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Das Borna-Virus kann auf den Menschen übertragen werden. Eine Infektion endet meist tödlich. Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr in Hessen?
Frankfurt – Das Borna-Virus hat in jüngster Zeit verstärkt Aufmerksamkeit erregt, denn eine Infektion beim Menschen endet in fast immer tödlich. In Bayern kam es zu vereinzelten Fällen, bei denen sich Menschen mit dem Virus angesteckt hatten und an den Folgen verstarben. Die wenigen Infizierten, die die vom Virus ausgelöste Hirnhautentzündung überlebt haben, trugen schwere Folgeschäden davon.
Was ist das Borna-Virus?
Das Borna-Virus wurde bereits 1935 bei Schafen, Pferden und anderen Säugetieren nachgewiesen. Seit wenigen Jahren ist bekannt, dass das Virus auch auf den Menschen übertragbar ist und eine meist tödlich verlaufende Hirnhautentzündung auslöst. Fieber, Kopfschmerzen und neurologische Auffälligkeiten wie Sprachstörungen zählen zu den Symptomen der Erkrankung.
Das Virus greift dabei seinen Wirt gar nicht direkt an. Es ist der Körper selbst, der beim Bekämpfen des Virus die infizierten Zellen im Gehirn zerstört. Im weiteren Verlauf der Krankheit können Infizierte ins Koma fallen und schließlich sterben. Eine Impfung oder ein Medikament zur Bekämpfung des Virus gibt es nicht.
Wie erfolgt die Ansteckung mit dem Borna-Virus?
Die Übertragung des Borna-Virus von Tier zu Mensch erfolgt ausschließlich bei Kontakt mit infizierten Feldspitzmäusen oder deren Ausscheidungen. Mögliche Übertragungswege sind dabei laut Robert Koch Institut „die Aufnahme über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser, das Einatmen des Virus über kontaminierten Staub oder direkten Kontakt mit einer Feldspitzmaus.“ Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach aktuellem Forschungsstand nicht möglich.
Tritt das Borna-Virus in Hessen auf?
Bisher gibt es keine Berichte über Borna-Virus-Infektionen beim Menschen in Hessen. Die Fälle in Bayern sind insgesamt selten. Das Virus tritt ausschließlich im Lebensraum der Feldspitzmaus auf und auch unter den Nagetieren, die das einzige Virusreservoir bieten, ist das Borna-Virus nicht sehr verbreitet. Die Kernrisikogebiete beschränken sich dabei auf ländliche Gegenden in Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. In angrenzenden Bundesländern, darunter der Süden und Osten Hessens, kann das Virus demnach auftreten.
Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko in Hessen?
Das allgemeine Ansteckungsrisiko für Menschen in Hessen wird als sehr gering betrachtet. Bisher sind keine Fälle bekannt. Jährlich erkranken in ganz Deutschland gerade einmal zwei bis sechs Personen an einer Infektion mit dem Borna-Virus.
Frankfurter Flughafen, ein Einfallstor für das Borna-Virus?
Für das Coronavirus, das sich von Mensch zu Mensch überträgt, war der Frankfurter Flughafen mit seinen täglich bis zu über 200.000 Reisenden ein Einfallstor. Das Borna-Virus ist allerdings nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Daher spielt das internationale Drehkreuz in Hessen bei der Verbreitung des Borna-Virus keine Rolle.
Wie kann man sich vor einer Infektion mit dem Borna-Virus schützen?
Auch hier gibt das RKI Entwarnung. Generelle Schutzmaßnahmen im Alltag sind nicht nötig. Um das ohnehin geringe Infektionsrisiko zu reduzieren, sollte man den direkten Kontakt mit Feldspitzmäusen und deren Ausscheidungen vermeiden. Beim Fund einer toten Spitzmaus, die auch von einer Katze ins Haus gebracht werden könnte, gilt es, das tote Nagetier nicht mit bloßen Händen zu berühren. Mit Handschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte lässt sich das tote Tier sicher entsorgen. Anschließend sollten kontaminierte Flächen mit Hausreiniger desinfiziert werden.
Um das Einatmen kontaminierten Staubes zu vermeiden, sollte beim Beseitigen von toten Spitzmäusen oder deren Kot eine FFP2-Maske getragen werden. Zusätzlich wird auf einem Merkblatt des RKI empfohlen, Feldspitzmaus und Ausscheidungen vor der Beseitigung mit einem handelsüblichen Haushaltsreiniger einzusprühen. Das Aufwirbeln virusbelasteten Staubes wird so verhindert. (Paul Eisbach)
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