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Die Spiekershäuserin Esrah Katharina Schneider ist Hebamme in einem Geburtshaus. Sie erzählt von ihren Aufgaben und den verschiedenen Möglichkeiten der Geburt.
Hann. Münden – Hebammen sind die Fachfrauen für Schwangerschaften, Geburten und die Zeit nach der Entbindung. Die 32-jährige Esrah Katharina Schneider ist seit sechs Jahren im Beruf der Hebamme tätig und arbeitet im Geburtshaus im Heilhaus in Kassel. Etwa zehn Paare begleitet sie im Jahr vor, während und nach der Geburt.
„Wir Hebammen sind die Fachfrauen für gesunde, normale Schwangerschaft“, sagt die Spiekershäuserin. Ärzte unterstützen dann Schwangerschaften, wo zum Beispiel Komplikationen auftreten.
„Hebammen-Arbeit ist ein Handwerk“
Eine Hebamme stehe Frauen ab einem positiven Schwangerschaftstest zur Seite, erklärt Schneider. Gerade beim ersten Kind empfinden Frauen es als hilfreich, wenn eine Hebamme ansprechbereit ist. Doch es gebe auch vereinzelt Frauen, die erst auf eine Hebamme verzichten, dann jedoch kurz vor der Geburt mit Sorgen anrufen.
Es gebe aber lange nicht genug Hebammen, um alle Schwangeren zu begleiten, betont Schneider. Bei jeder Geburt, ob im Krankenhaus oder außerklinisch, muss eine Hebamme anwesend sein, erklärt sie. Ein Arzt müsse jedoch nicht zwingend zur Seite stehen.
„Die Hebammen-Arbeit ist ein Handwerk“, sagt Schneider. Denn neben Vorsorgeuntersuchungen wie Zuckertestes, Messen von Blutdruck und einer Beratung zu gesunder Ernährung und Sport, ertasten Hebammen das Wachstum von Gebärmutter und Kind – mit der Hand, nicht via Ultraschall. Der Vorteil einer Hebamme: „Wir haben mehr Zeit als Gynäkologen“, sagt Schneider. „Wir bereiten uns gemeinsam mit dem Paar auf die anstehende Geburt vor.“
Verschiedene Sicherheitsfaktoren für Geburten in Klinik oder außerklinisch
Dass es nicht genügend Hebammen gibt, liege wahrscheinlich an der schlechten Bezahlung und der damit gepaarten „unglaublich hohen Verantwortung“, vermutet Schneider. „Du musst dauerhaft abrufbereit sein. Egal ob tagsüber oder nachts, egal ob unter der Woche oder am Wochenende“. Die meisten Hebammen seien nur etwa fünf Jahre im Beruf.
Babys können in der Klinik, Zuhause oder im Geburtshaus geboren werden. Sowohl die Geburten im Krankenhaus als auch außerklinische Geburten bieten in Deutschland sehr hohe Standards und sichere Geburtsmöglichkeiten. Aber es gebe unterschiedliche Sicherheitsfaktoren. Der Vorteil einer außerklinischen Geburt ist, dass Frauen die Hebammen schon kennen. „Sie kennen deine Stärken und auch deine Schwächen und können dich so optimal unterstützen“, erklärt die 32-Jährige.
Außerdem: „Die Hebamme, die dich betreut, betreut nur dich. Nicht, wie im Krankenhaus, wo manchmal mehrere Frauen gleichzeitig entbinden“. Viele mögen den Schutzraum des Geburtshauses, gerade bei zweiten und dritten Kindern, genießen Frauen die Geburt aber auch gerne Zuhause. Dafür ist im Krankenhaus die technische Überwachung ein Vorteil, zum Beispiel die stetige Herzton-Überwachung oder auch, dass der Kaiserschnitt-OP direkt vor Ort ist. Jede Frau fühle sich in einer anderen Umgebung sicher.
Hebammen-Beruf hat nicht an Wichtigkeit verloren
Im Geburtshaus in Kassel arbeitet Schneider gemeinsam mit zwei Kolleginnen. Sie können nur ungefähr die Hälfte aller Anfragen betreuen, erzählt sie. Die Frauen kommen aus dem gesamten Umkreis. Aus Felsberg, Hann. Münden bis hin zu Bad Soden-Allendorf. Auch alle Altersklassen und soziale Schichten seien vertreten.
„Der Beruf hat in den vergangenen Jahren definitiv nicht an Wichtigkeit verloren“, sagt Schneider. Kinder wollen immer geboren werden. Mittlerweile ist ein Studium Pflicht, um Hebamme zu werden. „Wir hoffen, dass der Beruf der Hebamme dadurch aufgewertet wird“. Heute sei es vor allem wichtig, Frauen zu „beruhigen und Fehlinformationen wettzumachen“, die beispielsweise durch eine Suchanfrage im Internet entstehen.
„Es ist toll, dass ich in begleitender Funktion Frauen helfen kann, in die eigene Kraft zu kommen – die Familie in ihrer Entwicklung zu begleiten. Ich habe unsichere Schwangere über eine selbstbewusste Gebärende bis hin zu einer guten Mutter begleitet.“
Drei Fragen an Esrah Katharina Schneider
Esrah Katharina Schneider war nach ihrer Ausbildung als Hebamme erst im Klinikum in Kassel tätig, nun ist sie selbstständig und arbeitet in einem Kasseler Geburtshaus. Der Beruf der Hebamme ist für sie ein Herzensthema.
Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?
„Meinen ersten Sohn habe ich mit 22 Jahren geboren. Da habe ich am eigenen Leib erfahren, wie großartig es ist, begleitet zu werden“. Dabei sei der Berufswunsch entstanden. Neben ihrer „normalen“ Ausbildung müssen Hebammen auch Pflichtstunden an Fortbildungen vorweisen. Schneider selbst, hat beispielsweise Weiterbildungen im Bereich des Kinesiotaping, Akutaping und Schüßler Salze gemacht.
Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit?
„Ich wünsche mir, dass Gynäkologen gemeinsam mit den Hebammen noch enger und vertrauensvoller arbeiten. Sie ergänzen sich super, wegen den unterschiedlichen Blickwinkeln.“
Was war Ihr schönstes Erlebnis?
„Ich liebe die Arbeit im Geburtshaus. Aber mein schönstes Erlebnis war, dass ich meine Schwester bei ihren Geburten begleiten durfte. Ich habe meine Nichte und meinen Neffen auf die Welt begleitet.“
(Kira Müller)
