Landtagswahl

Hessen-Wahl: Grüne setzen auf Sieg in Frankfurt

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Siegerlächeln: Miriam Dahlke (l.) und Marcus Bocklet zogen bei der Wahl 2018 direkt für die Grünen in den Landtag ein, Mirjam Schmidt über die Liste.
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Die Grünen wollen bei der Landtagswahl in Hessen am Sonntag stärkste Kraft in Frankfurt werden. Die SPD hofft auf zumindest ein Direktmandat.

Frankfurt - Am Mittwochabend hatte es Marcus Bocklet mal wieder geschafft. „Heute im Gagern-Gymnasium meine letzte Podiumsdiskussion“, schrieb der Landtagsabgeordnete und Direktkandidat der Frankfurter Grünen in den sozialen Medien. Vorausgegangen war eine intensive Debatte, bei der es zunächst Proteste gegen die Teilnahme der AfD-Bewerberin gegeben hatte. „Keine Bühne den Faschos – Fight AfD“, stand auf einem Transparent.

Für Bocklet geht es um viel bei der Wahl am kommenden Sonntag. Zwar gilt es als sicher, dass der 59-Jährige auch dem nächsten Landtag wieder angehören wird. Über Platz acht auf der Landesliste der Grünen ist er abgesichert. Aber: Bei der Wahl 2018 hatte Bocklet den Wahlkreis 38 gewonnen. Das Gebiet umfasst die Stadtteile Bornheim, Nordend und Ostend. In den Gegenden schneiden die Grünen seit jeher gut ab. Aber 2018 holte die Partei erstmals auch das Direktmandat.

Grüne in Frankfurt erfolgreich: Siege bei Europa-, Kommunal- und Bundestagswahl

Mit der Landtagswahl vor fünf Jahren begann ein durchaus beachtlicher Siegeszug der Grünen in Frankfurt. Nicht nur Bocklet holte das Direktmandat, sondern auch Miriam Dahlke im Wahlkreis 35 (Frankfurter Nordwesten). Gerade ihr Abschneiden war eine große Überraschung. Zwar führte die damals 29-Jährige seinerzeit schon die Fraktion der Grünen im Ortsbeirat 7 an, bekannt war sie aber vor allem bei Menschen, die sich sehr für Kommunalpolitik interessieren. Doch nach einem engagiert geführten Wahlkampf landete sie vor Velljko Vuksanovic (CDU) und SPD-Urgestein Gernot Grumbach.

Vor allem aber wurden die Grünen bei den Zweitstimmen erstmals stärkste Kraft in Frankfurt. Und das nicht einmal besonders knapp. Fast 10 000 Landesstimmen lagen zwischen ihnen und der CDU. Es folgten Siege bei der Europawahl, der Kommunalwahl und der Bundestagswahl.

Landtagswahl Hessen 2023: Grüne zeigen sich zufrieden als Junior-Partner in der Landesregierung

Die Frankfurter Grünen können seit jenem Abend im Oktober 2018 extrem selbstbewusst auftreten – und das tun sie auch. So ist deutlich zu spüren, wer die Viererkoalition im Römer aus Grünen, SPD, FDP und Volt anführt. Etwa bei der Frage nach einer Waffenverbotszone im Bahnhofsviertel, die auch den Landtagswahlkampf geprägt hat. Bei einer Abstimmung ohne Fraktionszwang gäbe es im Stadtparlament eine Mehrheit für eine solche Regelung, doch die Grünen sagen in der Koalition ganz klar: Nein.

Gelingt es den Grünen, erneut stärkste Kraft zu werden? Bei der Wahlparty im Römer dürfte es nicht zuletzt um diese Frage gehen. Eine Prognose ist schwer zu treffen. Die bundesweiten Umfragen sprechen eher gegen die Partei, und bei der OB-Wahl im März landete die Grüne Manuela Rottmann nur auf dem dritten Platz. Gleichzeitig wirkt die klassische Grünen-Klientel ganz zufrieden mit der Rolle als Juniorpartner der CDU in der Landesregierung. Massenproteste gegen Bauvorhaben wie den Riederwaldtunnel blieben jedenfalls aus.

Frankfurt: Harter Kampf für SPD um Direktmandate bei Landtagswahl Hessen

Derweil sieht sich die SPD nach dem Wahlsieg von Oberbürgermeister Mike Josef im Aufwind. Für die Partei wichtig wäre ein Erfolg in einem der sechs Wahlkreise. Zuletzt schickten die Sozialdemokraten im Jahr 2008 Direktkandidat:innen nach Wiesbaden. Damals waren es gleich drei: Gernot Grumbach, Michael Paris und Andrea Ypsilanti. Nachdem Ypsilanti mit einer Regierungsbildung mit den Linken gescheitert war, gab es ein Jahr später Neuwahlen, und die SPD verlor alle Mandate wieder. Seitdem sind die Direktkandidat:innen meistens chancenlos.

Einfach wird es auch dieses Jahr nicht. Stefanie Minkley etwa macht mit dem Thema Gesundheitspolitik auf sich aufmerksam und ist nicht zuletzt durch die Fernsehdokumentation über ihre letzten Tage als Klinikärztin bekannt geworden. Doch im Wahlkreis 39 tritt sie gegen Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) an. Es gibt leichtere Gegner.

Gibt es Überraschungen bei der Landtagswahl Hessen?

Lino Leudesdorff hat es im Frankfurter Westen mit Seriensieger Uwe Serke und der bekannten Landtagsabgeordneten der Grünen, Martina Feldmayer, zu tun. Turgut Yüksel hat es in vier Versuchen nie geschafft, den Wahlkreis 36 zu gewinnen. Der Frankfurter Süden, in dem sich Katharina Stier versucht, ist auch seit langem fest in der Hand der CDU. Und für Stella Schulz-Nurtsch wird es im 38er schwer gegen besagten Marcus Bocklet.

Bleibt Jan Pasternack im Wahlkreis 35. Dessen Gegenkandidatin Tanja Jost (CDU) ist noch kaum bekannt. Pasternack wird hoffen, dass der Sieg der Grünen in dem Wahlkreis vor fünf Jahren die Ausnahme bleibt. Doch Miriam Dahlke hat schon einmal alle überrascht. (Georg Leppert)

Marcus Bocklet jedenfalls geht den Wahltag einigermaßen zuversichtlich an. Im Gagern-Gymnasium gab es nach der Podiumsdiskussion eine Abstimmung im Publikum. Bocklet siegte mit 36 Prozent knapp vor Yves Roth von der FDP. (Georg Leppert)

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