Die Stadt Hanau erwirbt die Kaufhof-Filiale für 25 Millionen Euro. Aus der Top-Immobilie am Marktplatz will die Stadt einen „multifunktionalen Frequenzbringer“ machen.
Hanau - Der klaren Ansage von Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), die Kaufhof-Immobilie in der Innenstadt zu erwerben, damit „keine Brache in 1A-Lage“ entsteht, folgten am Montag (25. September) nun die nächsten wichtigen Schritte: Der Magistrat der Stadt Hanau stimmt dem Ankauf in seiner Sitzung zu, wie die Stadt aus dem Main-Kinzig-Kreis am Dienstag (26. September) mitteilt.
Am Montagabend seien die detaillierten Untersuchungen und Pläne der Öffentlichkeit im Struktur- und Umweltausschuss vorgestellt worden. Am kommenden Montag (2. Oktober) soll die entsprechende Nachtragssatzung für den städtischen Haushalt auf den Weg gebracht. Final entscheiden werde die Stadtverordnetenversammlung am 16. Oktober.
Hanau: Stadt erwirbt Kaufhof-Immobilie - erste Nutzungsideen
„Der Kaufhof in Hanau ist nicht nur einfach ein Gebäude, sondern ein geschichtsträchtiges Symbol unserer Innenstadt. Deshalb können und werden wir nicht einfach zuschauen, was mit dem Gebäude nach der geplanten Schließung passiert“, wird Oberbürgermeister Claus Kaminsky in der Mitteilung zitiert. „Wir nehmen unsere Verantwortung für die Innenstadt wahr, kaufen die Immobilie und werden dort einen Ort schaffen, an dem sich Menschen treffen und an dem sie etwas Besonderes erleben können.“
Eine Experten-Runde um Stadtentwickler Martin Bieberle mit Fachleuten aus der Unternehmung Stadt Hanau und externen, teilweise bereits beim Stadtumbau involvierten Spezialisten bewerteten in den vergangenen Monaten die städtebaulichen Aspekte. Sinkende Frequenzen, Umsatzverluste bis hin zur Verödung von Straßenzügen als Folge von Still- und Leerstand hatte die Gruppe bei ihren Recherchen in anderen Städten festgestellt und am Montagabend vorgestellt.
Die Untersuchungen ergaben laut Mitteilung, dass sich das denkmalgeschützte Gebäude statisch in gutem Zustand befindet. Für die Zeit direkt nach dem Kauf ist eine Zwischennutzung geplant: Die Hanau Marketing GmbH (HMG) soll mit innovativen Konzepten dafür sorgen, den Leerstand zu überbrücken. „Um die Frequenz im und rund um das Gebäude zu erhalten, Magnetwirkung zu entfalten und unseren Wochenmarkt zu stärken. Wir werden auch ungewöhnlichen und neuen Ideen die Chance geben, sich auszuprobieren, für Start-ups risikoarme Konditionen ausrufen. Dabei wollen wir testen, ob die Konzepte auch langfristig in unserer Innenstadt funktionieren“, so HMG-Geschäftsführer Martin Bieberle.
Für die Obergeschosse gibt es verschiedene Optionen. Sie reichen von Räumen für Volkshochschule oder das Zentrum für Demokratie und Vielfalt, das dort Formate und Konzepte während des Umbaus am Kanaltorplatz ausprobieren könnte, bis hin zu Flächen für Sportangebote. Im dritten Obergeschoss könnte die HMG, die nach dem Abriss des „Haus des Handwerks“ am Schlossplatz neue Räume sucht, vorübergehend Büros beziehen.
Die Dachterrasse könnte als Gastronomiefläche mit Möglichkeiten für Märkte, Urban Gardening, Kino und City-Beach dienen – als Vorbild dient hier der etablierte Fronhof am Schlossplatz. „Für die Zeit rund um die Schließung planen wir Veranstaltungen, die Lust auf den ‚neuen Kaufhof‘ machen“, so Bieberle.
Umbaukosten werden auf rund 40 Millionen Euro geschätzt
Ein finales Nutzungskonzept soll unter Federführung der BAUprojekt Hanau GmbH im Laufe des Jahres 2024 erarbeitet werden. „Hierzu wird es ein strukturiertes Verfahren geben, das die Öffentlichkeit ausdrücklich mit einbezieht. Auch die mögliche Einbindung privatwirtschaftlicher Partner werden wir prüfen“, so Martin Bieberle. Nach einer geplanten Kernsanierung kann die Immobilie für viele Jahrzehnte in unterschiedlichen Formen genutzt werden.
Die Umbaukosten sind mit etwa 39,5 Millionen Euro veranschlagt. Aus dem Bundesförderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ liegt – vorbehaltlich des Ankaufs – für die Jahre 2024 und 2025 die Zusage für eine Unterstützung in Höhe von circa 1,1 Millionen Euro vor. Zudem legt das Hessische Wirtschaftsministerium für die sieben in Hessen betroffenen „Galeria-Karstadt-Kaufhof-Kommunen“ einen Sondertopf über drei Millionen auf, Hanau wird sich bewerben.
Fakten zum Kaufhof Hanau
Größe: 16.000 Quadratmeter (Bruttogeschossfläche)
Aktuelle Mietfläche: rund 12.000 Quadratmeter
Baujahr: 1957
Aktueller Eigentümer: KH Hanau S.C.S (Luxemburg)
„Die Zielsetzung ist, das Gebäude als starken Frequenzbringer für die Innenstadt zu positionieren“, so die Stadt Hanau. Es soll „in seiner Grundform multifunktional organisiert sein, um auf wechselnde Bedürfnisse angepasst werden zu können.“ Neben der Ertüchtigung der Versorgung und der energetischen Situation, sind die Neuorganisation der Erschließung, vor allem der oberen Stockwerke sowie das Integrieren von Lichthöfen erforderlich.
Die Immobilie wird zum 1. Februar 2024 durch die Stadt Hanau zu einem Kaufpreis in Höhe von 25 Millionen Euro erworben, so der Magistratsbeschluss, vorbehaltlich der Genehmigungen der nächsten Woche im Magistrat behandelten Nachtragssatzung sowie des Regierungspräsidiums Darmstadt.
Am 31. Januar 2024 schließt der Kaufhof in Hanau. „Das Datum markiert das Ende einer Tradition und den Beginn einer neuen Zeitrechnung für die Innenstadt von Hanau. Wir nehmen die Entwicklung in unsere Hand und gehen mutig voran. Wir nutzen die historische Chance“, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky. (lio)