Die Sonntagsöffnung der Automatenläden ist nicht der große Wurf. Und keine Antwort auf die Verödung der Ortskerne
Es ist nicht davon auszugehen, dass die Menschen in Hessen jetzt zuhauf ihre Wocheneinkäufe am Sonntag erledigen. Nach den Tankstellen, Bahnhöfen oder Automaten hat der Landtag einzig eine weitere Möglichkeit eröffnet, sich auch an Sonntagen mit dem einzudecken, was fehlt. Mit dem Verkauf von Milch für das Kaffeekränzchen, Backpulver oder Nudeln lässt sich ein Laden aber nicht wirtschaftlich betreiben. Deshalb sind die Automatenläden ein Nice to have. Aber ungeeignet, die Lücke zu stopfen, die der massive Rückzug des inhabergeführten Einzelhandels reißt. Der Tante-Emma-Laden ist tot, die Metzgerfamilie ein Auslaufmodell. Selbst der Wochenmarkt boomt nicht mehr wie gewohnt.
Alleine den Fachkräftemangel dafür verantwortlich zu machen, ist zu einfach. Schuld sind wir, die mit unseren Autos in die riesigen Supermärkte auf der grünen Wiese streben. Die auf billig, billig gepolt sind. Ist eine Politik, die der Forderung der großen Konzerne nachkommt und an den Rand ihrer Kommunen die notwendigen Flächen zubetoniert und für die Discounter bereitstellt. Sich dann aber wundert über die Verödung der Ortskerne. Ein Verlust an Lebensqualität, gegen die keine Automatenläden helfen.
Das ist fatal in einer alternden Gesellschaft. Dafür braucht es kreative Antworten. Die sind dringender, als im Schweinsgalopp das Teo-Gesetz zu beschließen.