Aschenberg-Prozess

Ex-Freundin belastet Angeklagten schwer: 38-Jähriger soll ihr die Tat gestanden haben

+
Der Angeklagte hat bisher einen gelassenen Eindruck vor Gericht gemacht.
  • schließen

Die 36-jährige Ex-Freundin des Angeklagten belastet ihn im Aschenberg-Prozess schwer: Der 38-Jährige soll ihr gegenüber die Tat gestanden haben. Auch zum Verbleib der bislang spurlos verschwundenen Tatwaffe gibt die Zeugin überraschend einen Hinweis.

Fulda - Im Prozess um einen am 12. April 2023 am Aschenberg leblos aufgefundenen Mann gestaltet sich die Aufklärung vor dem Landgericht Fulda bislang schwierig: Der Angeklagte selbst schweigt. Von der Tatwaffe fehlt weiterhin jede Spur. Von den bislang gehörten Zeuginnen und Zeugen hat niemand die Tat direkt beobachtet. Ihre vor Gericht vorgebrachten Aussagen stützten sich im Wesentlichen auf Hörensagen. Im Raum steht auch die Frage, ob mehrere Täter beteiligt waren, die nicht mit auf der Anklagebank sitzen.

Fulda: Ex-Freundin belastet Angeklagten im Aschenberg-Prozess

Einer von ihnen sitzt am Dienstag zumindest als Zeuge vor Gericht. Gegen den Mann, den der Angeklagte beim Hereinkommen mit einem Augenzwinkern begrüßt, wird ebenfalls wegen Totschlags ermittelt. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren aber von dem Prozess abgetrennt, der derzeit verhandelt wird. Die Ermittlungen in diesem Fall seien noch nicht so weit vorangeschritten, heißt es von der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage.

Eben jene Ermittlungen sind der Grund, warum der Mann ebenfalls schweigt. „Mein Mandant macht von seinem Recht Gebrauch, keine Angaben zu machen“, verkündet sein Anwalt. Das Gericht entlässt den Zeugen nach nicht mal einer Minute wieder – nicht ohne dass der Angeklagte ihm auch beim Verlassen des Gerichtssaals noch einmal zuzwinkert.

Am Fuldaer Aschenberg war am 12. April 2023 ein Mann leblos aufgefunden worden.

Auskundsfreudiger ist hingegen die Ex-Freundin des Angeklagten. Sie berichtet, dass der 38-Jährige sie am Morgen nach der Tat kurz besucht habe. „Er hat mir kurz eine Pistole gezeigt und mir gesagt, dass er einen Menschen erschossen hat.“ Ihr gegenüber soll der Angeklagte sogar noch weiter ins Detail gegangen sein: „Er sagte mir, er habe vier Mal in die Brust und ein Mal in den Kopf geschossen.“ Tatsächlich fand die Polizei später fünf Schusswunden an dem Leichnam.

Sie habe das zunächst alles nicht geglaubt und für einen Scherz gehalten, berichtet die Zeugin. Das habe sich erst geändert, als die Nachricht durch die Medien ging, dass eine Leiche am Aschenberg gefunden wurde. „Mir wurde schlecht. Ich stand unter Schock.“ Schließlich habe sie die Polizei angerufen.

Auch zur Tatwaffe hat die Frau etwas zu sagen. Von der fehlt bislang nämlich jede Spur. Jetzt erzählt die Zeugin, sie habe der Polizei auf dem Weg ins Gericht ein paar Orte genannt, an denen die Waffe von einem weiteren Mann versteckt worden sein könnte. Staatsanwalt Andreas Hellmich bestätigt, dass an diesen Plätzen derzeit nach der Waffe gesucht werde.

Ex-Freundin berichtet von Wutausbrüchen und Eifersucht

Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Josef Richter schildert die Zeugin zudem ihr Verhältnis zu dem Angeklagten, den sie über Facebook kennengelernt habe. „Am Anfang war er nett und lieb.“ Drei Monate seien sie 2022 zusammen gewesen, bevor sie sich – noch vor dem Vorfall am Aschenberg – wieder getrennt hätten. Regelmäßig, insbesondere an den Wochenenden, habe der Angeklagte in dieser Zeit getrunken. „Wenn er besoffen war, wurde er aggressiv, hat Dinge kaputtgemacht“, berichtet die 36-Jährige. Ob er sie auch geschlagen habe, will Josef Richter wissen. Die Frau bejaht. Auch mit der Faust? Wieder nickt die Zeugin. Grund sei häufig Eifersucht gewesen.

Das könnte noch eine Rolle spielen, denn mehrere Zeuginnen und Zeugen hatten von einem lauten Streit in der Tatnacht berichtet. Die Ex-Freundin sagt am Dienstag vor Gericht, der Angeklagte habe sich mit dem späteren Opfer früher schon blutig geprügelt. Kurz vor der Tat habe das spätere Opfer ihr gegenüber eindeutige Avancen gemacht – was der Angeklagte auch mitbekommen habe. „Er hat aber nicht negativ reagiert“, sagt die Frau. Im Gegenteil: Beide seien noch am Abend vor der Tat in bester Stimmung zusammen unterwegs gewesen.

Verteidiger Christian Celsen berichtet am Dienstag auch, die Zeugin habe im Juni 2023 in seiner Kanzlei angerufen. „Ich wollte wissen, wann der Angeklagte wieder freikommt“, begründet sie nun vor Gericht. Auf Nachfrage ergänzt sie: „Ich habe Angst, dass wenn er rauskommt, ich die nächste bin, die tot ist.“

Kommentare