Wetter-Analyse

Beständig unbeständig: Ein nasses Jahr 2023 geht zu Ende

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Ein sehr nasses Jahr geht zu Ende, sagt Meteorologe Oliver Reuter aus Eiterfeld. Neben starken Niederschlägen brachte 2023 auch Hitze, Trockenheit, Unwetter – und ein besonderes Naturphänomen.

Region - „Das Jahr war zu nass, die Dürren der vergangenen Jahre dürften so langsam der Vergangenheit angehören“, sagt Meteorologe Oliver Reuter. 177 Regentage wurden gezählt. 700 bis örtlich mehr als 800 Liter pro Quadratmeter waren keine Seltenheit. So gab es an 24 Tagen im November Niederschläge. Auch der August und der Oktober waren sehr nasse Monate.

Fulda: Viel Regen, aber auch Hitze, Polarlichter und Dürre

Am 2. Februar wurde mit 49 Zentimetern die höchste Schneedecke des Jahres auf der Wasserkuppe gemessen, sagt Reuter. Der Maximalwert von 1988 liege zum Vergleich bei 147 Zentimetern. Noch im März gab es zehn Zentimeter Neuschnee. In der zweiten Hälfte des Jahres kam der Winter überraschend früh: Nach dem 24. November konnte fast überall eine geschlossene Schneedecke bestaunt werden.

Das Radom auf der Wasserkuppe in der Rhön umringt von Polarlichtern: Dieses tolle Foto ist Martina Junk in der Nacht auf Montag gelungen.

Besonderheiten:
Polarlichter über dem osthessischen Himmel? Am 24. April wurde der Himmel über der Region zur Bühne eines seltenes Naturschauspiels: „Ein kräftiger Sonnensturm sorgte für fotografisches und visuelles Polarlicht bis in unsere Breiten – und einen bunt gefärbten Nachthimmel“, sagt Reuter.

Ein Hochwasser überflutete Ende März Wiesen und Wege bei Großenbach.

Gewitter und Unwetter:
Das Jahr begann mit einer ersten Schwergewitterlage am 13. März, die für gewaltigen Hagelschlag sorgte. Vor allem im Grenzgebiet zu Bayern hinterließ das Unwetter Hagelschäden, erinnert sich Reuter. Ende März kam es durch anhaltenden Regen örtlich zu Hochwassern.

Für weitere Überschwemmungen sorgten einige Gewitterlagen Ende Mai. Einen Monat später verursachten Gewitter, sogenannte Superzellen, vor allem über Kassel gravierende Schäden. Osthessen kam weitestgehend glimpflich davon. Durch anhaltende Hitze im Juli kam es zu mehreren Wald- und Flächenbränden in der Region.

Eine Besonderheit einen Monat später: Am 14. August konnte ein freistehendes Gewitter, sogenannte Lampenschirme, in der Rhön bewundert werden, erzählt Gewitterjäger Reuter. Sturmtief Zoltan suchte die Region Ende Dezember heim und sorgte vielerorts für Sturmschäden, Flüsse wie die Fulda traten über ihre Ufer.

Das Wetter in Zahlen

-10,5 Grad Celsius konnten am 29. Januar in Wüstensachsen gemessen werden – somit war das der kälteste Tag 2023.

37 Grad Celsius war die Höchsttemperatur im vergangenen Jahr. Gemessen wurde dieser Wert am 9. Juli in Eiterfeld-Arzell.

49 Zentimeter Schnee wurden am 2. Februar auf dem höchsten Gipfel Hessens, der Wasserkuppe, gemessen.

Temperatur:
2023 schwankten die Temperaturen gewaltig: „Mit -10,5 Grad Celsius wurde die kälteste Temperatur des Jahres am 29. Januar in Wüstensachsen verzeichnet“, sagt Meteorologe Oliver Reuter. Es sei eine der niedrigsten Temperaturen, die 2023 in Hessen gemessen wurden.

Der heißeste Tag war laut Reuter der 9. Juli in Eiterfeld-Arzell: Die Temperatur betrug 37 Grad Celsius. Insgesamt gab es in Osthessen rund 74 Sommertage und 23 Hitzetage mit Temperaturen ab 30 Grad Celsius oder mehr, teilt Reuter mit. Dazu kamen sechs sogenannte Tropennächte mit Minimumtemperaturen ab 20 Grad Celsius.

Ungewöhnlich warm und ein „Novum seit Beginn der osthessischen Wetteraufzeichnung“, wie Reuter verrät, war der September. An 10 bis 15 Tagen konnten sich die Osthessen über sommerliche Temperaturen ab 25 Grad Celsius freuen. Die Minusgrade Ende November wurden vom Tauwetter Mitte Dezember abgelöst. Der Schnee schmolz.

Rubriklistenbild: © Martina Junk

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