Unter den Top-100

Marie John aus Fulda will „Miss Germany“ werden - und mit starker Botschaft punkten

  • schließen

Das Ziel von Marie John aus Fulda ist es, dass sich Frauen mehr gegenseitig unterstützen und dass sie sich so annehmen, wie sie sind. Jetzt hat sich die 31-Jährige beim Wettbewerb von „Miss Germany“ angemeldet. Ein Widerspruch? Nur scheinbar.

Fulda - Wer an Miss-Wahlen denkt, der hat bestimmt sofort Bilder im Kopf: von Frauen mit Model-Maßen zum Beispiel, die in knapper Kleidung über Laufstege stolzieren, sich gegenseitig voller Neid verbunden sind und auf die Frage nach ihrem größten Wunsch im Leben verträumt vom „Weltfrieden“ hauchen. Auch Marie John dachte zunächst so.

Marie John aus Fulda mit starker Botschaft bei „Miss Germany“

„Mein Freund hat mich vor etwa zehn Wochen darauf aufmerksam gemacht, dass ‚Miss Germany‘ wieder Kandidatinnen sucht“, erinnert sich die 31-Jährige aus Fulda. „Und anfangs hatte ich genau diese Vorurteile im Kopf.“ Doch ihr Freund berichtete davon, dass „Miss Germany“ anders geworden sei.

Im Dezember 2020 hatte der Organisator nämlich erklärt, dass „Miss Germany“ nun kein Schönheitswettbewerb mehr sei. Man versuche vielmehr, eine Botschafterin zu finden, die Vorbild und Identifikationsfigur für eine Vielzahl von Frauen sein könne. Seither soll die Persönlichkeit der Frauen im Fokus stehen. Der Wettbewerb „Miss Germany“ ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Wettbewerb „Miss Deutschland“, der von einem anderen Ausrichter veranstaltet wird.

Ich möchte Frauen Mut machen, an sich selbst zu glauben und für sich zu kämpfen.

Marie John

Marie John beschloss, sich bei „Miss Germany“ zu bewerben. „Ich habe mich auf der Homepage des Wettbewerbs beworben und musste dort einen Fragebogen ausfüllen – zum Beispiel, was für eine Gesellschaft ich mir für die Zukunft wünsche, wie ich diese positiv verändern möchte und welche Werte mir wichtig sind“, so die 31-Jährige.

John gefiel das – denn es sind ihre Themen: „Ich möchte einen Ort erschaffen, wo Frauen ganz sie selbst sein können – nicht Mutter, nicht Schwester und so weiter. Sport gehört dazu, aber ein ganzheitlicher Ansatz ist mir wichtig.“ Sie träumt von einem Gesundheitszentrum in Fulda, in dem sich Frauen ihrem Körper, aber auch ihrer Seele zuwenden können. „Ich möchte Frauen Mut machen, an sich selbst zu glauben und für sich zu kämpfen“, betont die Fuldaerin.

Sie hat selbst erlebt, wie wichtig Bewegung für den Körper ist. Sie hatte mit Essstörungen zu kämpfen, seit sie zwölf Jahre alt war und bekam diese erst mit Mitte 20 in den Griff – dank Therapie, einem Wohnortwechsel und dem Laufen, das sie für sich entdeckte. Seit Anfang August ist Marie unter den Top-100 bei „Miss Germany“ – sie gehört damit also zu denjenigen, die es aus Sicht der Wettbewerbsorganisatoren unter die 100 besten Bewerberinnen geschafft haben.

Auf der Landesgartenschau bietet Marie John Workouts an, bei „Miss Germany“ will sie mit einer starken Botschaft punkten.

In der vergangenen Woche fand ein weiteres Online-Bewerbungsgespräch statt. „Demnächst – ich kann noch nicht sagen, wann – werde ich erfahren, ob ich es unter die Top-40 geschafft habe.“

Eines aber hat sie schon jetzt begeistert: „Ich habe noch nie so viel Zuspruch und positive Rückmeldungen von fremden Frauen bekommen wie seit der Bewerbung“, berichtet sie. So habe sie zum Beispiel das jüngste Bewerbungsgespräch für die nächste Runde nicht als Form der Prüfung empfunden, sondern als „tolles, reflektiertes Gespräch“. Auch hinterher hätten sich viele Menschen mit Zuspruch bei ihr gemeldet. Das ist wunderbar für sie – aber gleichzeitig ein bisschen surreal, wie sie berichtet.

Und wenn sie sogar den Titel holt? „Darauf hätte ich große Lust“, betont Marie John. „Denn mit dem Thema, das mir so wichtig ist, bekäme ich dann eine große Reichweite: dass Frauen an sich glauben.“ Der Wettbewerb sei eine gute Sache – gerade für Frauen wie sie, die für ihr Engagement früher belächelt worden sind.

„Diese Frauen sind vielleicht gar nicht so verkehrt – und sie können mehr erreichen, als man denkt.“ Auch auf der Landesgartenschau engagiert sich die 31-Jährige: Marie John bietet immer donnerstags Workout-Kurse an – einen morgens und einen abends.

Zuletzt nahmen schon einige Frauen aus der Region erfolgreich an der neuen „Miss Germany“-Wahl teil: Eva Simone Placzek aus der Rhön schaffte es 2023 in das Finale. Ein Jahr zuvor waren Sophie Breuer aus dem Spessart und Melanie Panier aus der Rhön dabei. 2021 gewann die frühere Tegut-Filialleiterin Anja Kallenbach bei „Miss Germany“.

Rubriklistenbild: © Laura Diegelmann; Hanna Wiehe

Kommentare