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Die Veranstalter und Aussteller sind rundum zufrieden: Bei seiner Premiere hat das Event „Handwerk.Lokal.Erleben“ Tausende Menschen in die Fuldaer Innenstadt gelockt. 2025 soll es eine Neuauflage geben.
Fulda - Nach Schätzungen der Kreishandwerkerschaft sind am Wochenende rund 6500 Besucher zum neuen Outdoor-Event „Handwerk.Lokal.Erleben“ in die Innenstadt geströmt. Am Eröffnungstag am Samstag waren rund 3000 Menschen gezählt worden. Am Sonntag begeisterten vor allem der ökumenische Gottesdienst sowie das Handwerker-Frühstück mit XXL-Schwartemagen.
„Handwerk.Lokal.Erleben“ feiert Premiere - Fotostrecke von Tag zwei




„Das ist ein großartiger Einstand. Der Dank geht an alle aktiven Vorbereiter und Mitgestalter des Events. 2025 wird es anlässlich des traditionsreichen ‚Tag des Handwerks‘, der immer am dritten Samstag im September stattfindet, eine Neuauflage an gleicher Stelle geben“, zog die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Fulda, Gabriele Leipold, vor wenigen Minuten Bilanz. „Die Organisation lief wie am Schnürchen“, sprach Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer der Mediengruppe Parzeller ein dickes Lob aus.
„Handwerk.Lokal.Erleben“ in Fulda begeistert bei Premiere
Unterdessen zeigten sich auch die Aussteller hochzufrieden. „Für uns war das Erlebnis hier auf der Messe total spannend“, berichtete Patrick Wichmann, PR-Manager bei Fronius Deutschland in Neuhof-Dorfborn. „Da wir gemeinsam mit unserem Installationspartner Elektro Burkhardt vor Ort sind, konnten wir unser geballtes Know-how im Bereich der Wechselrichtertechnologie einem breiten Publikum präsentieren. Unsere Produkte richten sich nicht direkt an Endkunden, sondern ihren Weg über Installateure finden.“
Wichmann weiter: „Wir wussten nicht genau, was uns erwartet, aber der Zulauf an interessierten Besuchern war enorm.“ Es habe eine erstaunliche Anzahl an Laufkundschaft gegeben, die zufällig am Fronius-Stand vorbeigekommen sei. „Viele davon berichteten uns von ihren positiven Erfahrungen mit unseren Lösungen.“ Besonders freute sich Wichmann über das Interesse an Photovoltaikanlagen und E-Mobilität: „Man merkt, dass sich die Leute zunehmend mit diesen Themen auseinandersetzen.“
„Handwerk.Lokal.Erleben“ feiert Premiere - Fotostrecke vom Eröffnungstag




„Die Auftragsbücher sind auch in der gegenwärtigen Marktsituation gut gefüllt, besonders in den Bereichen erneuerbare Energien, Photovoltaik und der Anschluss von Wärmepumpen“, verriet Johannes Burkart, Geschäftsführer des renommierten Unternehmens Elektro Burkart und Obermeister der Elektro-Innung. „In einer Zeit, in der der Wohnungsbau unter Druck steht und die Nachfrage nach Handwerksdienstleistungen schwächelt, zeichnet sich das Elektrohandwerk durch Stabilität und Wachstum aus“, fügte er an.
Die Aufgabe, junge Talente zu formen, sieht Burkart nicht nur als Verpflichtung, sondern auch als Chance zur Weiterentwicklung des gesamten Handwerks. „Es macht Spaß, mit den Kollegen im Verband zusammenzuarbeiten und die nächste Generation optimal auf die Herausforderungen der Branche vorzubereiten.“
Burkart weiter: „Es ist unerlässlich, dass wir nicht nur theoretisches Wissen vermitteln, sondern auch praktische Fähigkeiten und Problemlösungsstrategien.“ Die Anforderungen seien hoch – von der Fehlersuche bis hin zu komplexen Installationen wie dem Anschluss von Photovoltaikanlagen, Ladepunkten für Elektrofahrzeuge und dem dazugehörigen Energiemanagementsystem. „Das alles erfordert eine breite Ausbildung und eine kontinuierliche Fortbildung der Mitarbeiter.“
Ich denke, dass diese Veranstaltung in Zukunft eine sehr gute Plattform für Handwerksbetriebe in der Innenstadt sein wird.
Für all die genannten Themen betonte Burkart, sei eine umfassende Unterstützung der Betriebe durch den Verband wichtig, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks zu sichern und zu stärken.
Die Nachwuchsförderung liegt auch dem Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Fulda-Hünfeld, Thorsten Lins, am Herzen. Auf die Frage, wie es um die Motivation der jungen Generation bestellt sei, antwortet Lins mit einem Augenzwinkern: „Großartiges Talent muss man nicht unbedingt mitbringen, aber man sollte auch keine zwei linken Hände haben und kreativ sein.“ Besonders schätzen er und seine Kollegen die sichtbaren Ergebnisse ihrer Arbeit: „Das Schöne im Handwerk ist, dass man am Ende des Tages sieht, was man geleistet hat. Es ist immer sehr befriedigend, abends auf ein fertiges Projekt blicken zu können.“ Das neue Veranstaltungsformat „Handwerk.Lokal.Erleben“ fand bei Lins ebenfalls große Anerkennung. „Der Zuspruch war hervorragend. Ich denke, dass diese Veranstaltung in Zukunft eine sehr gute Plattform für Handwerksbetriebe in der Innenstadt sein wird.“
Sichtlich zufrieden mit dem großen Interesse der Besucher war auch Dipl.-Ing. (FH) Rouven Wetzel, Bauleiter des Unternehmens Baumgarten. Besonderen Anklang fanden die kreativen Werkzeugkisten, die eigens für die Veranstaltung hergestellt und gespendet wurden. „Diese Basteleien kommen besonders bei Kindern gut an, weil sie spielerisch an das Thema Holzverarbeitung und Handwerk herangeführt werden“, erklärte Wetzel.
Die Initiative ziele darauf ab, junge Nachwuchshandwerker zu fördern und das Interesse für handwerkliche Tätigkeiten zu wecken. Doch das eigentliche Highlight des Standes war das innovative Modulbau-System, das die Firma Baumgarten vorstellte. „Diese Bauweise erfreut sich immer größerer Beliebtheit und bietet zahlreiche Vorteile: Der größte Vorteil ist, dass wir diese Module in unserer Produktionshalle in Weyers vorfertigen können.“ Wetzel betont, dass diese Methode immer mehr Anklang findet: „Wir gehen immer mehr dazu über, Module zu bauen, die dann vor Ort zusammengefügt werden. Dies erlaubt uns eine besonders effiziente und schnelle Bauweise.“
Inmitten der farbenfrohen Kulisse des Outdoor-Innenstadt-Events präsentierte sich auch die Innung des Kraftfahrzeuggewerbes mit einem eindrucksvollen Stand. Unter strahlendem Himmel und bei bestem Wetter sah Martin Deuter, Kfz-Mechanikermeister und Inhaber einer Werkstatt in Großenlüder-Bimbach, in der Veranstaltung viel Potenzial. „Für uns ist das die beste Gelegenheit, uns hier in der Innenstadt zu zeigen und gleichzeitig das Handwerk und den Nachwuchs zu fördern“, erklärte der 54-jährige Unternehmer. Obwohl das Interesse an Kfz-Berufen traditionell hoch ist, sieht Deuter auch Herausforderungen. „Es gibt immer weniger Schulabgänger, und trotz einer hohen Zahl an Azubis – etwa 70 Prüfungen wurden kürzlich abgenommen – bleibt der Fachkräftemangel ein Thema“, erklärte er. Besonders erfreulich sei jedoch der wachsende Anteil von Frauen in der Branche. „Immer mehr Mädchen entscheiden sich für eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin“, so Deuter weiter.
Aussteller freuen sich über Interesse der Besucher
Als Botschafter für sein Handwerk bekam Deuter direkten Einblick in die Fragen und Interessen der Besucher. „Die meisten Gäste interessierten sich für Themen rund um Elektroautos und die neuesten Technologien“, berichtete er. Dies sei ein Zeichen dafür, wie stark Technik und Umweltthemen im Vordergrund stehen. Dennoch sieht Deuter Optimierungsbedarf: „Bei zukünftigen Veranstaltungen möchten wir den Beruf noch stärker hervorheben und vielleicht technische Tester und Demonstrationen anbieten, um das praktische Interesse zu wecken.“
Stefan Gensler, Obermeister der Karosserie- und Fahrzeugbauer, erzählte mit Stolz und Begeisterung über die Entwicklungen und die Dynamik seines Handwerks. Bei der Veranstaltung in Fulda wurde nicht nur das handwerkliche Können demonstriert, sondern auch die Zukunftsperspektiven des Berufsstandes beleuchtet.
„Seit 23 Jahren bin ich bei Edag Engineering tätig und leite dort die Abteilung für Versuchs- und Fahrzeugbau. Unsere Präsenz hier zeigt, wie wichtig uns die Förderung des Berufsnachwuchses ist“, so Gensler, der mit Freude auf die Einführung neuer Ausbildungsberufe hinweist. Besonders stolz ist er auf die steigende Beteiligung von Frauen in einem traditionell männerdominierten Handwerk. „Es ist faszinierend zu sehen, wie sich das Handwerk entwickelt hat und wie wir nach wie vor Innovation und Tradition vereinen“, veranschaulichte Gensler.
Der Stand der Dachdeckerinnung lockte nicht nur Fachpublikum, sondern auch zahlreiche Neugierige an. Obermeister Jürgen Bug und seine Tochter, Dachdeckermeisterin Rebecca Brandenstein, gewährten eindrucksvolle Einblicke in ein Handwerk, das traditionelles Können mit moderner Technik verbindet. „Ja, auf jeden Fall“, bestätigt Jürgen Bug, als er gefragt wird, ob es einen interaktiven Dialog mit den Besuchern gebe. „Wir haben Schieferherzen gemacht, Rosen aus Kupferblech gefertigt und das Publikum zum Mitmachen eingeladen.“ Für technikaffine Besucher gab es zudem die Möglichkeit, mit einer Virtual-Reality-Brille Baustellen hautnah zu erleben und virtuell bis zum Dachfirst zu steigen. „Da kann man sehen, wie es ist, aufs Dach zu steigen und bekommt gleichzeitig Informationen über das Dachdeckerhandwerk“, erklärt Bug begeistert.
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