„Die Preisgestaltung ist frei“

Sieben Euro für ein Bier in der Fanzone Frankfurt – Standbetreiber liefert Kleingeld-Begründung

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Am ersten Tag auf der EM-Fanmeile sind auch die hohen Getränkepreise ein großes Thema. Von UEFA und Sponsoren gibt es eine Auflagenflut.

Frankfurt – Die Fußball-Europameisterschaft hat noch nicht angefangen, da wird schon genörgelt. Bereits am Donnerstagabend waren die hohen Preise in der Fanzone für Essen und Trinken ein Thema in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung. Michael Müller (Linke) sagte, er erwarte fanfreundliche Preise. Nico Wehnemann von der Satirepartei „Die Partei“ rechnete vor, mit einem durchschnittlichen Einkommen lasse sich nur ein Bier pro Tag bezahlen: „Das ist während der EM unrealistisch.“

Hohe Getränkepreise verlocken nicht zur Einkehr.

Sieben Euro für einen halben Liter Apfelwein – „Die Preisgestaltung ist frei“

Ein Ortsbesuch der FR offenbart: Tatsächlich werden bis zu sieben Euro für einen halben Liter Bier verlangt. Auch ein Stand, der vor allem Wein aus dem Rheingau anpreist, verlangt sieben Euro für einen halben Liter Apfelwein. Anders als teilweise kolportiert, legt nicht die UEFA oder die Tourismus- und Congress GmbH (TCF) die Preise fest, wie TCF-Geschäftsführer Thomas Feda versichert: „Die Preisgestaltung ist frei.“

EM in Frankfurt

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Standbetreiber Michael Hess, der sieben Euro für den halben Liter Apfelwein verlangt, führt pragmatische Gründe für seine Preisgestaltung an: „Mit den drei Euro Pfand für den Becher macht das zehn Euro, dann gibt es nicht so viel Kleingeld.“ Wer durstig in die Fanzone kommt, kann das Kleingeld also zu Hause lassen.

Strikte Vorgaben von der UEFA – „Hier ist alles durchgestylt“

Feda nimmt die Gastronomie in der Fanmeile ein Stück weit in Schutz. Immerhin werde für einen mittelgroßen Stand schon eine Gebühr in fünfstelliger Höhe fällig, was aber „marktgerecht“ sei. Zudem sei die Organisation für die Standbetreiber:innen auch nicht ganz einfach. Denn die UEFA mache strikte Vorgaben bis hin zur genauen Standgröße und den Farben der Preisschilder. „Hier ist alles durchgestylt“, zeigte sich Marketing-Fachmann Feda begeistert.

Alle EM-Trikots des DFB seit 1972 in der Übersicht

Gerd Müller erzielte im klassischen Schwarz und Weiß gehalten im Finale der EM 1972 in Belgien einen Doppelpack – die BR Deutschland gewann mit 3:0 gegen die Sowjetunion. Uli Hoeneß trägt hier das Auswärtsdress, grün mit weißem Kragen, weißer Hose und grünen Stutzen.
Gerd Müller erzielte im klassischen Schwarz und Weiß im Finale der EM 1972 in Belgien einen Doppelpack – die BR Deutschland gewann mit 3:0 gegen die Sowjetunion. Uli Hoeneß trägt hier das Auswärtsdress, grün mit weißem Kragen, weißer Hose und grünen Stutzen. © Bildmontage IMAGO / Colorsport + IMAGO / Colorsport
Die EM 1976 im ehemaligen Jugoslawien hatte die DFB-Stars wieder im schlichten Schwarz-Weiß empfangen. Gegen die Tschechoslowakei verlor man im Final-Elfmeterschießen 3:5.
Die EM 1976 im ehemaligen Jugoslawien hatte die DFB-Stars wieder im schlichten Weiß-Schwarz empfangen. Gegen die Tschechoslowakei verlor man im Final-Elfmeterschießen 3:5. © imago sportfotodienst
Farblich blieben die Akzente weiterhin aus: Bei der EM 1980 in Italien sorgte aber immerhin der Kragen für Aufsehen. Sportliches Resümee: Europameister.
Farblich blieben die Akzente weiterhin aus: Bei der EM 1980 in Italien sorgte aber immerhin der Kragen für Aufsehen. Sportliches Resümee: Europameister. © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Jetzt aber: Auf dem DFB-Trikot zeichneten sich leichte Querstreifen ab, die modische Revolution hat begonnen. Tatort: EM 1984 in Frankreich.
Jetzt aber: Auf dem DFB-Trikot zeichneten sich leichte Querstreifen ab, die modische Revolution hat begonnen. Tatort: EM 1984 in Frankreich. Sportlich lief es überhaupt nicht, Aus bereits in der Gruppenphase. © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Deutschland erstrahlte bei der EM 1988 im eigenen Land erstmals in Schwarz-Rot-Gold. Aus im Halbfinale gegen die Niederlande.
Deutschland erstrahlte bei der EM 1988 im eigenen Land erstmals in Schwarz-Rot-Gold. Brachte fast den ganz großen Erfolg, Aus im Halbfinale gegen die Niederlande. © imago sportfotodienst
EM 1992 in Schweden: Schwarz-Rot-Gold auf den Schultern und ansatzweise im Kragen. Finalniederlage gegen Dänemark.
EM 1992 in Schweden: Schwarz-Rot-Gold auf den Schultern und ansatzweise im Kragen. Finalniederlage gegen Dänemark. © IMAGO/Pressefoto Rudel/Herbert Rudel
Mehmet Scholl und Co. trugen bei der EM 1996 in England wieder eher schlicht, aber mit landesfarblichem Touch am Ärmelende sowie im Kragen. Finalsieg über Tschechien durch Golden Goal.
Mehmet Scholl und Co. trugen bei der EM 1996 in England wieder eher schlicht, aber mit landesfarblichem Touch am Ärmelende sowie im Kragen. Finalsieg über Tschechien durch Golden Goal. © Laci Perenyi via www.imago-images.de
Aus bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlagen als Letzter der Gruppenphase – und auch die Trikots waren eher weniger der Hingucker. Das Heimtrikot war schlicht gehalten, auswärts lief das DFB-Team wieder mal in Grün auf.
Aus bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlagen als Letzter der Gruppenphase. Das Heimtrikot war schlicht gehalten, auswärts lief das DFB-Team wieder mal in Grün auf. © Bildmontage Rolf Kosecki/Imago + IMAGO / Horstmüller
Sportlich glich auch die EM 2004 in Portugal einem Horrorszenario – Aus in der Gruppenphase zum zweiten Mal in Folge. Das Auswärtsgrün wich einem Auswärtsschwarz, das Heimtrikot war dem zur vorherigen Europameisterschaft ziemlich ähnlich.
Sportlich glich auch die EM 2004 in Portugal einem Horrorszenario – Aus in der Gruppenphase zum zweiten Mal in Folge. Das Auswärtsgrün wich einem Auswärtsschwarz, das Heimtrikot war dem der vorherigen Europameisterschaft ziemlich ähnlich. © Bildmontage IMAGO / Camera 4 + IMAGO / Pixsell
Schwarz-Rot-Gold war in Österreich und der Schweiz bei der EM 2008 wieder mitten auf der Brust zu sehen – erst dick in Schwarz, dann in Rot und Gold schmal darunter. Beim Auswärtstrikot setzte der DFB auf ein ungewohnt schrilles Rot, garniert mit einem schwarzen Balken in der Mitte. Finalniederlage gegen Spanien.
Schwarz-Rot-Gold war in Österreich und der Schweiz bei der EM 2008 wieder mitten auf der Brust zu sehen – erst dick in Schwarz, dann in Rot und Gold schmal darunter. Beim Auswärtstrikot setzte der DFB auf ein ungewohnt schrilles Rot, garniert mit einem schwarzen Balken in der Mitte. Finalniederlage gegen Spanien. © Bildmontage IMAGO / Bernd König + IMAGO / Sven Simon
Polen und die Ukraine waren Gastgeber der EM 2012, bei der die DFB-Elf wieder auf eher schlichte Trikots setzte. Das Heimjersey war fast komplett in Weiß gehalten, hatte dazu leichte schwarze Streifen. Auswärts war ein knalliges Grün ziemlich auffällig. Fast wie die Leistungen: Halbfinalniederlage gegen Italien.
Polen und die Ukraine waren Gastgeber der EM 2012, bei der die DFB-Elf wieder auf eher schlichte Trikots setzte. Das Heimjersey war fast komplett in Weiß gehalten, hatte dazu leichte schwarze Streifen. Auswärts war ein knalliges Grün ziemlich auffällig. Fast wie die Leistungen: Halbfinalniederlage gegen Italien. © Bildmontage IMAGO / Sportimage + IMAGO / DeFodi
Der zwei Jahre zuvor geholte WM-Pokal zierte beim Heimtrikot die deutsche Brust, das Auswärtsleibchen wurde bei der EM 2016 in Frankreich in Grau und Grün gehalten. Grau für die Hinterhöfe und Bolzplätze, Grün für die Rasenplätze der Vereinsmannschaften. Wieder Niederlage im Halbfinale, diesmal gegen Frankreich.
Der zwei Jahre zuvor geholte WM-Pokal zierte beim Heimtrikot die deutsche Brust, das Auswärtsleibchen wurde bei der EM 2016 in Frankreich in Grau und Grün gehalten. Grau für die Hinterhöfe und Bolzplätze, Grün für die Rasenplätze der Vereinsmannschaften. Wieder Niederlage im Halbfinale, diesmal gegen Frankreich. © Bildmontage IMAGO / Fotostand + IMAGO / Fotoarena
Das Grün im Auswärtstrikot wich bei der kontinental ausgetragenen EM 2021 wieder dem schwarzen Grund. Ansonsten spielte das DFB-Team in Weiß mit länglichen schwarzen Streifen. Die Ära Jogi Löw endete, Deutschland schied im Achtelfinale gegen England aus.
Das Grün im Auswärtstrikot wich bei der kontinental ausgetragenen EM 2021 wieder dem schwarzen Grund. Ansonsten spielte das DFB-Team in Weiß mit länglichen schwarzen Streifen. Die Ära Jogi Löw endete, Deutschland schied im Achtelfinale gegen England aus. © Bildmontage IMAGO / Sven Simon + IMAGO / ULMER Pressebildagentur

Standbetreiber Hess hingegen findet, was die Auflagen der UEFA betrifft, „alles ein bisschen übertrieben“. Das ginge so weit, dass er seinen Aperol Spritz nicht als Aperol Spritz anpreisen dürfe, weil Aperol kein offizieller Sponsor der UEFA ist. Auf den überall in der Fanzone einheitlichen grünen Preisschildern, die von der UEFA erst am Freitagmorgen angeliefert worden seien, habe dann aber doch „Aperol Spritz“ draufgestanden, sagt Hess und schüttelt den Kopf. „Alles etwas unglücklich.“

Den Gästen der Fanzone bleiben solche Feinheiten verborgen, es dürfte ihnen aber auch egal sein. Wichtiger sind die Preise für Getränke und die sind recht hoch. Immerhin verkauft Hess an seinem Stand ein 0,2er-Glas Weißwein aus dem Rheingau für sechs Euro. Da kann man nicht nörgeln. (Oliver Teutsch)

Nicht nur die Getränkepreise, auch die Hotelpreise explodieren für den Zeitraum der Euro 2024 in Frankfurt.

Rubriklistenbild: © Renate Hoyer

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