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Heute schon Oma angerufen? Tipps für die große Hitze in Frankfurt und Rhein-Main

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  • Annette Schlegl
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  • Jens Joachim
    Jens Joachim

Bis zu 36 Grad warm wird es im Rhein-Main-Gebiet in den kommenden Tagen. Es gibt klare Empfehlungen zum Verhalten bei diesem heißen Wetter.

Frankfurt – Heute schon die Oma angerufen oder den alten Vater? An Tagen wie den kommenden kann es gerne ein Telefonat mehr sein, sagt Lars Bodammer, Kardiologe aus Frankfurt. Denn es wird wieder heiß - richtig heiß. Für Sonntag sagte der Deutschen Wetterdienst 28 bis 33 Grad voraus. Zum Wochenstart legen die Offenbacher Wetterfrösche bei ihrer Prognose noch eine Schippe drauf. Viel trinken ist angesagt - „mindestens zwei Flaschen Mineralwasser am Morgen bereitstellen, nicht Leitungswasser“, rät der Herzspezialist. In Absprache mit dem Hausarzt oder der Hausärztin die Medikation anpassen.

Ob’s hilft? Chillen im Mobilen Grünen Zimmer, hier auf dem Frankfurter Rathenauplatz.

Die so genannten vulnerablen Gruppen wie Alte und Kranke leiden besonders heftig unter der Hitze. Aber auch der Rest der Bevölkerung sollte den Verstand einschalten, bevor er zum Joggen aufbricht. Rennen in der durch den Asphalt noch aufgeheizten Mittagshitze in der Stadt ist eine ganz schlechte Idee. „Man sollte körperliche Betätigung möglichst auf den frühen Vormittag verschieben.“

Kommen sollten bald einen Hitzeaktionsplan haben

Der Klimawandel ist eine Herausforderung für das gesamte Gesundheitswesen. Um sie zu meistern gilt es, Pflegediensten, ambulanten und stationären Versorgungseinrichtungen, dem öffentlichen Gesundheitsdienst, den Krankenkassen oder allen anderen relevanten Akteur:innen Empfehlungen an die Hand zu geben. Nach einer Empfehlung der Gesundheitsministerkonferenz sollten alle Kommunen bis zum kommenden Jahr über einen Hitzeaktionsplan verfügen. Zur Orientierung könnte der des Landes dienen, den Hessen im Februar 2023 veröffentlichte.

Die Stadt Frankfurt hat sogar einen Klimawandelaktionsplan zur Bewältigung der Klimawandelfolgen entwickelt, der das Thema Hitze und Trockenheit einbezieht. Das Stadtklima ist durch hohe Durchschnittstemperaturen und einen vergleichsweise hohen Anteil an schwachen Winden gekennzeichnet. In den vergangenen Jahren haben in Frankfurt die sommerlichen Hitzeperioden zugenommen. Im Hitzesommer 2019 wurde laut der Stadt Frankfurt im Frankfurter Westend mit 40,2 °C die hessenweit höchste Temperatur gemessen.

Der Aktionsplan legt besonderen Wert auf den Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen wie Ältere, Kinder und chronisch Kranke sowie auf sensible Einrichtungen wie Krankenhäuser. An heißen Tagen gibt es Plätze in der Innenstadt, an denen man gut durchatmen kann. Das Gesundheitsamt hat eine Online-Karte mit diesen kühlen Rückzugsorten erstellt, denn schon ein paar Grad weniger können das Wohlbefinden erheblich verbessern. Zu den Orten gehört das klimatisierte Einkaufszentrum MyZeil, das Historische Museum in der Altstadt, die Bockenheimer Anlage nahe des Opernplatzes und weitere Orte, zu finden unter der Adresse www.frankfurt.de/kuehle-orte

Hitze ist gesundheitliche Herausforderung für Alte, Kranke und Kinder

„Gerade für kranke und ältere Menschen und auch für kleine Kinder bedeutet Hitze oftmals eine gesundheitliche Beeinträchtigung“, sagt Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamts. Früher habe die Empfehlung gegolten, an heißen Tagen zu Hause zu bleiben. Angesichts der Klimaentwicklung böten aber etwa Dachgeschosswohnung keinen Schutz mehr. Es sei dann ratsam, kühle öffentliche Orte aufzusuchen.

INFORMATIONEN

Das hessische Gesundheitsministerium hat alle relevanten Informationen auf seiner Homepage zusammengefasst: familie.hessen.de

Die Stadt Frankfurt hat auf ihrer Internetseite ebenfalls ein Bündel an Tipps hinterlegt. Der Hitzeaktionsplan ist unter tinyurl.com/Hitzeaktionsplan online zu finden, von dort aus geht es unter anderem auch zu dem Link, der die kühlen Orte in der Stadt anzeigt: frankfurt.de/kuehle-orte

Das geht beispielsweise mit den sogenannten Mobilen Grünen Zimmern, von denen die Stadt Frankfurt weitere 16 angeschafft hat. Somit kann sie künftig 23 bepflanzte Regale mit Sitzflächen in den Kampf gegen die Hitzerekord-Arenen schicken, einst unter dem Namen Stadtplätze konzipiert. Unvermutet tauchen sie auf, vor einigen Wochen etwa auf dem Bonameser Wendelsgarten, der zeitgleich in den Genuss einer kleinen Entsiegelung aus der Kampagne „Green it up“ kam. An so einem mobilen Grünzimmer kann man sich hinsetzen und hat vor allem eines: Schatten, wenn man auf der richtigen Seite sitzt.

Die direkte Sonne sollte man eher vermeiden.

Wer vor lauter Hitzeverzweiflung nicht ein noch aus weiß, findet garantierte Linderung in den Kühlgängen der Supermärkte. Nur halt nicht sonntags. Da funktioniert auch der Tipp nicht, der im Radio zu hören war: Metzgerei. Fragt sich, wie lang man da bleiben kann. „Fünf Gramm Schinken. Drei Gramm Leberwurst. Eine Scheibe Salami ...“

Historische Trinkbrunnen in den älteren Stadtteilen

In den älteren Stadtteilen wie der Altstadt, Bornheim und Sachsenhausen gibt es 35 historische Trinkbrunnen, erkennbar an ihren typischen Mainsandstein-Säulen und Figuren. Seit 2022 sind sieben davon offiziell als Trinkbrunnen ausgewiesen, darunter der Hirschbrunnen und Paradiesbrunnen in Sachsenhausen sowie der Löwenbrunnen in der Innenstadt. Wichtig: Nur Brunnen mit dem Schild „Trinkwasser“ werden regelmäßig geprüft und gewartet.

In Darmstadt gibt es laut Umweltdezernent Michael Kolmer (Grüne) im Sommer bis zu 40 Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad. An einzelnen Tagen seien zwischen der Innenstadt und den umliegenden Feldern und Wäldern Unterschiede von bis zu zehn Grad gemessen worden. Bei der Befliegung des Herrngartens mit einer Drohne waren kürzlich über der Wiese 35 Grad Celsius gemessen worden. Der schmale geteerte Weg durch den Park heizte sich beim Sonnenhöchststand auf bis zu 50 Grad auf.

In der City sind auf dem Friedensplatz neben dem Residenzschloss begrünte und zum Teil mit Sitzflächen ausgestattete und filigran gestaltete Rankhilfen aufgestellt worden. Sie sollen zu „mobilen Bäumen“ heranwachsen. Im Carree, dem Platz vor der Centralstation, können Kinder noch bis Sonntag einen Wasserspielplatz nutzen. Zudem hat die Stadt „Hitzeschutzpakete“ an Anlaufstellen der Quartiers- und Stadtteilarbeit verschickt. Mit Informationen zum Umgang mit Hitze, UV-Strahlung, zu Sonnenschutz, Ernährung, Freizeit und Sport. jur/prgz/prsb/ann/ill/jjo

Rubriklistenbild: © Michael Schick

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