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Vor dem Auftakt der Euro 2024 zeigen sich in Frankfurt etwas überraschend vor allem schottische Fans. Auftakt in der Fan-Zone am Nachmittag verhalten, aber Alex Meier trifft.
Frankfurt – Auf dem Frankfurter Römerberg reiben sich am Freitagnachmittag einige Menschen verwundert die Augen. Der Außenbereich der Alten Limpurg ist fest in der Hand schottischer Fans. Ein Ehepaar, das gerade aus dem Trausaal des Römers kommt, posiert für einen schottischen Fan im Kilt und ein findiger Souvenirhändler auf der Ostzeile hat seinen Laden mit einer schottischen Flagge geschmückt. Wo kommen nur all die Schottinnen und Schotten her?
Die Briten von der Insel sollten am Freitagabend das Eröffnungsspiel des Turniers gegen die deutsche Mannschaft bestreiten. In München wohlgemerkt. Doch viele schottische Fans haben keine Tickets für das Spiel ergattert und sich daher die Anreise in den Süden gespart und feiern lieber im zentraler gelegenen Frankfurt. „Es ist zu teuer“, sagt Mark aus Glasgow, der sich mit seinen drei Mitstreitern das deutsche Bier auf dem Römerberg schmecken lässt.
Schotten auf EM-Besuch: „Unsere Homebase ist Frankfurt“
Mark und seine Freunde bleiben für eine Woche in Frankfurt und sind in einem Hostel im Ostend untergebracht. „Dort ist auch alles voller schottischer Fans“, sagt Marks Kumpel Aaron. Für das Spiel Belgien gegen Slowakei am Montag in Frankfurt haben sie Tickets und auch für Italien gegen Albanien in Dortmund. „Aber unsere Homebase ist Frankfurt“, stellt Mark klar.
Abgesehen von den schottischen Fans ist am Freitagnachmittag noch nicht so richtig viel EM-Stimmung in Frankfurt auszumachen. Zumindest nicht in der Innenstadt. Selbst die Fan-Botschaft an der Hauptwache, eine Anlaufstelle für alle, die Hilfe oder Informationen brauchen, öffnet aus unbekannten Gründen erst am Samstag. Auf dem Liebfrauenberg haben zwei Blumenverkäufer Deutschland-Trikots an, aber ansonsten scheint sich die Vorfreude auf das Eröffnungsspiel in Grenzen zu halten.
Euro 2024 in Frankfurt
Floating Pitch als Prunkstück der Fanzone
Auch in der Fanzone am nördlichen Mainufer ist noch nicht allzu viel los. Vor dem Stand eines Lebensmittel-Discounters hat sich aber schon eine kleine Schlange gebildet. „Kick and win“, wirbt das Unternehmen für seine Aktion, bei der Tickets für das EM-Finale verlost werden. Dafür muss ein Ball über Umwege in ein Tor geflippert werden. Wer es nicht schafft, erhält immerhin einen kleinen Obstsalat als „Vitaminkick“. Tatsächlich ist überall dort was los, wo die Fans selbst gegen den Ball treten können. Bei der bestens bekannten Schussgeschwindigkeitsmessung, bei einem Elfmeterschießen, wo es eine schier unbezwingbare Torwart-Maschine zu überwinden gilt, oder auf den Soccer Courts der Fanzone.
Das Prunkstück unter den Rasenflächen ist der sogenannte Floating Pitch. Ein Spielfeld mit Tribüne, das auf dem Main schwimmt. Auch dort darf auf samtweichem Rasen einfach gegen den Ball getreten werden, es sei denn, er ist von einer Gruppe reserviert. Die Nachfrage sei groß, versichert Organisator Christian Sollich: „Die ersten zwei Wochen sind so gut wie dicht.“ Vor allem bei Jugendmannschaften steht das schwimmende Spielfeld hoch im Kurs, wann kann man schon mal auf dem Main kicken? Bis aus dem unterfränkischen Diebach reisen die Jugendmannschaften an. „Die Mannschaft verbringt dann einen ganzen Tag in der Fanzone“, so Sollich. Noch können Gruppen den Platz stundenweise buchen. „Aber es spricht sich jetzt rum“, mahnt Sollich zur Eile.
Alex Meier eröffnet Fanzone mit Prominenten und Journalisten
Für ein Einlagespiel am Freitag war aber noch Zeit. Die perfide Idee der ausrichtenden Tourismus- und Congress GmbH (TCF). Die Journalisten mal richtig vorführen. Im einen Team traten ehemalige Eintracht-Helden wie Alex Meier und Erwin Skela an, im anderen, nun ja, Journalisten. Das Endergebnis ist zum Glück nicht überliefert, aber nicht ganz überraschend schoss ein gewisser Alex Meier das 1:0.
Während das lustige Einlagespiel schon zahlreiche Kiebitze anlockte, herrschte an den Ständen für Essen und Getränke noch gähnende Leere. Hier und da ein paar Schotten, die ihr Bier trinken, ansonsten muss abgewartet werden. TCF-Geschäftsführer Thomas Feda ist sich auch nicht ganz sicher, wie das Angebot angenommen wird. Die Erfahrungen vom Museumsuferfest am Mainufer ließen sich kaum übertragen. „In den drei Tagen im August ist immer was los, aber wer kommt bei schlechtem Wetter in die Fanzone?“, fragt sich Feda. Zum Glück sind reichlich Fans aus Schottland in Frankfurt, denen dürfte das Wetter egal sein. (Oliver Teutsch)
In München nehmen tausende Schotten die Innenstadt ein.
Rubriklistenbild: © Renate Hoyer


