VonErik Scharfschließen
Vier ehemalige VW-Manager sind im Prozess um den Dieselskandal zu Haftstrafen verurteilt worden. Das Urteil fällte das Landgericht Braunschweig am Montag.
Update von Montag, 26. Mai, 9.49 Uhr: Das Urteil ist gefallen: Im Strafprozess zur Dieselaffäre sind vier frühere Führungskräfte von Volkswagen wegen Betrugs schuldig gesprochen worden. Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Braunschweig verurteilte zwei Angeklagte zu mehrjährigen Haftstrafen, zwei Ex-Mitarbeiter erhielten Bewährungsstrafen.
Nach fast vier Jahren geht damit ein riesiges Verfahren zu Ende. Die ehemaligen VW-Manager sehen sich dennoch weiter als Bauernopfer (siehe Erstmeldung). Die Staatsanwaltschaft hatte zwischen zwei und vier Jahren Gefängnis gefordert und hielt nur in einem Fall Bewährung für angebracht. Die Verteidigung dagegen plädierte auf drei Freisprüche und eine Verwarnung.
Das Urteil ist nicht rechtskräftig und die juristische Aufarbeitung ist auch nach diesem Schuldspruch nicht beendet. In Braunschweig sind nach dem ersten Prozess und dem Komplex gegen Winterkorn noch vier weitere Strafverfahren gegen insgesamt 31 Angeklagte offen, wie ein Sprecher des Landgerichts gegenüber der dpa sagte
Angeklagte fassungslos über gefordertes Strafmaß – sie sehen sich als Bauernopfer
Erstmeldung vom 16. Mai 2025, 14.49 Uhr: Die angeklagten Ex-Manager und Ingenieure von Volkswagen zeigten sich fassungslos. Die von der Staatsanwaltschaft geforderten Haftstrafen überstiegen offenbar die Befürchtungen der Beteiligten am Dieselskandal. Den vier Beschuldigten drohen drei bis vier Jahre hinter Gittern.
Urteil im Abgas-Prozess bei VW könnte am 26. Mai fallen
In emotionalen Abschlussworten zum Betrugsprozess rund um den VW-Dieselskandal machten alle vier Beschuldigten deutlich, dass sie die Sichtweise der Strafverfolger nicht teilen und die Ermittlungen gegen sie ihr Leben seit nahezu zehn Jahren prägen. Sie betonten, wie kräftezehrend und ermüdend sie den fast vier Jahre langen Prozess vor dem Landgericht Braunschweig empfanden.
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Die Staatsanwaltschaft fordert für drei der vier Angeklagten Gefängnisstrafen zwischen drei und vier Jahren, da sie nach Überzeugung der Anklagebehörde des Betrugs überführt seien. Im Gegensatz dazu plädierte die Verteidigung auf drei Freisprüche und eine Verwarnung. Das Urteil im Prozess könnte nach der Planung am Montag, 26. Mai, fallen.
Plädoyers für die anderen Angeklagten „irritierend und erschreckend“
Die Betroffenen, denen nun Haftstrafen drohen, äußerten am Freitag ihre Fassungslosigkeit über das geforderte Strafmaß, nachdem nun zehn Jahre seit dem Auffliegen des Skandals hinter ihnen liegen. Sie beschrieben die Plädoyers für die anderen Angeklagten unter anderem als „irritierend und erschreckend“. Zur entscheidenden Frage, wer wann was wusste, blieb der Prozess vor der Wirtschaftsstrafkammer von Beginn an geprägt von der Tatsache: Es steht Aussage gegen Aussage.
Die beschuldigten Ingenieure, die die Abschalteinrichtung vorgeschlagen haben, sagen sinngemäß: Wir haben Bedenken geäußert und vor Konsequenzen gewarnt. Die Vorgesetzten entgegnen: Es sei über Probleme gesprochen worden, nie aber über ungesetzliches Handeln.
Abgasskandal 2015 in den USA aufgedeckt
Im September 2015 war in den USA bekanntgeworden, dass VW in großem Maßstab ein Täuschungsprogramm eingesetzt hatte, das Abgastests erkannte und nur dann die volle Reinigung der Emissionen aktivierte. Die vier Angeklagten in dem Braunschweiger Verfahren wehren sich im Wesentlichen gegen Vorwürfe und sehen sich eher als Bauernopfer.
VW-Prozess in Braunshweig
Jahrelange Haft nach VW-Affäre? Verteidiger üben scharfe Kritik
Kritiker bemängeln seit Prozessbeginn, dass mit dem ehemaligen Konzernchef eine zentrale Person fehlt. Das Verfahren gegen den 77-jährigen Martin Winterkorn war aus gesundheitlichen Gründen abgetrennt worden. (esa/dpa)
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