Koalition in Hessen

Neue Koalition in Hessen: Aufregung um geplantes Gender-Verbot

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CDU und SPD wollen in hessischen Schulen, Unis und Rundfunkanstalten bestimmte genderneutrale Schreibweisen verbieten. Das sorgt für gemischte Reaktionen.

Wiesbaden - Jubel beim „Volksbegehren gegen Genderzwang“. Die zukünftige schwarz-rote Koalition in Wiesbaden habe sich des Anliegens der Bürgerinitiative und damit „dem Willen der Mehrheit der hessischen Bevölkerung“ angenommen, teilte die Initiative aus Kassel am Dienstag mit. Das Eckpunktepapier von CDU und SPD gehe in die richtige Richtung, aber von einem Gesetz sei bisher nicht die Rede. Die „Bürgerinitiative für eine Amtssprache ohne Gendern“ habe daher einen großen politischen Erfolg errungen, müsse ihr Volksbegehren aber weiter vorantreiben.

Kein Punkt in dem Eckpunktepapier von CDU und SPD hat bisher so viel öffentlichen Wirbel erzeugt wie der zur gendergerechten Sprache. Selbst der Wolf geriet dabei ins Hintertreffen, was die Aufmerksamkeit angeht. In dem Sondierungspapier heißt es, man wolle „festschreiben“, dass staatliche und öffentlich-rechtliche Institutionen wie „Schulen, Universitäten, Rundfunk“ auf das Gendern mit Sonderzeichen verzichten sollen – gemeint sind wohl Schreibweisen mit dem sogenannten Genderstern, einem Unterstrich oder dem Doppelpunkt, wie sie etwa von der Frankfurter Rundschau praktiziert wird. Stattdessen solle „eine Orientierung am Rat der deutschen Sprache“ erfolgen. Wie genau eine neue Landesregierung eine solche „Festschreibung“ umsetzen will, ist bisher offen.

Hessen: Eine Schreibweise für mehr Gerechtigkeit

CDU-Landeschef und Ministerpräsident Boris Rhein.

Der zwischenstaatliche „Rat für deutsche Rechtschreibung“, der sich aus Mitgliedern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein zusammensetzt, hatte sich im Frühjahr 2021 zu dem Ziel bekannt, alle Menschen geschlechtergerecht und sensibel anzusprechen. Dies sei allerdings eine „gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Aufgabe, die nicht allein mit orthografischen Regeln und Änderungen der Rechtschreibung gelöst werden kann“. Deswegen empfehle man genderneutrale Schreibweisen, die mit einem Doppelpunkt oder einem Unterstrich arbeiten, aktuell nicht.

Grundsätzlich verfolgt eine genderneutrale Schreib- und Sprechweise das Ziel, im Gegensatz zum generischen Maskulinum alle Menschen gleichberechtigt anzusprechen, also Männer, Frauen und auch Menschen, die sich keiner dieser beiden Kategorien zugehörig fühlen. Da genderneutrale Schreibweise, die in der Wissenschaft schon seit vielen Jahren praktiziert wird, sich auf immer mehr Bereiche des öffentlichen Lebens ausdehnt, ist in den letzten Jahren eine hitzige Debatte über gendergerechte Sprache entbrannt.

Hessen: Anlass für Kulturkämpfe

Gerade konservative und rechte Kreise haben sie als Aufregerthema erkannt und kritisieren sie gerne als Marotte einer angeblich abgehobenen linken Elite. Die CDU hatte das Thema Gendern im Landtagswahlkampf als eins von mehreren „Blutdruckthemen“ angesprochen.

Der Hessische Rundfunk, der von einer hessischen Regelung zum Gendern betroffen sein könnte, teilte der FR am Dienstag auf Nachfrage mit, man warte die Ergebnisse der Koalitionsgespräche zwischen CDU und SPD interessiert ab. Der HR stehe mit seinem Angebot für Vielfalt und benutze gendersensible Sprache, „weil sie alle meint, alle zeigt und alle anspricht“. Die Art und Weise des Genderns werde den einzelnen Redaktionen dabei nicht vorgeschrieben. (Jutta Rippegather und Hanning Voigts)

Lesen Sie hier, was im Eckpunkte-Papier von CDU und SPD zu den Koalitionsverhandlungen steht.

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa/Archivbild

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