb gehen die Brunnen erst im Frühjahr. Die Wegedecke ist zu 90 Prozent fertig, teilt die Stadt Fulda mit. Lediglich der Eingangsbereich mit dem Blindenleitsystem müsse noch hergestellt werden.
Archivvideo: Bomben im Schlossgarten? Kampfmittelsondierung läuft
Aktuell werden die Wechselflorbeete mit einer einfassenden Hecke bepflanzt und der Frühjahrsflor für das kommende Jahr gesetzt. Auch wenn die Arbeiten im Parterre in zwei Wochen fertiggestellt sind, werden die Fuldaer nicht sofort durch die barocke Anlage flanieren können. „Diese muss erst noch abgenommen werden”, erklärt die städtische Pressesprecherin Monika Kowoll-Ferger. Wie lang das dauert, ist unsicher. Zur offiziellen Eröffnung des Schlossgartens will Stadtbaurat Schreiner aber ohnehin erst im kommenden Frühjahr einladen: „Dann, wenn auch schönes Wetter ist.“ Und der Garten mit seiner blühenden Flora vollends zur Geltung kommt.
