VonChristopher Hessschließen
Fachkräftemangel, hohe Energiekosten, Erhöhung der Mehrwertsteuer: Das Gastronomiegewerbe sieht sich mit vielen Herausforderungen konfrontiert. In der Hessenmühle in Kleinlüder haben sich am Montag Vertreter aus Politik und der Gastronomie versammelt, um mögliche Lösungsansätze zu finden.
Kleinlüder - „Wir wollen, dass die Mehrwertsteuer für die Gastronomie bei sieben Prozent bleibt und nicht wieder erhöht wird“, sandte Sebastian Müller, CDU-Landtagskandidat am Montag (18. September) im Saal der Hessenmühle eine Botschaft an die Bundesregierung in Berlin. Die Senkung der Umsatzsteuer sei zur Zeit der Corona-Krise mit der Begründung erfolgt, dass die Energiekosten gestiegen sind. „Das ist auch heute noch der Fall“, sagte Müller.
Fulda: Gastronomen und Politiker diskutieren beim „Gastro-Gipfel“ in Kleinlüder
Die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. Januar 2024 ist eines der zentralen Themen, das die Gastronomie derzeit beschäftigt. Das sah nicht nur der Landtagskandidat so, sondern auch die Teilnehmer der Gesprächsrunde sowie Vertreter der Landgasthöfe, die zum Gastro-Gipfel gekommen waren. Zur Runde zählten: Regierungspräsident Mark Weinmeister, die CDU-Landtagskandidaten Thomas Hering und Sebastian Müller, Bernd Farnung, Vorsitzender der Dehoga Fulda, Andreas Rau, Vorsitzender der Rhöner Charme, Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz sowie Dieter Kehl, Inhaber des Landhauses Kehl in Lahrbach.
Kehl forderte von der Politik Planbarkeit für die Branche statt einer Erhöhung der Mehrwertsteuer. „Wir haben 50 Prozent mehr Energiekosten, wollen das Personal angemessen bezahlen und haben bald noch eine höhere Mehrwertsteuer, das funktioniert nicht“, so Kehl. Stiegen die Kosten für die Gastronomen weiter, müsse das im Umkehrschluss auch an die Verbraucher weitergegeben werden, da waren sich die Redner einig.
Ein Mitarbeiter der Hessenmühle, der als Gast an der Runde teilnahm, forderte: „Wir brauchen ein besseres Bewusstsein für Lebensmittel. Wir müssen den Gästen erklären, warum das Schnitzel jetzt plötzlich 20 Euro kostet.“ Zudem müsse mehr Bewusstsein für regionale Ernährung beim Verbraucher geschaffen werden. Alexander Koch, Geschäftsführer der Hessenmühle forderte: „Wir müssen eine höhere Sensibilität für die Wertigkeit der Produkte schaffen.“
Die größten Sorgenfalten bereitet den Gastronomen neben der Erhöhung der Mehrwertsteuer die Personalsituation. „Wir machen uns seit Jahren Gedanken, wie es im ländlichen Raum weitergeht“, sagte Andreas Rau, Vorsitzender des Gastro-Zusammenschlusses Rhöner Charme. Vielerorts mussten Betriebe die Öffnungszeiten reduzieren und mehr Ruhetage einführen, weil es an Personal fehlt oder ganz schließen.
Manfred Helfrich, Bürgermeister in Poppenhausen stellte fest: „Das gastronomische Angebot in den Rhöngemeinden ist deutlich zurückgegangen.“ Das hänge in erster Linie mit dem Personalmangel, aber auch mit verändertem touristischen Verhalten der Gäste zusammen. „Viele suchen seit der Corona-Pandemie Ferienhäuser, Chalets oder Wohnmobilstellplätze.“
Video: Rückkehr zu 19 Prozent Mehrwertsteuer für DeHoGa nicht tragbar
Vor allem in Zeiten der Pandemie hatten viele junge Menschen das Gastro-Gewerbe verlassen und waren nicht zurückgekehrt. „Sie wurden von den anderen Branchen aufgesogen“, stellte Regierungspräsident Weinmeister fest.
Die Runde nannte zwei Lösungsansätze für das Problem des Fachkräftemangels: Einerseits brauche es künftig noch mehr Fachkräfte aus dem Ausland. Jürgen Diener, stellvertretender Vorsitzender der Mittelstandsunion und Unternehmer, berichtete von positiven Erfahrungen mit Arbeitskräften aus Tunesien. Auch Müller betonte die Wichtigkeit, in Zukunft ausländische Fachkräfte für die Betriebe zu gewinnen.
„Müller brachte eine Anlaufstelle ins Spiel, die den Betrieben in der Thematik und bei rechtlichen Fragen helfen könnte. Zudem wies er auf das Gaststätten-Sonderprogramm des Landes Hessen hin, das Gasthöfe mit bis zu 200.000 Euro fordert. „Für viele können das entscheidende Mittel sein, um sich für die Zukunft aufzustellen.“
