Gedenken Pogromnacht

In Herleshausen wird am 9. November an die Reichspogromnacht erinnert

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Ein trostloses Bild der Verwüstung: Die Eschweger Synagoge liegt nach den schrecklichen Ereignissen der Reichspogromnacht 1938 in Trümmern.
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Die Mitglieder des Arbeitskreises „Stolpersteine“ im Werratalverein, Zweigverein Südringgau-Herleshausen, und das Lehrerkollegium der Südringgauschule laden zu einer Gedenkveranstaltung ein.

Herleshausen – Am 9. November 1938 brannten die Synagogen. Sie wurden in Eschwege und Herleshausen genauso zerstört wie im gesamten Deutschen Reich. Der 9. November ist der Tag, an dem organisierte Schlägertrupps jüdische Geschäfte, Gotteshäuser und andere Einrichtungen in Brand setzten. Es ist der Tag, an dem Tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Spätestens nun konnte jeder in Deutschland sehen, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord staatsoffiziell geworden waren.

Gemeinsam laden die Mitglieder des Arbeitskreises „Stolpersteine“ im Werratalverein, Zweigverein Südringgau-Herleshausen, und das Lehrerkollegium der Südringgauschule deshalb zur mahnenden Erinnerung an die Reichspogromnacht in Herleshausen ein. Am nächsten Donnerstag (9. November) wird es eine besondere Schulstunde zur Herleshäuser Dorfgeschichte geben. Treffpunkt ist die Lauchröder Straße 3; genau jener Ort, an dem vor 83 Jahren die örtliche Synagoge zerstört wurde. „Zeitzeugenberichte werden verdeutlichen, was damals geschehen ist“, sagt Helmut Schmidt für den Arbeitskreis Stolpersteine. Im Kontext zum aktuellen Weltgeschehen werde dabei wohl auch die Frage nach dem „Warum“ aufkommen.

Darüber hinaus soll ein Bericht eines Zeitzeugen verdeutlichen, was unter „Schutzhaft“ zu verstehen ist, in die viele männliche Juden nach der Pogromnacht, teils über mehrere Wochen und Monate, genommen wurden. „Außerdem kann, dank der Unterstützung von Freunden aus Israel, bei dieser Gedenkfeier an dem vor dem Haus verlegten Stolperstein für den damaligen Schüler Isaak Carlebach über dessen leider tragisches Schicksal berichtet werden“, sagt Helmut Schmidt. Die Organisatoren wünschen sich, dass auch möglichst viele interessierte Gäste an dieser öffentlichen Veranstaltung teilnehmen.

Bereits für die Erstellung der Chronik „Herleshausen 1019-2019“ haben sich Dr. Karl Kollmann, Thomas Lehmann, Franziska Mayer und Helmut Schmidt mit der Geschichte Herleshausens in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt und ihre Erkenntnisse in dem Werk festgehalten. In bemerkenswerter Weise engagiert sich auch der Arbeitskreis Stolpersteine im Werratalverein, Zweigverein Südringgau, für die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte vor Ort. Bereits im Jahr 2016 sind in Herleshausen zwei sogenannte Kopfsteine verlegt worden: Sie erinnern an die Synagoge und die Judenschule.

Die Herleshäuser Synagoge wurde im Jahr 1848 erbaut, wegen Baufälligkeit aber im Jahr 1927 geschlossen. Nach umfangreicher Sanierung wurde am 2. September 1928 erneut Einweihung gefeiert. Nach der Zerstörung der Synagoge in der Pogromnacht wurde das Grundstück 1939 von der Synagogengemeinde verkauft; das Gebäude noch im gleichen Jahr abgebrochen. Lediglich die Tora-Mäntelchen fand man in den 1970er-Jahren auf einem Dachboden in Herleshausen wieder. Sie befinden sich heute in der Gedenkstätte Yad Vashem, Israel. (Emily Hartmann)

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