Gemeinschaftsunterkunft

Seniorenheim in Zierenberg muss schließen: Geflüchtete könnten bald einziehen

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Vor dem Wandel: Das bislang als Altenheim genutzte Gebäude an der Kasseler Straße in Zierenberg ist als Flüchtlingsunterkunft im Gespräch.
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Der andauernde Personalmangel zwingt das Seniorenwohnzentrum Viadukt in Zierenberg in die Knie. Zum 31. August schließt es seine Pforten. 33 Bewohner müssen umziehen.

Zierenberg – Das Seniorenwohnzentrum Viadukt in Zierenberg stellt zum 31. August 2023 seinen Betrieb ein. Das hat Betreiber Heiko Fuchtmann bekannt gegeben. Ein neuer Mieter für die Einrichtung, die bis zuletzt 33 Bewohner beherbergte, ist offenbar bereits gefunden: Der Landkreis Kassel möchte voraussichtlich ab dem 1. Oktober 2023 an der Kasseler Straße 46 eine Gemeinschaftsunterkunft für bis zu 45 Geflüchtete errichten, wie Sprecherin Alia Shuhaiber mitteilt.

Der Eigentümer der Immobilie und Betreiber des Seniorenheims, Heiko Fuchtmann, bestätigt auf HNA-Anfrage Vorgespräche mit dem Landkreis, stellt aber klar: „Bislang haben wir keinen Vertrag unterzeichnet.“ Mit mindestens einem weiteren Interessenten würden noch Gespräche geführt.

Fuchtmann betreibt das Seniorenwohnzentrum seit acht Jahren. „Es hat eigentlich immer zu wenig Personal gegeben“, sagt er. Letztlich habe der durchgängig hohe Krankenstand unter den Mitarbeitern einen dauerhaften Betrieb erschwert. „Ich musste selbst häufig einspringen“, sagt Fuchtmann, der examinierter Krankenpfleger ist, jedoch nicht in der Region wohnt.

Schließung von Seniorenheim in Zierenberg: Personalmangel als Hauptgrund

Oft hätten qualifizierte Freiberufler einspringen müssen, die 42 Euro pro Stunde bezahlt bekämen plus Zulagen. Erschwerend hinzugekommen sei, dass die Heimaufsicht einen Aufnahmestopp verhängt habe und die Hygieneaufsicht Auflagen verschärft habe. „Das kriegen wir auf Dauer nicht gestemmt“, sagt Fuchtmann.

Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, habe er die Verträge der Heimbewohner zwei Monate vor der Schließung am 30. Juni gekündigt. „Die Bewohner werden unser Seniorenwohnzentrum bereits Anfang August verlassen haben“, sagt Fuchtmann.

Auch seinen Mitarbeitern habe er gekündigt. Sie hätten bereits neue Anstellungen gefunden. Andere Einrichtungen wie etwa die Evangelische Altenhilfe und das Helenenheim Bad Arolsen hätten sich um sie bemüht. Auch die drei Auszubildenden seien bereits in anderen Einrichtungen untergekommen.

Bürgermeister: „Die Senioren müssen keinen Platz für die Geflüchteten machen“

Zierenbergs Bürgermeister Rüdiger Germeroth (SPD) hatte während der Stadtverordnetenversammlung am vergangenen Montag Gerüchte bestätigt, dass in dem Seniorenheim eine Flüchtlingsunterkunft entstehen könnte.

Er stellte aber auch klar: „Die Senioren müssen keinen Platz für die Geflüchteten machen.“ Dieser Kausalschluss sei nicht zulässig, denn das Heim sei ohnehin schon seit Längerem nicht mehr tragfähig gewesen und der Eigentümer habe nach einem anderen Nutzer Ausschau gehalten. Auf HNA-Anfrage bestätigte der Eigentümer von Gebäude und Pflegeheim, Heiko Fuchtmann, dass das Heim zum 31. August schließen werde. Jedoch gebe es bislang keinen rechtsverbindlichen Vertrag mit dem Landkreis. Dieser zeige jedoch großes Interesse an der Immobilie, wie dessen Sprecherin Alia Shuhaiber bestätigt.

„Der Kontakt zum Landkreis ist schon vor einer Weile über die Freiwillige Flüchtlingshilfe zustande gekommen“, erklärt Fuchtmann. Ein Helfer habe angefragt, zwei pflegebedürftige Geflüchtete bei ihm unterzubringen. Damals sei dies nicht zustande gekommen, doch der Kontakt sei somit hergestellt gewesen. Mit der Verantwortlichen des Liegenschaftsmanagements des Landkreises, Gisela Reuter-Koch, habe es zuletzt Gespräche gegeben.

Bewohner kommen unter

Zwar habe er von sich aus andere Unterbringungen vermittelt, die Entscheidung für ein anderes Heim träfen jedoch die Bewohner, deren Angehörige oder Betreuer, so Geschäftsführer Heiko Fuchtmann. Viele gingen nach Burghasungen und Wolfhagen. Andere würden in Vellmar und Kaufungen unterkommen. „Wir haben auf die Bewohner keinen Druck ausgeübt, sie konnten ihren Auszug ganz in Ruhe planen“, sagt Fuchtmann. Viele hätten das Heim bereits verlassen.

Landkreis sucht fortwährend nach Unterbringungsmöglichkeiten für Geflüchtete

Sofern der Mietvertrag zustande kommt, wolle der Landkreis die Unterkunft teilmöbliert übernehmen, sagt Landkreis-Sprecherin Alia Shuhaiber.

Der Mietvertrag solle fünf Jahre laufen, bis zum 30. September 2028. Personen aller Nationalitäten sollen dort untergebracht werden, nicht nur ukrainische Geflüchtete, unterstreicht die Kreis-Sprecherin.

„Wie wir bereits in der Vergangenheit öffentlichkeitswirksam publik gemacht haben, suchen wir fortwährend nach Unterbringungsmöglichkeiten für Geflüchtete“, sagt Shuhaiber. Die Pommernanlage in Gasterfeld sei bereits gut gefüllt, und jede Woche würden dem Landkreis 20 bis 30 weitere Geflüchtete zugewiesen. Der Bedarf an weiteren Unterkünften sei also vorhanden.

„Das Seniorenheim eignet sich für die Unterbringung perfekt“, betont Shuhaiber. So seien Einzelzimmer und Waschräume bereits vorhanden und müssten nicht aufwendig errichtet werden. Mit der bestehenden Raumaufteilung im Haus sei auch die Wahrung der Privatsphäre der Geflüchteten gewährleistet.

In Zierenberg leben momentan laut Auskunft des Landkreises insgesamt 167 Geflüchtete. (Paul Bröker)

Hinweis: In unserer gedruckten Ausgabe vom 24.07.2023 schrieben wir irrtümlicherweise, dass es sich um die erste Gemeinschaftsunterkunft in Zierenberg handeln würde. Dies ist nicht korrekt. Wie Heidrun Zeuner, Integrationslotsin der Flüchtlingshilfe in Zierenberg, klarstellt, hat es von Ende 2016 bis Anfang 2018 bereits eine Gemeinschaftsunterkunft im alten Hallenbad in Zierenberg gegeben.

Erst hieß es, Netto wolle einen Markt in Zierenberg bauen. Daraus wird nichts, aber dafür soll an derselben Stelle bald ein Rewe-Markt entstehen.

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