VonAndreas Ungermannschließen
Zum Verlauf für die Starkstromtrasse Fulda-Main-Leitung zwischen dem Umspannwerk Dipperz und Bergrheinfeld hat Netzbetreiber Tennet einen Vorschlag unterbreitet. Der sogenannte „Strang A“ sorgt für Fragen - vor allem zu einem Wasserschutzgebiet und der Wirtschaftlichkeit.
Region Fulda - Das Interesse an der Informationsveranstaltung von Tennet zur geplanten 380-kV-Starkstromtrasse - genannt Fulda-Main-Leitung - ist groß. Gut 100 Menschen haben den Weg nach Rothemann ins Bürgerzentrum gefunden - aus den Landkreisen Fulda, Main-Kinzig und Bad Kissingen, wie die Autokennzeichen auf dem Parkplatz zeigen. In dem Eichenzeller Ortsteil, der nach der aktuellen Planung selbst nicht von der Leitung betroffen ist, stellt Tennet seinen Vorschlagskorridor der Öffentlichkeit vor. Dieser soll über 92 Kilometer von Dipperz über die Gemeindegebiete von Eichenzell, Neuhof, Kalbach und Sinntal nach Unterfranken führen.
Fulda-Main-Leitung: Warum ein Acht-Kilometer-Umweg nötig ist
Warum aber kommt nicht der acht Kilometer kürzere „Strang B“ entlang der A7 zum Zuge oder gar eine Trasse weiter östlich, so lautet die drängendste Frage aus dem Publikum. Die Frage nach den Ostverläufen ist schnell beantwortet. Hier sei Tennet im ersten Prüfschritt, bei dem der gesamte Trassenverlauf betrachtet werde, schon von Anfang an nicht davon ausgegangen, dass eine Variante von der Bundesnetzagentur als genehmigungsfähig eingestuft werde. Anders sieht es bei den Strängen A und B aus, die in der Beurteilung nicht einmal weit auseinanderliegen.
Den Vorzug habe allerdings der westlichere von beiden Korridoren erhalten, weil das Wasserschutzgebiet bei Bad Brückenau und Römershag nicht zu überspannen oder zu umgehen sei. Zwangsläufig müssten hier Masten in das Gebiet gebaut werden - und das sei nicht zulässig. „Dass das Wasserschutzgebiet Fragen aufwerfen würde, war uns vorab klar. Das wurde auch intern diskutiert“, sagt Tennet-Sprecher Thomas Wagner.
Auf die Frage, ob der Netzbetreiber auch eine Kostenbetrachtung vorgenommen habe, verweisen dessen Vertreter darauf, dass die Kosten nicht rein nach der Leitungslänge zu betrachten seien. Vielmehr komme es dabei auf Faktoren an, die unter anderem durch die Geländetopographie bedingt seien.
Das gilt auch für die Erdverkabelung, die sich Eichenzeller verstärkt in ihrer Gemeinde gewünscht hätten: „Warum werden hier neben den vorhandenen jetzt noch mehr Masten aufgestellt? Das sei eine Frage der technisch-wirtschaftlichen Effizienz, so die Tennet-Auskunft. Wenn Masten durch Erdverkabelungen eingespart würden, so müssten jedoch Übergangseinrichtungen von der Erd- zur Freileitung installiert werden. Und das seien durchaus auch aufwendige und große Einrichtungen.
Auf besonderes Interesse stoßen nach der Vorstellung der Tennet-Pläne die Details. Auf den bereitgestellten Monitoren lassen sich die Interessierten aus Osthessen und Unterfranken Trassenverläufe vergrößern, um zu sehen, wie nah die Leitungen und Masten möglicherweise an eigene Grundstücke im Speziellen oder an Wohnsiedlungen im Allgemeinen heranrücken.

