Hessen

Hessenwahl: Umfrage sieht CDU klar vorn

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Möglich wären nach derzeitigen Stand Koalitionen von Schwarz-Grün oder Schwarz-Rot. Beide sind nicht beliebt. Am beliebtesten ist Boris Rhein.

Gut sechs Wochen vor der Landtagswahl in Hessen stehen die Zeichen auf Schwarz-Rot oder alternativ eine Fortsetzung des schwarz-grünen Bündnisses. Wäre am nächsten Sonntag Hessenwahl, würde die CDU mit 31 Prozent stärkste Kraft werden, bekäme im Vergleich zum Ergebnis von 2018 vier Prozentpunkte dazu. Die SPD bliebe mit 20 Prozent stabil, die Grünen verlören rund zwei Prozentpunkte und kämen auf 18 Prozent. Die AfD würde 15 Prozent erreichen, die FDP sechs Prozent. Die Linke würde mit drei Prozent den Einzug in den Landtag verpassen. Eine Momentaufnahme. Die Hälfte der Befragten ist noch unentschlossen, so ein weiteres Ergebnis der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen. Sie hatte im Auftrag von Frankfurter Allgemeine Zeitung und Hit Radio FFH vom 21. bis 23. August in Hessen 1005 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte telefonisch befragt.

Linke fliegt raus

Ergebnis der Sonntagsfrage

Die AfD würde zwei Prozentpunkte hinzugewinnen. Nicht etwa wegen ihrer politischen Inhalte. 77 Prozent der Befragten vermuten, dass sie gewählt wird, um den anderen Parteien einen Denkzettel zu verpassen. Selbst unter ihren Anhängern sind demnach nur 32 Prozent überzeugt von der Politik der AfD. Entsprechend schlecht sind die Werte bei der Frage nach der Kompetenz. Einzige Ausnahme: Bei der Asylpolitik glauben zehn Prozent der Befragten, dass die AfD eine passende Lösung habe.Die heiße Wahlkampfphase hat noch nicht begonnen. SPD-Spitzenkandidatin Nancy Faeser muss sich anstrengen, um den Vorsprung der beiden Konkurrenten aufzuholen, die aktuell in landespolitischer Verantwortung stehen. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) und sein Vize Tarek Al-Wazir (Grüne) fliegen zwar auch nicht alle Herzen zu. Auf der Beliebtheitsskala von minus 5 bis plus 5 kommen sie lediglich auf 2,6 beziehungsweise 2,8 in der eigenen Partei. Doch Faeser erreicht selbst bei ihren Anhängern lediglich 1,6 Prozent, bei den Befragten insgesamt kommt sie lediglich auf minus 0,2 Punkte. Amtsinhaber Rhein erreicht mit 1,1 die höchsten Beliebtheitswerte, Wirtschaftsminister Al-Wazir erreicht 0,9 Punkte – bei der vergangenen Landtagswahl lag der Wert bei 1,6. „Hessens beliebtester Politiker“, wie ihn die Parteispitze gern lobt, ist Vergangenheit.

Rhein hat die Nase vorn

Im direkten Vergleich Faeser – Rhein würde die Hälfte den Amtsinhaber bevorzugen, lediglich 28 Prozent sähen die Sozialdemokratin lieber als Ministerpräsidentin. Auch beim Duell mit Al-Wazir hat Rhein die Nase vorn: 44 Prozent wollen ihn, 31 Prozent den Grünen.

Den Ergebnissen zufolge hätte die Union rein rechnerisch zwei Optionen bei der Koalition. Sie könnte Schwarz-Grün fortführen oder ein Bündnis mit den Sozialdemokraten schmieden. Für eine Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP reicht es sechs Wochen vor der Wahl knapp nicht. Allerdings findet keine der wahrscheinlichen Varianten überwiegende Zustimmung.

AfD ohne politische Inhalte

Bei der Frage nach den Kompetenzen können die Grünen bei ihrem Kernthema Klimaschutz punkten (44 Prozent). In der Bildungspolitik sehen 25 Prozent die CDU vorn, dicht gefolgt von der SPD mit 23 Prozent. Eine gute Asylpolitik wird am häufigsten der CDU zugetraut. Bei der Verkehrspolitik haben wieder die Grünen die Nase vorn (27 Prozent), kurz dahinter die CDU mit 25 Prozent.

Eine deutliche Veränderung ist in der Frage der Aufnahme von Flüchtlingen im Vergleich zur Situation vor der Landtagswahl 2018 zu erkennen. 43 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass Hessen damit überfordert sei. Nur noch eine knappe Mehrheit (52 Prozent) ist der Meinung, dass dies zu verkraften sei – vor fünf Jahren waren es noch 70 Prozent.

Spaltung beim Thema Klimaschutz

Eine große Uneinigkeit und deutliche Spaltung der Gesellschaft ruft die Frage des Klimaschutzes hervor. 39 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die bisher ergriffenen Schritte nicht weit genug gehen. 32 Prozent gehen die Bemühungen zu weit. 23 Prozent halten sie für genau richtig.

Reaktionen der Parteien

Den Kommentar dazu überschreibt Autorin Jutta Rippegather mit „Karten neu mischen“

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