VonJutta Rippegatherschließen
Die Spitzenkandidatin der hessischen Grünen peilt bei der Bundestagswahl 2025 ein Ergebnis von 20 Prozent an. Die Aufarbeitung interner Querelen ist vertagt.
Marburg – Hessens Grüne ziehen mit prominenten Gesichtern in den Bundestagswahlkampf: mit einem Spitzenduo aus Anna Lührmann aus Hofheim und Omid Nouripour aus Frankfurt – die beiden erzielten bei der Mitgliederversammlung am Samstag (14. Dezember) in Marburg starke Ergebnisse -, mit Deborah Düring aus Frankfurt als Nummer drei, gefolgt von Tarek Al-Wazir.
Nach Jahrzehnten in der Landespolitik, darunter zehn als Vizeministerpräsident der ersten schwarz-grünen Koalition in Hessen, sucht der Offenbacher neue Herausforderungen. Er bewarb sich auf Listenplatz vier – auch er ohne Gegenkandidat. Für den ehemalige Wirtschaftsminister und ersten Ministerpräsidentenkandidaten der Grünen votierten 80,47 Prozent der knapp 1100 Mitglieder im Saal.
Hessischer Ex-Minister Tarek Al-Wazir kandidiert für den Bundestag
Gleich drei altgediente Bundestagsabgeordnete nahmen aus Altersgründen ihren Abschied. Bettina Hoffmann, Kordula Schulz-Asche und Wolfgang Strengmann-Kuhn machten vordere Plätze auf der Liste frei. Dadurch konnten Neue - wie etwa Al-Wazir - nachrücken. Aktuell stellen die hessischen Grünen neun Bundestagsabgeordnete, darunter Nouripour, der über ein Direktmandat eingezogen war. Geht es nach den Grünen, soll es bei den neun bleiben nach der Wahl Ende Februar.
Wer sich für den Tagesordnungspunkt „Situation im Landesvorstand“ interessierte, musste bis in den Abend hinein ausharren. Nach dem überraschende Rücktritt von Kathrin Anders am Montag führt Andreas Ewald den Landesvorstand bis nach der Bundestagswahl alleine, danach soll das Gremium komplett neu gewählt werden.
Debatte um Querelen im Vorstand bei den Grünen in Hessen
Anders war wegen des persönlichen Umgangs mit ihr zurückgetreten - es geht um gesponserte Reisen des Co-Vorsitzenden Andreas Ewald und die Frage, ob dies parteienrechtlich sauber war. Nach einer kurzen Debatte am Abend stimmten die Mitglieder einstimmig bei einer Enthaltung für den Antrag, den Landesgremien und Kreisverbände kurzfristig eingebracht hatten, um Aufklärungswillen und Transparenz zu demonstrieren. Tenor: Es wird nichts unter den Tisch gekehrt, notwendige Konsequenzen werden gezogen. Doch der Fokus liegt jetzt auf dem Bundestagswahlkampf.
Die Grünen haben sich ein ambitioniertes Ziel gesteckt. Ein Ergebnis von 20 Prozent gab Anna Lührmann in ihrer Bewerbungsrede aus. Merz sei in den 90er-Jahren stecken geblieben. Die Grünen hingegen hätten die beste Zeit noch vor sich, seien „im Aufwind“. Seit dem Ampel-Aus steigen bundesweit die Mitgliederzahlen. Das hatte zuvor auch Co-Bundesvorsitzender Felix Banaszak in seiner Videobotschaft hervorgehoben.
Grüne in Hessen: Das Ziel ist ein Wahlergebnis von 20 Prozent bei der Bundestagswahl
Lührmann, aktuell Staatsministerin im Auswärtigen Amt für Europa und Klima, gab sich kämpferisch: Klimapolitik sei moderne Wirtschaftspolitik, die Schuldenbremse gehöre reformiert. Vor ihnen liege der „Wahlkampf unseres Lebens“.
Ergebnisse
Die Listenplätze für die Bundestagswahl von eins bis zehn mit Namen, Kreisverbänden und Ergebnissen.
Anna Lührmann , Main-Taunus, 93 %
Omid Nouripour, Frankfurt, 96 %
Deborah Düring, Frankfurt, 83 %
Tarek Al-Wazir, Offenbach-Stadt, 81 %
Awet Tesfaiesus, Kassel-Stadt: 51 %
Boris Mijatovic, Kassel-Stadt: 73 %
Ayse Asar, Limburg-Weilburg, 55%
Andreas May, Marburg-Biedenk., 54%
Mahwish Iftikhar, Main-Kinzig, 49 %
Michel Zörb, Gießen, 57 % jur
Der frühere Co-Bundesvorsitzende Nouripour schaute nach Syrien. „Dass diese Menschen wieder träumen und hoffen dürfen, ist etwas Unglaubliches.“ Ohne die Grünen hätte die Bundesrepublik ihr Verhältnis zum Assad-Regime normalisiert. Jens Spahn von der CDU lasse jedweden Anstand vermissen, wenn ihm als Erstes einfalle, Geflüchtete zurückzuschicken. Er dürfe nicht noch einmal an die Macht.
Grüne Hessen: Ex-Bundesvorsitzender Omid Nouripour schaut nach Syrien – Ampel-Aus als Chance
Die Grünen hätten trotz der „echt komplizierten Situation“ in der Ampel viel erreicht. Auch Fehler gemacht, aber Untätigkeit wäre der größte Fehler gewesen. Kompromisse seien der Wesenskern der Demokratie, sagte der Frankfurter auf Nachfrage. Gerade jetzt sei es zentral, „dass es mindestens eine Partei gibt, die aufsteht und mit geradem Rücken und klarem Blick sich den Nazis und anderen Feinden unserer Demokratie entgegenstellt“.
Für Al-Wazir eröffnet das vorzeitige Ende der Ampel die Chance, über Zukunft zu reden, über Infrastruktur, Verkehr, Bildung. Über notwendige Veränderungen, um das Land voranzubringen. Über eine klimaneutrale Transformation der Industrie. Am 23. Februar würden die Weichen gestellt Richtung Zukunft oder Vergangenheit. „Eine Groko kann sich dieses Land nicht mehr leisten.“
Für Zoff gab es keinen Grund, schreibt dazu unsere Kommentatorin.
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