VonMarcus Lotzschließen
Mehrere Anwohner haben in der Tatnacht Schreie und Knallgeräusche gehört – das berichteten mehrere Zeugen am dritten Verhandlungstag des Aschenberg-Prozesses. Den Angeklagten, der wegen Totschlag angeklagt ist und augenscheinlich guter Laune war, schien das nicht sonderlich zu beeindrucken.
Fulda - Lautes Gebrüll, das nach einem Streitgespräch zwischen mehreren Personen klang, habe ihn mitten aus der Nacht aus dem Schlaf gerissen – so berichtete es ein Anwohner am Mittwoch in Fulda vor Gericht. Er habe dem aber keine größere Bedeutung zugemessen, sagte er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Josef Richter. „Am Aschenberg hat man so was jeden Tag, da macht man sich weiter keine Gedanken“, gab der 66-Jährige schulterzuckend an. Da musste der Angeklagte, der seit Prozessbeginn einen sehr gelassenen Eindruck erweckt, schmunzeln.
Fulda: Zeugen berichten von unruhiger Tatnacht am Aschenberg
Dabei starb in der Nacht, in der das Gebrüll am Aschenberg zu hören war, ein Mensch: Mit fünf Schussverletzungen war am Morgen des 12. April die Leiche eines 38-jährigen Mannes in der Adenauerstraße gefunden worden. Vier Kugeln steckten noch in dem Körper, eine fünfte hatte diesen durchschlagen.
Mehrere Anwohner hätten gegen 4 Uhr nachts „schussähnliche Geräusche“ gehört, wie ein Polizist vor Gericht schilderte. Ein Zeuge habe sich präziser erinnern können. „Er hörte erst zwei Schüsse, dann kam eine Pause, anschließend hörte er drei weitere“, sagte der Polizist. Tatsächlich wurden am Morgen fünf Patronenhülsen aufgefunden – drei in unmittelbarer Nähe zur Leiche, zwei weitere im nahen Gebüsch.
Die Sanitäter, die am Morgen zumAschenberg gerufen wurden, konnten nur noch den Tod des 38-Jährigen feststellen. „Die Leichenstarre hatte bereits eingesetzt“, berichtete einer von ihnen am Mittwoch vor Gericht. Zudem konnte er von einem weiteren Detail berichten: „Wir fanden den Mann reglos auf dem Bauch liegend. Als wir ihn zur Behandlung umdrehten – es regnete währenddessen – war der Boden darunter trocken.“
Die nachfolgenden Ermittlungen gestalteten sich schwierig. So seien zwar nach der Tat Gespräche verschiedener Personen abgehört worden. „In dieser Community wurde viel über den Fall geredet. Das meiste war jedoch Hörensagen“, berichtete eine Ermittlerin. „Wirklich konkrete Aussagen wurden sehr wenige getroffen. Meistens wurde das Gespräch an dem Punkt, an dem es vom Hörensagen ins Konkrete gehen sollte, abgebrochen und sich zu einem persönlichen Treffen verabredet.“
Weitere Verdächtige: Verteidiger kritisiert abgetrennte Verfahren
Teil dieser Gespräche war auch die Beteiligung weiterer Personen an der Tat. Verteidiger Christian Celsen hatte bereits kritisiert, dass lediglich sein Mandant auf der Anklagebank sitzen müsse, obwohl zwei weitere Männer, die laut Celsen ebenfalls ein Motiv gehabt hätten, nicht angeklagt seien.
So sei das Verfahren gegen einen weiteren Verdächtigen, gegen den ebenfalls wegen Totschlag ermittelt werde, von diesem Verfahren abgetrennt. Auf Nachfrage erklärt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Dr. Christine Seban, dass das Verfahren abgetrennt sei, weil die Ermittlungen in diesem Fall noch nicht weit genug vorangeschritten seien.
So bleibt der 38-Jährige auch weiterhin allein auf der Anklagebank, dafür aber – wie auch während der vorangegangenen Prozesstage – zumindest äußerlich gelassen. Immer wieder tauschte er trotz mehrmaliger Zurechtweisung durch die Justizbeamten grinsend Botschaften und Gesten mit einem Mann und einer Frau aus, die in den Zuschauerrängen saßen, oder konnte ein Gähnen nicht unterdrücken, während das Gericht einen Zeugen zu den tödlichen Verletzungen des Opfers befragte.
Der Prozess wird am Donnerstag um 10 Uhr fortgesetzt.
