VonJohannes Rützelschließen
Metallbau-Firma Dallwig aus Kassel-Waldau automatisiert im handwerklichen Fenster- und Türenbau: Wachstum durch Prozessoptimierung.
Kassel – Andreas Grimm begrüßt mit hochgekrempelten Hemdärmeln. Der Geschäftsführer des Fenster- und Türbauunternehmens Dallwig hat 450.000 Euro in eine neue Maschine von Schüco investiert, die automatisch Aluprofile für den Fensterbau zuschneidet und vorbereitet. Dabei ist die Investitionsstimmung in Nordhessen alles andere als gut.
Er kommt gleich zum Thema: Klar sei man vom Bau abhängig, der gerade stockt. „Welche wirtschaftliche Situation ist schon einfach?“, fragt der 52-Jährige rhetorisch zurück. Man müsse sich auf verändernde Situationen einstellen, meint er, und lenkt das Gespräch auf größere wirtschaftliche Fragen. Fachkräftemangel, Digitalisierung, Klimaschutz: Auf diese Entwicklungen zahlt er mit Automatisierung ein.
Wann sich die Investition amortisiert? Viel wichtiger seien die Effekte, die die neue Maschine ab dem ersten Tag Betrieb hat, betont Andreas Grimm. Seine Firma solle weiterhin als innovativ wahrgenommen werden. Und – noch viel wichtiger – die Automatisierung habe ab dem ersten Tag positive Effekte für die Arbeitsbedingungen.
Automatisierung in der Metallbearbeitung: Drei Arbeitsschritte nun in einem
Sägen, Bohren und Fräsen – früher mussten die Aluprofile dafür von Maschine zu Maschine transportiert werden. Jetzt wird alles in einem Arbeitsschritt bedient, mit viel höherem Tempo und viel höherer Präzision, betont Andreas Grimm.
Investition ist nicht gleich Investition
Investitionen können für Unternehmen mehrere Zwecke erfüllen. Sie können eine alte Anlage ersetzen oder die Produktion auch rationalisieren, also kostengünstiger oder qualitativ besser machen. Weitere Zwecke sind mehr oder andere Produkte herstellen zu können als vorher, also das Angebot zu erhöhen oder zu verbreitern.
„Moderne Welt“, raunt Mitarbeiter Sergey Cherepkov. Gerade hat er ein etwa sechs Meter langes Aluprofil eingespannt. Darüber bewegen sich jetzt eingehaust und automatisch die Werkzeuge, Aluspäne fallen zu Boden.
Ob er nicht Sorge hat, dass ihm die Maschine die Arbeit abnimmt? „Nein“, sagt der Metalltechniker lachend und wissend, dass auf seinen Schultern jetzt eigentlich noch mehr Verantwortung lastet. Denn wenn die Zuschnitte nicht rechtzeitig fertig sind, würde die Tür- und Fensterrahmenmontage stillstehen.
Automatisierung ermöglicht auch Wachstum ohne Personalzuwachs
„Die Facharbeiter haben jetzt mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten, für die man auch Fachpersonal braucht“, erklärt Andreas Grimm. Während sein Firmenumsatz in den vergangenen Jahren stetig auf mittlerweile etwa sechs Millionen Euro gewachsen ist, sei die Mitarbeiterzahl relativ konstant bei nun 36 geblieben, erzählt der Unternehmer. Gewachsen sei man vor allem durch Optimierung der Prozesse.
Eine zweite Montagelinie hat der 52-jährige Unternehmer bereits in Planung, in die Zukunft blickt er optimistisch. Die Vernetzung von Fenstern und Türen, Stichwort „Smart Home“, nehme zu, und werde von einem eigenen Elektrobetrieb umgesetzt. Etwa 70 Prozent seines Umsatzes mache Dallwig in Kassel und Umgebung, hier gehe der öffentliche Bau trotz Krisenstimmung seiner Einschätzung nach geräuschlos weiter, bei Kitas oder Schulen beispielsweise. „Alles, was jetzt bei CO2-Einsparungen passieren soll, das wird nur mit modernen Gebäudehüllen und Fenstern funktionieren.“ Die Isolierprofile dafür kommen zum Beispiel direkt von Kunststoffspezialist Technoform im Langen Feld in Niederzwehren, mit der Andreas Grimm auch sonst bei Workshops und Ausbildung gerne zusammenarbeitet, wie er erzählt.
Die Mitarbeiter bei der Modernisierung als Team mitzunehmen, Vorschläge machen zu lassen und Mitsprache zu gewähren, das müsse man leben, betont der Chef. Schließlich würde Arbeit mit fortschrittlicher Technik die Menschen auch stolz machen. (Johannes Rützel)
Zuletzt warnte die IHK Kassel-Marburg vor einem „gefährlichen mix“ für die Wirtschaft in Nordhessen.
