VonEden Sophie Rimbachschließen
Heute ist der Internationale Tag der Reparatur, der seit 2017 stattfindet. Das Angebot der Repair-Cafés im Werra-Meißner-Kreis wurde um ein Projekt erweitert.
Werra-Meißner – Gemeinsam tüfteln, Lieblingsstücken und gut erhaltenen Alltagsgegenständen ein zweites Leben schenken und bei Kaffee und Kuchen zusammenkommen: Das verbinden die Repair-Cafés im Kreis miteinander. Am heutigen Samstag (21. Oktober) kommt ein neues Angebot hinzu. Das Repair-Café Wehretal ist durch die Initiative „Wehretal vereint“ entstanden und feierte von 10 bis 13 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus in Reichensachsen, Steinweg 60, seine Premiere.
Im Gegensatz zu den Angeboten in Eschwege und Witzenhausen-Bischhausen wird es nicht in feste Räume ziehen, sondern durch die fünf Ortsteile wandern. Entstanden ist die Idee zu dem Angebot in Wehretal bereits bei den ersten Befragungen im Zuge der Gründung von „Wehretal vereint“ 2021. Die Initiative ist aus einer Zusammenarbeit der Evangelischen Familienbildungsstätte – Mehrgenerationenhaus Werra-Meißner (FBS) und der Gemeinde Wehretal. Seit etwa einem Dreivierteljahr prüft diese laut Kathrin Beyer von der Initiative, wie das Angebot gestaltet werden soll. Gefunden hat sich eine Gruppe aus neun Ehrenamtlichen, die ihre Fähigkeiten aktiv einbringen möchten. In Witzenhausen-Bischhausen wurde das Café vom Verein „Die Chance“ ins Leben gerufen.
Die Neugründung in Wehretal unterstützen zwei Frauen, die sich bereits seit Beginn des Eschweger Angebots im September 2019 engagieren und nun in beiden Repair-Cafés zur Verfügung stehen, wenn es um Arbeiten mit der Nähmaschine oder händisch mit Nadel und Faden geht. Eine von ihnen ist Gisela Adam. „Es macht unwahrscheinlich Spaß und es ist eine ganz tolle Gemeinschaft“, schwärmt sie von ihren Erfahrungen mit dem Repair-Café, das von Aufwind – Verein für seelische Gesundheit, der FBS, der Nachbarschaftshilfe Eschwege, der Freiwilligenagentur Omnibus (FBS), dem Seniorenforum und der Stadt Eschwege getragen und unterstützt wird.
Internationaler Tag der Reparatur
Der Internationale Tag der Reparatur wird an jedem dritten Samstag im Oktober begangen und geht auf die Open Repair Alliance zurück. Sie ist ein internationaler Interessenverband aus mehreren Organisationen und hat sich dem Einsatz für länger haltbare und einfacher zu reparierende Elektrogeräte verschrieben. Hintergrund ist, dass diese Produkte zunehmend so gestaltet werden, dass sie sich schwieriger reparieren lassen. „Sozialbetriebe, kleine Fachhändler, Handwerksbetriebe, freie Werkstätten und Reparatur-Cafés leiden beispielsweise darunter, dass sie von Herstellern nicht mit den erforderlichen Ersatzteilen, Informationen und Softwaretools beliefert werden und manche Ersatzteile überteuert sind“, heißt es in einer Mitteilung des Werra-Meißner-Kreises. Dr. Philipp Kanzow, Umweltdezernent des Kreises: „Die Reparatur defekter Geräte anstatt ihrer Entsorgung und der Anschaffung eines Neugeräts ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern meist auch für das Portemonnaie.“ Umso wichtiger sei eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Reparaturen. (red/esr)
Laut Gisela Adam ist seit dem Beginn des Angebots aus einst Fremden eine gute Gemeinschaft geworden. Wenn man bei einem Projekt mal eine dritte Hand braucht, ist jemand da, der spontan mit anpackt. Besucher werden, auch wenn sie ohne ein beschädigtes Teil kommen, zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Denn beim Konzept der Repair-Cafés steht, wie Kathrin Beyer erklärt, nicht nur das Reparieren, sondern auch das Zusammenkommen im Vordergrund. Sie hat auch das Café in Eschwege mit aufgebaut, das stets von 20 bis 25 Menschen besucht werde. Bei den Ehrenamtlichen sei die Fluktuation verschwindend gering. Viele engagieren sich von Anfang an hier, bringen ihre unterschiedlichen Fähigkeiten ein.
Nach dieser Möglichkeit suchte die Eschwegerin Gisela Adam nach dem Tod ihres Ehemannes vor siebeneinhalb Jahren. Da sie gern näht und strickt, aber auch kleine Holzarbeiten übernehmen kann, sprach sie das Repair-Café in Eschwege sofort an. Einiges über Flickarbeiten habe sie durch ihre Mutter gelernt, die als Weißnäherin arbeitete. Gisela Adam und Doris helfen auch mal aus, wenn jemand mit seiner Nähmaschine kommt und sie wegen eines kleineren Problems nicht zum reibungslosen Laufen bekommt.
„Wir wollen auch keiner Schneiderei etwas wegnehmen“, betont sie, „wir machen auch nicht alle Reparaturen.“ In den Repair-Cafés werde immer erst einmal eingeschätzt, ob sich eine Reparatur vor Ort vornehmen lässt oder ob sich der Besucher damit an einen professionellen Dienstleister wenden sollte. In einigen Fällen erkennen die Ehrenamtlichen, dass sich etwas überhaupt nicht mehr reparieren lässt. „Die Leute sind nicht böse, wenn wir das dann nicht reparieren können“, erlebt Gisela Adam. Vielmehr sei es für die Besucher gut zu wissen, dass sie wirklich alles getan haben, um ein Gerät noch länger verwenden zu können, so Kathrin Beyer.
Doch meist finden die Ehrenamtlichen eine Lösung, die das Leben eines Geräts etwas verlängert. Alles, was sich ins Café tragen lässt, wird erst mal genau überprüft. Dafür bringen die Teilnehmer gern ihr eigenes Werkzeug oder auch Material mit. Wenn ein Werkzeug dringend benötigt wird, kann es wie in Eschwege auch angeschafft werden. Fehlt für eine Reparatur ein Ersatzteil, erklären die Ehrenamtlichen dem Besucher, was sie benötigen, und schließen die Arbeit beim nächsten Termin ab. Laut Kathrin Beyer ist auch ein Austausch zwischen Eschwege und Wehretal möglich. Die Angebote sollen nicht in gegenseitiger Konkurrenz stehen, sondern sich gegenseitig bereichern.
Denn was repariert werden kann, ist von den Ehrenamtlichen abhängig. Während manchmal ein Scherenschleifer nach Eschwege kommt und hier mehrere junge Männer ein großes Wissen zu Elektrogeräten haben, könnte in Reichensachsen beispielsweise das Flicken eines Fahrradreifens aufgenommen werden, wie Doris sagt. So ein tolles Team wie in Eschwege wünschen die beiden Ehrenamtlichen auch Wehretal. Eingeladen sind auch Neugierige, die sich das Projekt ansehen möchten. (Eden Sophie Rimbach)
Termine
In Eschwege befindet sich das Repair-Café im Tagwerk des Vereins Aufwind, Marktplatz 20. Es hat jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 13 Uhr geöffnet.
Das neue Angebot in Wehretal wird nicht an einem festen Ort, sondern jeweils samstags von 10 bis 13 Uhr abwechselnd in jedem der fünf Ortsteile stattfinden. Erste Termine sind: Heute (21. Oktober) im Gemeindehaus Reichensachsen, 18. November im Dorfgemeinschaftshaus Hoheneiche, 20. Januar im Gemeinderaum Vierbach, 17. Februar in der Arche in Langenhain und 16. März im Gemeinderaum Oetmannshausen.
Sitz des Cafés in Witzenhausen-Bischhausen ist in der Mündener Straße 38, Tel. 0 55 42/50 55 41 (Die Chance e. V.) (esr)

