Zu Besuch bei Mollenhauer

Krise erreicht auch das Handwerk: Umsätze und Aufträge gehen zurück

+
Matthias Joseph (von links), Berthold Mollenhauer, Thorsten Krämer und Frank Dittmar sprachen beim Blockflötenbauer über die aktuelle wirtschaftliche Lage.
  • schließen

Zu viel Bürokratie, stockende Digitalisierung und marode Infrastruktur, dafür hohe Kosten und Löhne: „Auch im Handwerk kommt die Krise an“, sagt Frank Dittmar, Präsident der Handwerkskammer Kassel (HWK).

Fulda - „Wir stehen vor herausfordernden Zeiten“, machte Dittmar während eines Besuchs beim renommierten Fuldaer Blockflötenbauer Mollenhauer klar und nannte eine ganze Reihe von Problemen, mit denen Handwerksbetriebe konfrontiert seien. Dazu gehöre beispielsweise der deutschlandweit fehlende Wohnraum und die damit einhergehende mangelnde Bautätigkeit. Hauptproblem sei nach wie vor der Mangel an Fachkräften, durch den auch Fachwissen verloren gehe: „Wir müssen mehr ausbilden und brauchen daher eine Bildungswende hin zur dualen Ausbildung.“

Handwerk in der Krise: Umsätze und Aufträge gehen zurück

In der Schule müsse mehr für Handwerksberufe sensibilisiert – und der Werkunterricht wieder eingeführt werden. Gute Erfahrungen mache das Handwerk mit Menschen mit Migrationshintergrund: „Aber die müssen wir noch schneller in Arbeit bringen.“ Die Handwerkskammer bemühe sich, junge Leute davon zu überzeugen, wie vielfältig das Handwerk ist – unter anderem mit der Teilnahme am neuen Outdoor-Event „Handwerk.Lokal.Erleben“ in der Fuldaer Innenstadt, am „Job Roulette“ des Verlags Parzeller und mehr.

Dennoch würden die Zeiten schwerer werden: „Umsätze und Aufträge gehen zurück“ sagte Dittmar. Dabei sei das Handwerk mit 5,6 Millionen Beschäftigten die „Wirtschaftsmacht von nebenan“. Daher mochte der Kammer-Präsident auch seinen Optimismus nicht verlieren, immerhin werde die Zahl der Beschäftigten nicht sinken: „Und irgendwann wird die Wirtschaft auch wieder anspringen.“

Das Handwerk hat in den vergangenen Jahrhunderten so viele Krisen gemeistert, und das schaffen wir auch diesmal.

Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer

Berthold Mollenhauer, Geschäftsführer der Conrad Mollenhauer GmbH, bestätigte Dittmars Ausführungen weitgehend. „Die wirtschaftliche Lage macht keinen Halt vor unseren Toren.“ Eigentlich habe sich das Unternehmen in diesem Jahr aufgrund neuer Modelle ein Umsatzplus versprochen, tatsächlich komme es nun anders. Nach der Corona-Zeit sei der Kauf von Holzblasinstrumenten zurückgegangen. Auch die übliche Herbstdynamik im Zuge des Weihnachtsgeschäfts bleibe seit vergangenem Jahr aus.

Sorge bereite auch ihm die Fachkräfte-Situation. In diesem Jahr seien sechs altgediente Kollegen verabschiedet worden. Positive Nachrichten gebe es aber auch: Der Azubikampus pings, ein Wohnheim für Auszubildende, sei ein gutes Angebot in der Stadt. Auch die jährliche Bildungsmesse helfe sehr. Und das Blockflöten-Projekt der Landesregierung sei ein Hoffnungsschimmer. Das 202 Jahre alte Unternehmen mit seinen 35 Mitarbeitern verkauft jährlich rund 25.000 Blockflöten weltweit – sogar bis nach Taiwan.

Übliche Herbstdynamik beim Blockflötenbauer Mollenhauer bleibt aus

Auch Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer (Autohaus Krämer) plädierte für mehr handwerkliche Bildung im Schulunterricht. Er forderte zudem bessere politische Rahmenbedingungen. Die aktuelle Situation sei von viel Unsicherheit geprägt. Krämer legte zudem den Fokus auf die Kfz-Branche: Die Kunden seien durchaus bereit, ein E-Auto zu fahren, es fehle aber an Infrastruktur: „Die Verbraucher wollen den Fortschritt, aber er muss praktikabel sein.“ Dennoch sei er „ein bisschen optimistisch“: „Das Handwerk hat in den vergangenen Jahrhunderten so viele Krisen gemeistert, und das schaffen wir auch diesmal.“

Dr. Matthias Joseph von der HWK Kassel, die auch für Osthessen zuständig ist, stellte während des Besuchs die neueste Konjunkturumfrage vor: Demnach fällt der Geschäftsklimaindex im Betrachtungszeitraum Juli bis September deutlich um 10,5 Punkte auf 99,4 Zähler. 37,3 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut und 42,7 Prozent als befriedigend. Fast jeder fünfte Beschäftigte vergab der Geschäftslage hingegen eine schlechte Note. Jeder vierte Betrieb erwartet zudem für das bevorstehende Winterquartal schlechtere Geschäfte.

Video: Neue Handwerk-Messe in Fulda begeistert

Die besten Einschätzungen kamen von Betrieben der Ausbauhandwerke, die Nachfrage im Wohnungsbau bleibt schwach. Schwierig ist die Situation bei den Kfz-Betrieben: Orderrückgänge und sinkende Auftragsbestände führen zu wenig Zuversicht. Viel Zufriedenheit gibt es hingegen in der Gesundheitsbranche.

Die Umsätze im Gesamthandwerk haben sich gegenüber dem Vorquartal negativ entwickelt: Nur 14,2 Prozent verzeichneten gestiegene Umsätze, bei 32,2 Prozent gab es Umsatzeinbußen. Trotz Rückgängen bei den Konjunkturindikatoren halten die Firmen weitgehend an ihren Beschäftigten fest.

Kommentare