Heimische Bienen bedroht

Asiatische Hornisse breitet sich in NRW aus – Behörde mit Appell an die Bevölkerung

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Die asiatische Hornisse breitet sich immer weiter in NRW aus. Die Hornisse bedroht auch heimische Bienen – und das könnte Folgen haben.

Köln – Die asiatische Hornisse ist in NRW eingewandert. Für Menschen, die nicht allergisch sind, sind ihre Stiche ungefährlich. Für die heimischen Bienenvölker wird die Hornisse allerdings als „potenzielle Bedrohung“ gesehen. Die asiatische Hornisse „breitet sich derzeit rasant in Nordrhein-Westfalen aus“, erklärt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) in einer Mitteilung. Die Ankunft der asiatischen Hornisse könnte eine Kettenreaktion auslösen.

Asiatische Hornisse: Fast 100 Sichtungen in NRW

Ende September 2023 gab es seit Anfang April desselben Jahres knapp unter 100 Sichtungen der Asiatischen Hornisse in NRW, wie das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) mitteilt. Das sorgt unter anderem für Kritik des Imkerverbands an der Regierung; man hätte in der staatlichen Bekämpfung des Insekts „Versäumnisse“ gemacht, hieß es dort.

Asiatische Hornisse tritt immer häufiger in NRW auf

Unter anderem am sogenannten Thorax, also dem Bereicht zwischen Kopf und Hinterleib, kann man die Asiatische Hornisse als solche erkennen. (Archivbild)

Laut Lanuv breitet sich die Asiatische Hornisse bereits seit längerer Zeit in Europa aus. „Ausgehend von einer Freisetzung in Südwest-Frankreich im Jahr 2004 hat die Asiatische Hornisse über Belgien und die Niederlande inzwischen das Rheinland erreicht.“ Einen ersten Fund gab es demnach 2020 im Kreis Heinsberg. Vermutlich wurde die asiatische Hornisse „mit asiatischen Importwaren eingeschleppt“, berichtet wa.de.

Asiatische Hornisse

Die Asiatische Hornisse ist eine aus Südostasien stammende, kleinere Verwandte der Europäischen Hornisse. Im Jahr 2004 wurde die Hornissenart in Südwest-Frankreich erstmals freigesetzt. Anhand bestimmter Merkmale ist die Hornisse gut zu erkennen, typisch ist unter anderem ihre schwarze Grundfärbung am Körper und ihre feine, aufrechte, schwarze und braune Behaarung. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckte sich von China über den Himalaya bis nach Taiwan und den Osten Indiens. Aufgrund der Färbung könnte sie unter Umständen auch mit der sogenannten „Schwarzen Hornisse“, die sich in NRW breit macht, verwechselt werden – diese ist allerdings eigentlich eine Biene und ungefährlich.

Länge: 2 cm (Weiblich, Erwachsener, Arbeiter)

Wissenschaftlicher Name: Vespa velutina

Höhere Klassifizierung: Hornissen

Bestätigte Funde gibt es mittlerweile auch in den Städten Köln, Düsseldorf, Duisburg, sowie im Kreis Heinsberg und im Kreis Viersen. „Bevorzugte Siedlungsgebiete der Asiatischen Hornisse sind Flussauen und Stadtränder unterhalb 200 Höhenmetern“, so das Lanuv. Doch die Ausbreitung könnte jetzt weiter voranschreiten.

„Mit einer Einwanderung aus Belgien und den Niederlanden ist weiterhin zu rechnen, sodass die Zahl der Völker im Rheinland wahrscheinlich zunehmen und auch die Ausbreitung nach Norden und Osten weiter voranschreiten wird“, erklärt das Lanuv. Der Grund: auch in den Nachbarländern breitet sich das Insekt aus. Das Lanuv spricht von „hohen Populationsdichten“, welche die Hornisse in kurzer Zeit in den Nachbarländern erreicht hat. Immer wieder tauchen auch in NRW Insekten auf, die viele so vielleicht noch nicht gesehen haben. Erst 2022 sorgte die Nosferatu-Spinne in NRW für Aufsehen. Bei anderen Insekten ist hingegen jedes Jahr aufs Neue Vorsicht geboten: so zum Beispiel bei den Raupen des Eichenprozessionsspinners. In Köln wurde im Sommer eine weitere Schmetterlingsart gesichtet, die in Zukunft öfter in NRW auftauchen könnte.

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Ist die asiatische Hornisse gefährlich für Menschen?

Für Menschen besteht durch die Asiatische Hornisse laut dem Landesamt keine unmittelbare Gefahr. „Nur im unmittelbaren Nestbereich verteidigt sie sich und die Brut mit Stichen, insbesondere bei Erschütterungen des Nests“, erklärt das Lanuv weiter. „Die Stiche sind für Nicht-Allergiker ungefährlich und vergleichbar mit Wespen- oder Bienenstichen“.

Lanuv sieht die Asiatische Hornisse als „potenzielle Bedrohung“ für heimische Bienen

Anders als beim Mensch sieht die Sache jedoch für andere Insekten aus, erklärt das Amt: „Da die heimische Honigbiene im Gegensatz zu der asiatischen Honigbiene keine besonderen Abwehrmechanismen gegen das Eindringen in den Bienenstock entwickeln konnte, wird die Asiatische Hornisse als potenzielle Bedrohung für die Imkerei angesehen“. Gerade Bienenvölker, die bereits als geschwächt gelten, sind gefährdet.

„Aufgrund der in den westlichen Nachbarländern erreichten hohen Populationsdichten besteht die Vermutung, dass der invasive Insektenjäger heimische Wildbienen oder andere Beuteinsekten im Bestand gefährden könnte und damit auch negativen Einfluss auf die Bestäuberaktivitäten haben könnte“, so das Lanuv.

Bevölkerung soll jede Sichtung der Asiatischen Hornisse melden

„Der negative Einfluss auf heimische Insekten ist bis jetzt nicht messbar“, erklärt das Lanuv. Dennoch sei es notwendig, die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse in Deutschland und in NRW genaustens zu beobachten. „Um wirksame und effiziente Maßnahmen zur Bekämpfung durchführen zu können, ist es wichtig, jede Sichtung zu melden“, appelliert das Ministerium an die Bevölkerung. Konkret heißt das für jeden: Wer eine Asiatische Hornisse in NRW sieht, sollte seine Beobachtung den Behörden melden.

Ich habe eine asiatische Hornisse gesehen – was muss ich tun?

Dafür soll laut Lanuv am besten ein Foto von der Hornisse an das Neobiota-Portal gesendet werden.

Alternativ kann auch eine entsprechende Smartphone-App genutzt werden.

Wer seine Sichtung nicht dem Lanuv direkt melden möchte, kann Sichtungen der Asiatischen Hornisse auch der zuständigen Naturschutzbehörde vor Ort melden.

►Wichtig ist laut Lanuv dabei, den genauen Standort und die Flugrichtung der Tiere zu nennen.

Bienenstöcke sollen vor der asiatischen Hornisse geschützt werden – Fangen ist verboten

Damit heimische Bienenvölker von der Asiatischen Hornisse nicht angegriffen werden, empfiehlt das Lanuv Schutzmaßnahmen. „Hierzu wird empfohlen, ein Netz oder ein Schutzgitter von sechs Millimeter Maschenweite zu installieren, das von Honigbienen, nicht aber von der Asiatischen Hornisse passiert werden kann“, so das Landesamt. Außerdem können Bienen zusätzlich gefüttert werden, damit sie widerstandsfähiger gegen die neue Hornissenart werden.

Doch Achtung: „Der Einsatz von beköderten Fallen zum Fang der Asiatischen Hornisse ist nach deutschem Recht verboten, denn es werden darin überwiegend zu schützende Nektar fressende Fluginsekten gefangen und getötet“, heißt es. Ähnliches gilt übrigens auch für andere Verwandte der Hornisse: Wespen dürfen in Deutschland nämlich nicht getötet werden. (jr)

Rubriklistenbild: © Wirestock/Imago

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