Sieben Euro für ein Bier in der Fanzone Frankfurt – Standbetreiber liefert Kleingeld-Begründung
VonOliver Teutsch
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Am ersten Tag auf der EM-Fanmeile sind auch die hohen Getränkepreise ein großes Thema. Von UEFA und Sponsoren gibt es eine Auflagenflut.
Frankfurt – Die Fußball-Europameisterschaft hat noch nicht angefangen, da wird schon genörgelt. Bereits am Donnerstagabend waren die hohen Preise in der Fanzone für Essen und Trinken ein Thema in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung. Michael Müller (Linke) sagte, er erwarte fanfreundliche Preise. Nico Wehnemann von der Satirepartei „Die Partei“ rechnete vor, mit einem durchschnittlichen Einkommen lasse sich nur ein Bier pro Tag bezahlen: „Das ist während der EM unrealistisch.“
Sieben Euro für einen halben Liter Apfelwein – „Die Preisgestaltung ist frei“
Ein Ortsbesuch der FR offenbart: Tatsächlich werden bis zu sieben Euro für einen halben Liter Bier verlangt. Auch ein Stand, der vor allem Wein aus dem Rheingau anpreist, verlangt sieben Euro für einen halben Liter Apfelwein. Anders als teilweise kolportiert, legt nicht die UEFA oder die Tourismus- und Congress GmbH (TCF) die Preise fest, wie TCF-Geschäftsführer Thomas Feda versichert: „Die Preisgestaltung ist frei.“
Standbetreiber Michael Hess, der sieben Euro für den halben Liter Apfelwein verlangt, führt pragmatische Gründe für seine Preisgestaltung an: „Mit den drei Euro Pfand für den Becher macht das zehn Euro, dann gibt es nicht so viel Kleingeld.“ Wer durstig in die Fanzone kommt, kann das Kleingeld also zu Hause lassen.
Strikte Vorgaben von der UEFA – „Hier ist alles durchgestylt“
Feda nimmt die Gastronomie in der Fanmeile ein Stück weit in Schutz. Immerhin werde für einen mittelgroßen Stand schon eine Gebühr in fünfstelliger Höhe fällig, was aber „marktgerecht“ sei. Zudem sei die Organisation für die Standbetreiber:innen auch nicht ganz einfach. Denn die UEFA mache strikte Vorgaben bis hin zur genauen Standgröße und den Farben der Preisschilder. „Hier ist alles durchgestylt“, zeigte sich Marketing-Fachmann Feda begeistert.
Alle EM-Trikots des DFB seit 1972 in der Übersicht
Standbetreiber Hess hingegen findet, was die Auflagen der UEFA betrifft, „alles ein bisschen übertrieben“. Das ginge so weit, dass er seinen Aperol Spritz nicht als Aperol Spritz anpreisen dürfe, weil Aperol kein offizieller Sponsor der UEFA ist. Auf den überall in der Fanzone einheitlichen grünen Preisschildern, die von der UEFA erst am Freitagmorgen angeliefert worden seien, habe dann aber doch „Aperol Spritz“ draufgestanden, sagt Hess und schüttelt den Kopf. „Alles etwas unglücklich.“
Den Gästen der Fanzone bleiben solche Feinheiten verborgen, es dürfte ihnen aber auch egal sein. Wichtiger sind die Preise für Getränke und die sind recht hoch. Immerhin verkauft Hess an seinem Stand ein 0,2er-Glas Weißwein aus dem Rheingau für sechs Euro. Da kann man nicht nörgeln. (Oliver Teutsch)