VonChristopher Hessschließen
Eigentlich sollte aktuell die Ernte auf Hochtouren laufen, doch der anhaltende Regen macht den Landwirten einen Strich durch die Rechnung. Trockenheit, die im Juni für Schäden am Getreide sorgte, wäre nun von Nöten. Unter den wechselnden Wetterextremen leiden Qualität und Ertrag.
Fulda - „Die Ernte ist völlig zum Erliegen gekommen“, sagt Jörg Schönherr. Er betreibt als Müllermeister die Erlenmühle in Kleinlüder. Grund dafür sei das Regenwetter mit reichlich Niederschlag in den vergangenen zwei Wochen. Denn: Wenn die Felder und das Getreide nass sind, kann nicht geerntet werden. Die Landwirte warten nun auf ein Ende des Niederschlags und auf Trockenheit, die ihnen im Juni noch Sorgenfalten bereitete, um ernten zu können.
Fulda: Regen bremst Ernte aus - Landwirte hoffen auf Trockenheit
Schönherr gibt sich als Zweckoptimist: „Irgendwann muss es ja weitergehen.“ Er hofft, dass die Landwirte in der kommenden Woche – bei hoffentlich beständigem, trockenem Wetter – mit der Ernte fortfahren können und keine Qualitäts- oder Ertragseinbußen erleiden.
Das hofft auch Ackerbauer Uli Roos aus Burghaun. „Die Hälfte des Weizens haben wir vor Beginn der Regentage gedroschen, jetzt warten wir“, sagt Roos. Eine Tendenz zeichnet sich beim Weizen bereits ab: „Wir haben rund 30 Prozent weniger Ertrag als im Vorjahr.“ Hauptgrund für die Ertragseinbußen ist die extreme Trockenheit im Juni. „Der Regen hat uns dann nicht mehr geholfen“, sagt Roos. Geerntet wurde Mitte Juli. Die Nässe habe lediglich die Bodenbearbeitung leichter gemacht.
Die Landwirtschaft hätte den Regen vor fünf Wochen gebraucht. Aktuell kommt er zur völligen Unzeit.
Malin Krieg vom Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld erklärt: „Erst wenn es zwei Tage trocken war, kann gedroschen werden.“ Sie ergänzt: „Die Körner der Pflanze müssen richtig trocken sein.“ In Zahlen ausgedrückt: Bei gemessenen 14 Prozent Trockenheit in den Kronen des Getreides kann geerntet werden.
Um zu wissen, wann sie mit dem Dreschen beginnen können, messen die Bauern den Grad der Trockenheit in den Kronen mit einem speziellen Messgerät, erklärt Krieg.
Wie Schönherr sagt auch sie, dass der Regen zur völlig falschen Zeit komme. „Der Niederschlag im Juli hat den Landwirten wenig genutzt. Sie hätten ihn im Juni gebraucht, als das Getreide sich im Reifeprozess befand.“ Doch zu diesem Zeitpunkt herrschte völlige Trockenheit – und die Landwirte sehnten sich nach Regen, der über Wochen hinweg ausblieb. Dies sorgte wiederum für Hitzeschäden an vielen Pflanzen.
Video: Rückgang der Hopfenernte: extreme Wetterbedingungen sorgen für Ausfälle
Unter den Witterungsverhältnissen leiden sowohl der Ertrag der Ernte als auch die Qualität. „Durch den Regen steht das Getreide länger auf den Feldern und kann dadurch an Qualität verlieren, weil es eigentlich schon reif ist und nur darauf wartet, gedroschen zu werden.“ Es überreift quasi. Im Extremfall könne das Getreide seine Backqualität verlieren und nur noch als Tierfutter verwendet werden.
Nicht nur die Qualität leidet, die Landwirte müssen aufgrund der Wetterverhältnisse auch mit Einbußen rechnen: „Die Erträge fallen bisher unterdurchschnittlich aus“, sagt Krieg mit Blick auf die Ernte der Gerste, die bereits durch ist. Das bekommt sie von Landwirten aus der Region in Gesprächen gespiegelt. Den Teufel wolle sie aber nicht an die Wand malen: „Es ist aber auch keine Katastrophe.“ Genaue Zahlen für die Region kann sie noch nicht nennen, da die Ernte noch nicht abgeschlossen ist.
Es zeige sich aber, dass die Erträge stark streuen – je nach Beschaffung des Bodens. „Das sehen wir in diesem Jahr ganz besonders“, sagt Krieg vom Kreisbauernverband.
