VonNiklas Hechtschließen
Eine neue Hornissenart wird in Hessen heimisch. Die Asiatische Hornisse stellt für Menschen keine Bedrohung dar - für die heimischen Honigbienen dafür umso mehr.
Kassel - Der Klimawandel lässt nicht nur die Temperaturen auf der Erde steigen und die Gletscher schmelzen, er sorgt auch für eine Veränderung der Tier- und Pflanzenwelt. Auch in der hessischen Flora und Fauna sind die Folgen des Anstiegs der Durchschnittstemperaturen bereits sichtbar. So lässt sich seit einiger Zeit eine neue Hornissenart in Hessen beobachten: die Asiatische Hornisse. Bislang ist die „Vespa velutina“ vor allem an der Bergstraße in Südhessen heimisch, wie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) auf seiner Internetseite mitteilt. Gefährlich sind die Stiche der Asiatischen Hornisse nur für Menschen, die allergisch sind.
Die Hornisse verteidige sich und ihre Brut zudem nur im unmittelbaren Nestbereich, insbesondere bei Erschütterungen des Nests, schreibt das Landesamt für Naturschutz in Nordrhein-Westfalen, wo die fremde Hornissenart sich derzeit deutlich rasanter ausbreitet als in Hessen, in einer Mitteilung. „Die Stiche sind für Nicht-Allergiker ungefährlich und vergleichbar mit Wespen- oder Bienenstichen“.
Asiatische Hornisse breitet sich in Hessen aus
Eine besondere Gefahr stellt die Asiatische Hornisse allerdings für die ohnehin bedrohten heimischen Honigbienen dar, denn sie stehen auf dem Speiseplan der neuen „Vespa“. „Die Asiatische Hornisse braucht für die Aufzucht ihrer Brut viel Eiweiß, und das holt sie sich zu zwei Dritteln von Honigbienen“, erklärte der Insekten-Experten Reiner Jahn vergangenes Jahr dem Hessischen Rundfunk. Dazu fange die Hornisse die Biene vor deren Nest ab, „filetiere“ und verfüttere das proteinreiche Bruststück dann an ihre Hornissen-Larven.
Im Auftrag des HLNUG bekämpft Jahn deshalb die invasive Art, indem er Nester entfernt, wenn er welche entdeckt. „Ich bin ja eigentlich Tierschützer und mir tut es leid um jedes Insekt. Aber in diesem Fall richten die Hornissen Schaden an den Honigbienen und somit an der Artenvielfalt an“, erklärte der Insekten-Experten gegenüber dem hr die Notwendigkeit der Bekämpfung.
Asiatische Hornisse
Die Asiatische Hornisse ist eine aus Südostasien stammende, kleinere Verwandte der Europäischen Hornisse. Im Jahr 2004 wurde die Hornissenart in Südwest-Frankreich erstmals freigesetzt. Zu erkennen ist die Asiatische Hornisse besonders an ihrer charakteristischen braunschwarzen Färbung. Dies ist ihr wohl auffälligstes Merkmal, denn mit dieser Färbung setzt sie sich klar von der Europäischen Hornisse ab, welche gelb-orange gezeichnet ist.
► Länge: 2 cm (Weiblich, Erwachsener, Arbeiter)
►Wissenschaftlicher Name: Vespa velutina
►Höhere Klassifizierung: Hornissen
„Da die heimische Honigbiene im Gegensatz zu der asiatischen Honigbiene keine besonderen Abwehrmechanismen gegen das Eindringen in den Bienenstock entwickeln konnte, wird die Asiatische Hornisse als potenzielle Bedrohung für die Imkerei angesehen“, schreibt das nordrhein-westfälische Landesamt für Naturschutz. Gerade Bienenvölker, die bereits als geschwächt gelten, seien gefährdet, auch wenn der negative Einfluss bislang noch nicht messbar sei.
Asiatische Hornisse wurde vermutlich mit asiatischen Importwaren eingeschleppt
Anders als die europäische Hornisse, die eine bedrohte Art ist, breitet sich die Asiatische Hornisse seit längerer Zeit in weiten Teilen Europas auf. Der NABU berichtet, dass die „Vespa velutina“ seit ihrem Erstauftreten 2004 inzwischen weite Teile Frankreichs besiedelt. Auch in Belgien und den Niederlanden, auf der iberischen Halbinsel und in Italien gibt es inzwischen Nachweise. „Die Asiatische Hornisse wurde vermutlich mit asiatischen Importwaren eingeschleppt“, sagt NABU-Expertin Melanie von Orlow.
Sie haben eine Hornisse gesehen?
Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) bittet auf seiner Internetseite darum, Beobachtungen von Asiatischen Hornissen über das Meldeportal oder per Mail zu melden.
Im Zuge des Klimawandels würden die Winter milder, sodass auch exotische Arten in Europa stabile Populationen bilden könnten. So breitet sich seit einiger Zeit auch die giftige Nosferatu-Spinne in Hessen aus. Die „Falsche Witwe“ hat dagegen bislang nur Großbritannien erobert. Ob sie es bis nach Hessen schafft, ist unklar. (nhe)
Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa


