VonVolker Niesschließen
80 Medizinstudenten der Universität Marburg nehmen zum Semesterstart im Oktober ihr Studium auf dem Campus Fulda auf. Für dieses Projekt gab es von Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) am Montag viel Lob.
Fulda - Bisher mussten viele Medizinstudenten am Uniklinikum Marburg nach dem vierten Semester eine neue Uni suchen, weil die Kapazitäten in Marburg nicht ausreichten. Im Oktober nimmt der Campus Fulda seine Arbeit auf. Dort werden zunächst 80, in einem Jahr dann zwei Studienjahrgänge mit insgesamt 180 jungen Menschen in Fulda studieren. Wie weit die Vorbereitungen gediehen sind, davon verschaffte sich die Wissenschaftsministerin am Montag einen Eindruck.
Fulda: Wissenschaftsministerin Dorn lobt Campus am Klinikum
„Der Geist und die besondere Haltung in ihrem Hause sind beflügelnd. Sie leisten einen enormen Aufwand für ein außergewöhnliches Projekt. Sie zeigen Mut und eine hohe Teamfähigkeit“, lobte Dorn.
Die reibungslose Zusammenarbeit von Uni-Klinik Marburg, Hochschule Fulda und Klinikum Fulda beim Aufbau des Studienangebots sei hessenweit einmalig. „Diese Kooperation findet auch bundesweit große Beachtung“, sagte die Ministerin. Von den zusätzlichen Studienplätzen profitierten die Studenten, die teilnehmenden Krankenhäuser und Hochschulen und nicht zuletzt die Regionen Marburg und Fulda.
„Die Zusammenarbeit ist ein Motor für die Zukunftsfähigkeit beider Regionen und sie ist ganz wesentlich für die Patientenversorgung der Zukunft“, sagte die Politikerin. In Fulda soll ein Schwerpunkt auf die Ausbildung von Hausärzten für den ländlichen Raum gelegt werden.
Überdurchschnittlich viele Medizinstudenten in Hessen
Auf die Frage unserer Zeitung, ob in Hessen nicht noch mehr Mediziner ausgebildet werden müssten, sagte Dorn, in Deutschland sollten mehr junge Menschen Medizin studieren können. In Hessen studierten allerdings bereits 8439 Menschen Medizin – das seien etwa 1000 mehr als es dem Bevölkerungsanteil Hessens in Deutschland entspreche. „Jetzt sind die anderen Bundesländer gefordert“, sagte Dorn. Das Land gebe allein für den Campus Fulda ab 2024 jedes Jahr 21 Millionen Euro aus. Das Geld bekommt der Campus für Forschung und Lehre auf dem Niveau einer Uni-Klinik.
Dr. Thomas Menzel, Vorstandschef des Klinikums, berichtete, dass die Ursprünge der Kooperation zwischen der Uni-Klinik Marburg und dem Klinikum Fulda auf ein Gespräch Menzels mit Prof. Dr. Jochen Werner und Dr. Holger Thiemann, dem Ärztlichen und dem Kaufmännischen Direktor der Uni-Klinik Marburg, 2013 zurück gehe.
Einweihung und Start
Zur offiziellen Einweihung des Campus Fulda kommt Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) am Dienstag, 22. August, um 13 Uhr ins Klinikum. Die ersten Studenten nehmen am 16. Oktober ihr Medizinstudium in Fulda auf.
Es habe sich gezeigt, dass Fulda Marburg bei der Lösung von Kapazitätsproblemen helfen konnte. Im September 2014 seien dann die ersten Medizinstudenten aus Marburg wochenweise zu Praktika und Seminaren nach Fulda gekommen – neben den Medizinern im Praktischen Jahr, die schon immer ans Klinikum gekommen seien.
Von einer besonderen Aufbruchstimmung am Klinikum berichteten Bauchraum-Chirurgie-Chefarzt Dr. Achim Hellinger, der den Aufbau der Lehre verantwortet, und Psychosomatik- und Psychotherapie-Chefarzt Prof. Dr. Henrik Kessler, der für die Forschung zuständig ist. Der Campus arbeitet in Räumen im fünften Stock des Neubaus der Notaufnahme.
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