Insolvenz beantragt

Geschäftsführer schwer krank: Tischlerei-Unternehmen werk9 stellt Betrieb zum 30. September ein

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Das Tischlerei-Unternehmen werk9 hat seinen Firmensitz seit 2012 in Fulda-Galerie.
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Das Tischlerei-Unternehmen werk9 in Fulda stellt seinen Betrieb zum 30. September ein - und beantragt Insolvenz. Als Grund nennt das Unternehmen die schwere Erkrankung des Geschäftsführers. Alle 20 Mitarbeiter werden gekündigt.

Fulda - Einen Insolvenzantrag hat das 20 Mitarbeiter zählende Unternehmen für Interieur-Design mit angeschlossener Schreinerei mit Sitz in Fulda-Galerie am Dienstag beim Amtsgericht Fulda gestellt. Das bestätigt Holger Oskar Junge, Prokurist des Tischlerei-Unternehmens, und spricht gegenüber unserer Zeitung von „einer einschneidenden Situation“ und einem „massiven Zusammensturz“.

werk9 stellt Betrieb ein: Drohende Zahlungsunfähigkeit wegen Krankheit des Geschäftsführers

Als Grund, den operativen Betrieb zum 30. September einzustellen, nennt das Unternehmen die schwere Erkrankung ihres Geschäftsführers Marco Wigbert Gretsch. Der 51-Jährige hatte sich als gelernter Schreiner und Maschinenbauer 2000 mit einem Tischlerei-Betrieb selbstständig gemacht, zuerst unter dem Namen „Inspirationen aus Holz“. Vor zwei Jahren erfolgte der Namenswechsel zu werk9. Seit 2012 hatte das Unternehmen seinen Sitz in der Paul-Klee-Straße in Fulda-Galerie.

Finanzielle Engpässe hätten bei der Beantragung der Insolvenz eine untergeordnete Rolle gespielt „Unsere Auftragsbücher waren bis zum Frühjahr 2025 gefüllt“, so Prokurist Junge. Genaue Zahlen will er nicht nennen, aber der Jahresumsatz habe sich im Vergleich zu 2021 zuletzt verdreifacht. „Durch den langfristigen Ausfall des Geschäftsführers droht uns aber Zahlungsunfähigkeit, da er Kunden und Aufträge zentral koordiniert“, so Junge.

Der gesundheitliche Zustand von Marco hat uns keine andere Wahl gelassen.

Holger Oskar Junge, Prokurist bei werk9

„Der gesundheitliche Zustand von Marco hat uns daher keine andere Wahl gelassen“, bedauert Junge. Der werk9-Geschäftsführer und Obermeister der Tischlerei-Innung Fulda-Hünfeld befinde sich seit sieben Wochen in stationärer Behandlung - und das bis auf unabsehbare Zeit.

Da unklar sei, ob Gretsch überhaupt wieder ins operative Geschäft einsteigen könne und man weder einen internen Ersatz als langfristigen Geschäftsführer hat finden können noch mit anderen regionalen Schreinereien eine Vereinbarung über eine Fortführung des Betriebs - etwa im Rahmen eines Joint Ventures - habe treffen können, sei die Einstellung des Betriebes und das Insolvenzverfahren der einzige Ausweg gewesen.

Der Insolvenzantrag liegt laut Junge seit Dienstag beim Amtsgericht Fulda. Nun werde geprüft, ob ein Insolvenzverfahren genehmigt wird. Wer Insolvenzverwalter wird, werde sich ebenfalls erst in den kommenden Wochen ergeben.

Das sagt die Kreishandwerkerschaft

Gabriele Leipold, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Fulda, sagt auf Anfrage: „Marco Wigbert Gretsch war über Jahre ein toller Obermeister der Tischlerei-Innung, der für sein Schaffen viel Respekt verdient hat.“ Er habe das Innungsleben über viele Jahre geprägt. „Wir hoffen, dass er gesundheitlich wieder auf die Füße kommt.“

Das werk9 habe er mit großem Engagement geführt. „Es ist ein Unternehmen, das mit Visionen und Mut aufgebaut wurde“, so Leipold. Zum anstehenden Insolvenzverfahren wollte sich die Geschäftsführerin nicht weiter äußern.

Den Vorsitz der Tischlerei-Innung werde bis zur Neuwahl im Herbst der bisherige Stellvertreter Dirk Heimroth übernehmen.

Die 20 Werk9-Mitarbeiter, maßgeblich Schreiner, aber auch Innenarchitekten, Elektriker und kaufmännische Assistenten wurden bereits über die Insolvenz des Unternehmens informiert und erhielten Kündigungen. Vier Auszubildende werden auf andere Tischlerei-Betriebe verteilt.

„Natürlich sind alle Mitarbeiter frustriert. Wir hatten hier in den vergangenen Jahren ein tolles Team, das leidenschaftlich dafür gearbeitet hat, hochwertige Designs zu schaffen und Möbel aus Vollholz herzustellen“, so Jung. Er ergänzt: „Marco war uns stets wertschätzender und aufmerksamer Leader.“ Viele der Mitarbeiter hätten bereits Aussichten auf neue Jobs in anderen Tischlereien.

Schwerkranker Geschäftsführer hatte Unternehmen vor 25 Jahren aufgebaut

Geschäftsführer Marco Gretsch hatte das Unternehmen vor 25 Jahren aufgebaut. „Es war sein Lebenswerk. Marco war das Gesicht, das Zugpferd und der Kopf von Werk9“, erläutert Junge. Gretsch selbst leide enorm unter der Situation. Werk9-Prokurist Junge berichtet, dass Gretsch selbst und das Unternehmen in der schweren Zeit tatkräftige Unterstützung in der Schreiner-Innung und befreundeten Betrieben erfahre.

Seit 2020 habe werk9 über eine Million Euro in die Hand genommen, um die Werkhalle zu erweitern und Räumlichkeiten zu erneuern. Nun ist zum 30. September Schluss. Es sei denn, es käme doch noch eine Übernahme durch einen externen Investor zustande. Gespräche mit zwei Interessenten sollen noch im August stattfinden. „Damit würden wir dem Tod von Werk9 von der Schippe springen.“ Der Ausgang der Gespräche sei jedoch ungewiss.

Zwar stecken im Fall von werk9 keine wirtschaftlichen Gründe hinter der Insolvenz, anderen Unternehmen in Fulda geht es da allerdings anders: Bei einer Konjunkturumfrage der IHK Fulda im Oktober des vergangenen Jahres sprach etwa ein Viertel der Unternehmen von einer „schlechten Lage“. Vor allem der Fachkräftemangel und hohe Kosten machen den Unternehmen zu schaffen.

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